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Stardust - Der Sternwanderer von Neil Gaiman und Charless Vess

Rezension von Ingo Gatzer

 

Rezension:

Wir befinden uns zu Beginn des Viktorianischen Zeitalters in einem beschaulichen englischen Dorf namens Wall. Dessen Name leitet sich von einem Steinwall an der Ortsgrenze ab, hinter dem das geheimnisvolle Feenland beginnt. Der junge Tristran Thorn hat sich in die Dorfschönheit Victoria Forester verliebt. Die verspricht ihm – halb im Scherz – alles zu geben, was er begehrt, wenn Tristran für sie einen Stern holt, den beide in einer Nacht vom Himmel haben fallen sehen. Doch Tristran sieht das als große Chance, das Herz seiner Liebe zu gewinnen. Deshalb macht er sich auf den Weg, der durch das Feenland führt. Aber nicht nur er hat es auf den Stern abgesehen.

 

Der Roman „Stardust - Der Sternwanderer“ des englischen Autors Neil Gaiman entstand bereits im Jahr 1998. Besonders reizvoll ist er nicht nur wegen der ungewöhnlichen Mischung aus Märchen und Fantasy, sondern auch wegen der zahlreichen Illustrationen aus der Feder von Charles Vess. Letztere wurden bei der ersten deutschen Version außen vorgelassen. Erst nachdem Matthew Vaughn Gaimans Geschichte im Jahr 2007 verfilmte – unter anderem mit Sienna Miller, Michelle Pfeiffer, Robert De Niro und Peter O´Toole – kamen auch deutsche Leser in den Genuss einer illustrierten Ausgabe. Diese war jedoch in typografischer Hinsicht nicht optimal geraten. Zum Glück hat Panini nun eine neue Edition auf den Markt gebracht.

 

„Stardust - Der Sternwanderer“ ist kein Märchen im strengen Sinne, trägt aber unverkennbar die typischen Züge des Genres. So ist etwa das Übernatürliche allgemein akzeptierter Teil der Welt. Allerdings bedient sich Neil Gaiman auch verschiedener Züge der Fantasy. Das verwundert kaum, da der Engländer gerade in diesem Bereich bereits große Erfolge feiern konnte. Insgesamt konnte Gaiman sowohl den Hugo Award, den Locus Award, den Nebula Award sowie den World Fantasy Award gewinnen. Seinen Roman „Stardust - Der Sternwanderer“ lässt er ganz langsam beginnen und wie einen Baum behutsam gedeihen. Erst nach und nach wachsen aus dem Stamm verschiedene Äste respektive Erzählstränge. Im Stil alter Romane stellt er jedem Kapitel einen kurzen inhaltlichen Hinweis voran. Dieser ist aber immer so allgemein gehalten, dass dieses nicht auf Kosten der Spannung geht. Seine Geschichte verspürt ein herrlich nostalgisches Flair und lässt sich mit fast allen Sinnen genießen, wenn Gaiman Gerüche, Bilder und seelische Zustände ausführlich und abwechslungsreich schildert sowie seine Charaktere durchweg ansprechend gestaltet. Die wunderbare Sprache ist eine der vielen Stärken von „Stardust - Der Sternwanderer“. Hier hat sich nicht nur Neil Gaiman, sondern auch Christine Strüh ein großes Lob verdient, die den passenden Sprachgestus durch Ihre Übersetzung auch im Deutschen am Leben erhält. Zudem überträgt sie die kurzen lyrischen Elemente sehr stimmig aus dem Englischen. Die Geschichte bietet praktisch alles: von Komik über Spannung und Action – dieses vor allem im zweiten Teil – bis zu Gewalt und Sex. Spätestens jetzt sollte klar sein, dass es sich bei „Stardust - Der Sternwanderer“ - trotz märchenhafter Züge und zahlreicher Illustrationen – nicht um ein Buch für Kinder, sondern für Erwachsene handelt. Wie einige Leserreaktionen zeigen, ist dieser Hinweis in unserem Kulturkreis nötig. Neil Gaiman liefert eine Geschichte ab, bei der sich sein Publikum rundum wohlfühlen kann. Da macht es auch nichts, wenn einige Passagen ein wenig naiv wirken und das Ende – auch wenn der Autor zumindest noch eine kleine Überraschung parat hat – etwas vorhersehbar ist. Dieses ist schlichtweg dem märchenhaften Charakter geschuldet und der macht irgendwie auch einen Reiz des Buchs aus.

 

Nach Betrachtung der mehr als 170 Illustrationen, die „Stardust - Der Sternwanderer“ schmücken, ist es noch unverständlicher, warum die deutsche Erstausgabe ohne diese Zeichnungen veröffentlicht wurde. Verantwortlich für deren Gestaltung ist Charless Vess. Der Künstler hatte bereits für seine Zusammenarbeit mit Neil Gaiman an „The Sandman: A Midsummer Night´s Dream“ 1991 einen World Fantasy Award gewonnen. In den nächsten Jahren sollten unter anderem noch zwei Eisner Awards und ein weiterer World Fantasy Award folgen. Seine Zeichnungen sind sehr abwechslungsreich: Mal sind es nur kleine Elemente, dann wieder eine ganze Doppelseite füllende Bilder, die durch ihren Detailreichtum bestechen. Diese Illustrationen sorgen für eine dichte Atmosphäre, die auch Neil Gaimans Geschichte zugute kommt. So sind die Zeichnungen anfangs vor allem in bonbonfarbenen Pastelltönen gehalten, nehmen im Verlauf der dramatischer werdenden Handlung aber auch immer wieder einen düsteren Charakter an. So ergänzen sich beide Ebenen des Buches sehr harmonisch. Wer sich die Spannung nicht verderben lassen möchte, sollte immer erst den Text lesen und erst danach die Illustration auf der Seite genießen. Wenn kritische Zeitgenossen unbedingt etwas bekritteln möchten, dann , dass einige Details der Zeichnungen nicht immer mit der Beschreibung von Neil Gaiman zu 100 Prozent übereinstimmen. Stören wird das allerdings den typischen Leser – angesichts der hohen Qualität der Illustrationen und vor allem der toll gestalteten Figuren – aber kaum.

 

Als Bonus finden sich im Anhang des Buchs einige Cover und Skizzen sowie zwei Biografien von Neil Gaiman und Charles Vess. Vor allem die Vita des Autors sprüht allerdings so vor Schalk, dass es zwar ein Vergnügen ist sie zu lesen, sie aber wenig über den Schriftsteller selbst vermittelt. Angesichts seines großen Bekanntheitsgrades ist das aber auch kaum nötig. Besser so eine komischer Text als eine knochentrockene Lebensgeschichte.

 

 

Fazit:

„Stardust - Der Sternwanderer“ ist ein märchenhaftes und – im doppelten Wortsinne – fantastisches Buch für Erwachsene, das alles bietet, was eine gute Geschichte haben sollte und sowohl textlich als auch zeichnerisch vollauf zu überzeugen vermag.

 

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Roman

Stardust - der Sternwanderer

Originaltitel: Dawnthief

Reihe: Stardust

Autor: Neil Gaiman

Zeichner: Charles Vess

Verlag: Oanini

Erscheinungsdatum: Januar 2015

Gebundene Ausgabe - 212 Seiten

ISBN-10: 395798193X

ISBN-13: 978-3957981936

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 09.02.2015, zuletzt aktualisiert: 16.07.2019 19:30