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Spider-Man: House of M (Marvel Exklusiv Bd. 61)

Rezension von Christian Endres

 

Elseworld-Abenteuer haben in der Welt der großen amerikanischen Comic-Universen von Marvel oder DC eine lange, qualitativ jedoch eher durchwachsene Tradition. Mit House of M startete Marvel kürzlich den Versuch, Crossover und Elseworld zu kombinieren und unter Schirmherrschaft von Brian Michael Bendis (Powers, Daredevil, New Avengers) all die altbekannten Figuren des Marvel-Universums mit einer veränderten, von Mutanten beherrschten Zukunft unter einen Hut zu bringen ...

 

Die nahe Zukunft ist verändert. Mutanten regieren unter der Herrschaft Magnetos die Welt. Plötzlich sind Menschen die Gejagten, die Ausgestoßenen. Peter Parker, vielen besser bekannt als Spider-Man, ist glücklich mit Gwen Stacy (!) Verheiratet, ein Wrestling- und Filmstar und ein unglaublich reicher, glücklicher Mann – oder? Doch es gibt ein Geheimnis, das an Parker nagt und schließlich zum Vorschein kommt, als der mysteriöse Grüne Kobold Peter Parkers Erzrivalen, seinem Pressechef J. Jonah Jameson, das geheime Tagebuch des jungen Parker in die Hände drückt und JJJ seine Chance gekommen sieht, es seinem Peiniger endlich heimzuzahlen und fürchterlich Rache zu nehmen. Dass er damit das Leben einer ganzen Familie zerstört, interessiert Jameson dabei nicht die Bohne, und so wird Peter Parker immer weiter in die Verzweiflung hinein getrieben. Vielleicht könnte es aber auch sein, dass Parker schon immer dort gewesen ist und sich nun erstmals daraus hervor wagt ...

 

Mark Waid und Tom Peyer legen in den fünf Heften eine gute Geschichte mit netten Einfällen und einer charmanten Aneinanderreihung von klassischen Spider-Man-What-if-Storyelementen vor. Geschickt lassen sie Spider-Mans Vergangenheit, seine Gegenwart und (s)eine alternative Zukunft – die natürlich maßgeblich von einer anderen, alternativen Vergangenheit abhängig ist – zu einer stimmigen Einheit verschmelzen. Besonders gut gefallen mir neben dem grundliegenden Setting und der Konstellation Parker-Stacy bzw. Parker-Jameson dabei vor allem die Idee mit dem Hawai-Hemd-tragenden Rhino als Leibwächter des Medienstars Peter Parker und die relativ starke Einbeziehung des sympathischen Crusher Hogan, welcher Wretling-Ikone Hulk Hogan dank Larrocas Artwork obendrein noch ähnlicher sieht denn je (sogar der Hogan’sche Schnurrbart hat´s ins Comic geschafft!). Dennoch fehlt der Story an der ein oder anderen Stelle manchmal ein wenig die Homogenität und Geschlossenheit, was ihr am Ende leider ein paar Minuspunkte einbringen muss. Vielleicht hätte es der Geschichte gut getan, ein oder zwei Einzelhefte mehr Zeit zu haben, um vor dem Finale noch einmal Luft zu holen. Andererseits ist eben jenes Finale gemeinsam mit dem in zweierlei Hinsicht sehr schönen Ende wieder ein deutlicher Pluspunkt und wertet den Band zum Ende hin noch mal deutlich auf.

 

Salvador Larrocas leichtes, aber sehr stimmiges Artwork, das ich bisher nur von Marvels Mutantenfamily Nummer eins, den X-Men, kannte, weiß auch bei unser aller Lieblingswandkrabbler und einer von Mutanten regierten Welt zu gefallen. Das Redesign der Kostüme von Spidey, dem Kobold und Co. gelingt Larroca dabei ebenso gut wie das Einfangen der Fremdartigkeit der Mutantenwelt und deren nichtmenschlichen Bewohnern. Gemeinsam mit den außergewöhnlichen und gewohnt stimmungsvollen Farben von Liquid ergibt das annähernd die Höchstnote in Sachen Grafik und Optik, da beides hervorragend zur Geschichte passt, ohne sich zu irgendeinem Zeitpunkt in den Vordergrund zu drängen.

 

Das Spider-Man-Tie-In zu House of M, welches in den USA in fünf Heften erschien, bringt Panini hier gesammelt in der Marvel Exklusiv Reihe. Der dünne Band, der an die einstigen ME-Nummern im Zehnerbereich erinnert, in denen McFarlanes Wandkrabbler in ebenfalls eher dünnen Tradepaperbacks veröffentlicht wurde, hat trotz des für diese zweimonatlich erscheinende Reihe eher untypischen, geringen Seitenumfangs alle Vorzüge, welche die Sammelbände sonst auszeichnen: Schöne Aufmachung, gutes Papier, guter Druck. Hinzu kommt ein hübsches, sehr dynamisches und wunderbar coloriertes Frontcover und ein ganz starkes Backcover, wobei auch die Vorsatzzeiten des dünnen Paperbacks nicht zu wünschen übrig lassen und damit die schönsten drei der fünf US-Cover bereits im großen Format abgedeckt/abgedruckt sind.

 

Fazit: Ich bin kein Fan von Crossovern, und so sehe ich auch House of M und den nahenden Civil War mit Gelassenheit entgegen. Bendis ist ohnehin ein Autor, der mich in den letzten Monaten zu oft enttäuscht und sogar gelangweilt hat, weshalb ich den Hype um »seine« Events getrost ignoriere. Doch Spider-Man ist schon immer mein Lieblings-Marvelheld gewesen, und so sehe ich sein Tie-In zu Bendis’ HoM auch mit den Augen eines Spider-Man-Fans und bewerte es in erster Linie außerhalb des Kontext von Bendis’ HoM-Großereignis.

 

Und genau da liegt die Stärke des vorliegenden Bandes: Er funktioniert auch, ohne überhaupt nur einen Band der restlichen House-of-M-Geschichte zu kennen oder gelesen zu haben. Dabei erfüllt er zudem noch alle Eigenschaften einer guten Elseworld-Geschichte und kann bis auf einige wenige Mängel in der Handlung durchaus überzeugen.

 

Ein mehr als nur gutes Artwork, eine in der Summe ansprechende Kompilation an What-if-Konstellationen mit vielen guten Szenen und vor allem interessanten Einblicken auf die Möglichkeiten, die man sich Seitens Marvel beispielsweise mit Gwen Stacys Tod genommen hat, ergeben unterm Strich eine der besseren Miniserien bzw. Ergänzungen zu Bendis’ HoM-Serie: Lesenwert!

 

Eure Meinung:


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Comic:

Spider-Man: House of M

Reihe: Marvel Exklusiv Bd. 61

Autor: Mark Waid

Zeichner: Salvador Larroca

Panini – 12, 90 – 116 Seiten

April 2006

erhältlich bei Panini


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Erstellt: 14.05.2006, zuletzt aktualisiert: 12.07.2019 19:51