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Spur in die Vergangenheit von Simon R. Green

Reihe: Geschichten aus der Nightside Bd. 5

Rezension von Christian Endres

 

Es ist jetzt nicht gerade so, dass Simon R. Greens Nightside – Londons dunkles Herz, in dem es immer drei Uhr Morgens ist und diese dunkelste Stunde der Nacht von Magie, Göttern, Monstern, Legenden, Mythen sowie jeder nur erdenklichen Sünde geprägt ist – jemals Gefahr laufen könnte, ein für den Leser auch nur im Ansatz langweiliger Ort zu werden. Mit jedem Kapitel, das Green aufschlägt, ergeben sich neue Möglichkeiten, und mit jedem Band wird die Kulisse der Fälle des John Taylor vielfältiger und die Mischung aus Referenzen und Verquickungen schriller.

 

Trotzdem nimmt Green uns diesmal mit auf eine Zeitreise - eine ganz und gar klassische, wohlgemerkt, denn in Zeitblasen und dergleichen waren wir ja bereits in den Vorgängerbänden. Allvater Zeit – jetzt Vater Chronos – ist für »Schattenfall«-Leser kein Unbekannter mehr. Er ist es dann auch, der John Taylor und zwei mehr oder weniger erlesene Gefährten in die Vergangenheit der Nightside schickt: in eine schmutzige, mittelalterliche Version der Dunklen Seite der Nacht kurz nach König Artus’ Tod und dem Fall Camelots und seiner Ideale - und in die Nightside zur Zeit der römischen Besatzung Britanniens, kurz nach Gründung Londiniums.

 

Und dann ist da natürlich noch die unheimliche Geburtsstunde der Nightside, wo man auf Taylors aus dem Paradies vertriebene, wahrlich umtriebige Mutter Lilith treffen kann – so wie John sich das ja die ganze Zeit über vorgestellt hat und weshalb er erst den Sprung ins launische Zeitmeer gewagt hat...

 

Zeitreise-Romane sind rein strukturell anfällig, ihrem Leser vor lauter Paradoxen Kopfschmerzen zu bereiten. Nur weil es in die Vergangenheit der verrückten Nightside – und damit einer der interessantesten Urban Fantasy-Schöpfungen der letzten Jahre – geht und Green ein echter Fantasy-Routinier ist, heißt das noch lange nicht, dass die Kopfschmerzen diesmal ausbleiben. Auch Green strapaziert die Logik zuweilen mächtig und rührt ordentlich im zeitlichen Gefüge und der Kontinuität seines kleinen Mikrokosmos. Es ist halt immer die gleiche Frage: Kann ich mein Handeln in der Vergangenheit verantworten? Und welchen Effekt wird es auf die Zukunft – also die Gegenwart, aus der ich komme – haben?

 

Das macht den fünften Abstecher in die Nightside dann auch manchmal ein bisschen sperrig und lässt ihn nicht ganz so locker-lässig wie die bisherigen Teile erscheinen. Fans von Green, der Nightside und natürlich John Taylor kommen dennoch weitgehend auf ihre Kosten und erfreuen sich an der Abwechslung, die die historischen Varianten und Stadtgesichter der Stadt in der Stadt bieten, und den Entwicklungen zwischen den Figuren. Und natürlich an obskuren Auftritten von prominenten Gast-Stars wie Poseidon...

 

Die Nightside ist eben immer einen Besuch wert – auch in ihrer ureigenen Vergangenheit.

 

 

 

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Buch:

Spur in die Vergangenheit

Reihe: Geschichten aus der Nightside Bd. 5

Autor: Simon R. Green

Taschenbuch, 280 Seiten

Feder & Schwert, März 2009

ISBN: 3867620458

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 18.03.2009, zuletzt aktualisiert: 16.07.2019 19:30