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Steppenfalken von Silvia Hildebrandt und Ira Habermeyer

Rezension von Christel Scheja

 

Silvia Hildebrandt und Ira Habermeyer haben bereits den Roman Winterschwalben verfasst nun schlagen sie mit Steppenfalken ein neues Kapitel in ihrer Reihe Cold War Fiction auf, wenn auch mit neuen Charakteren aus den baltischen Staaten und Rumänien und gut dreizehn Jahre später, nämlich im Jahr 1985.

 

Attila Andras Novak ist ein junger und aufstrebender rumänischer Geheimdienstoffizier. Und um weiter Karriere zu machen, nimmt er einen heiklen Auftrag in Ungarn an, soll in einer Ferienregion jemanden überwachen. Das kommt ihm ganz recht, bedeutet es doch Luftveränderung und Abstand von ein paar Ärgernissen.

Dort aber begegnet er dem gut zwanzig Jahre älteren Rimas Rutkus aus Litauen und fühlt sich gleich zu diesem hingezogen. Was er nicht weiß ist, dass der Mann eigentlich ein KGB-Offizier ist, der in einem Mordfall an einem hochrangigen ungarischen Parteimitglied ermitteln soll, genau dem Mann, den Attila abgehört hat. Und so könnte der möglicherweise politisch motivierte Mord für sie beide gefährlich werden.

 

Mit ihrem Roman bieten die beiden Autorinnen eine ausgewogene Geschichte, denn auch wenn die beiden Männer und ihre Liebesgeschichte ein zentrales Element sind, so geht es doch auch um mehr als das, gewährt das Geschehen doch auch einen Einblick in die vielen verschiedenen Gesichter der Ostblockstaaten und ihrer Menschen.

Man darf Attila als jungen Mann kennenlernen, der natürlich Karriere machen will, weil das auch seiner Familie zu gute kommt, aber dennoch bodenständig geblieben ist. Zudem hat er einen Weg gefunden, seine sexuellen Neigungen auszuleben, ohne damit gesellschaftlich ausgegrenzt zu werden.

Der Auftrag im Balaton bietet ihm ungeahnte Freiheiten, die er ausgiebig nutzt, so lange er kann. Dass er dabei in den Bann eines älteren aber ungemein faszinierenden Mannes ist, scheint wie das Salz in der Suppe.

Aber auch Rimas wahrt ein Geheimnis und bekommt seinerseits den passenden Hintergrund, ist er doch nicht ganz so dem russischen Kadergehorsam verschrieben, wie man denken mag.

Der Roman ist zudem in einer interessanten Phase des kalten Krieges angesiedelt, denn gerade 1985 knackt und kriselt es an allen Ecken und Enden, bringen die Reformbewegungen Gorbatschows auch in den anderen Staaten des Ostblocks einiges in Bewegung, ob es den bisherigen Nutznießern passt oder nicht,

Man lernt so auch die höchst unterschiedliche Mentalität und den eigenen Willen der Menschen kennen, die zwar unter dem Kommunismus leben und nicht mucken, aber doch ihre Mittel und Wege haben, ein wenig Individualität zu genießen. In der Hinsicht macht das Buch Spaß. Der Kriminalfall kommt zwar ein wenig ins Hintertreffen, aber die Mischung machts und ist zudem sehr flüssig zu lesen.

 

Fazit:

»Steppenfalken« gibt weitere Einblicke in das Leben der Menschen in den damaligen Ostblockstaaten und verbindet das ganze mit einer spannenden Geschichte um Mord und konkurrierende Geheimdienste. Alles wirkt gut recherchiert und fühlt sich deshalb auch echt an, so dass man mehr bekommt als nur eine simple Gay-Romanze mit Kribbelfaktor. Denn auch das ganze Drumherum an Zeit- und Lokalkolorit, wie glaubwürdigen Hintergrundgeschichten kommt zum Recht und macht die Handlung erst so richtig rund.

 

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Buch:

Steppenfalken

Reihe: Cold War Fiction

Autorinnen: Silvia Hildebrandt und Ira Habermeyer

Selbstverlag, 26. Februar 2022

Taschenbuch, 329 Seiten

Cover: Renée Rott

 

ISBN-13: 979-8423090609

 

Erhältlich bei Amazon

 

Kindle-ASIN: B09TG18JGC

 

Erhältlich bei Amazon Kindle-Edition


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Erstellt: 05.04.2022, zuletzt aktualisiert: 09.11.2022 17:57