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Sturmkämpfer von Tom Lloyd

Reihe: Weißaugen-Saga, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Es ist immer wieder interessant, mitzuerleben, wie junge Autoren mit ihren Debütwerken alten Themen neue Facetten abgewinnen können. Zwar kennt man den groben Handlungsverlauf schon von vielen anderen Romanen her – aber es sind die Details, die für Überraschungen und Veränderungen suchen.

Auch Tom Lloyd ist es mit seinem Roman „Sturmkämpfer“ gelungen, diesen Weg zu gehen und dem klassischen Motiv des von den Göttern auserwählten jungen Helden eine neue Richtung zu geben.

 

Isak hat es in seinem Leben bisher nicht leicht gehabt. Nicht nur, das er ohnehin zum verachteten fahrenden Volk gehört, auch sein Vater hasst ihn von Geburt an, da er seiner Mutter den Tod gebracht hat. Zudem ist der Junge auch noch ein „Weißauge“, was bedeutet, dass große Kräfte in ihm schlummern. Eines Tages wird er größer, stärker und aggressiver sein als andere Sterbliche und vielleicht sogar fähig dazu sein, Magie zu lenken.

Dann verändert sich seine Situation mit einem Male. Gefolgsleute des mächtigen Lord Bahl holen ihn von seinem Volk fort. Sie sagen ihm, dass er dazu ausersehen sei, der Nachfolger und Erbe des mächtigen Weißaugenfürsten zu werden. Dazu muss er aber noch eine Menge lernen. Und so beginnt eine lange und anstrengende Ausbildung, die ihn nach und nach mit einer anderen Welt in Berührung bringt. Auch das Leben der Adligen und Mächtigen ist ein tagtäglicher Kampf ums Überleben. Neben dem üblichen Gerangel um die Macht, haben sie auch noch eine große Verantwortung zu tragen.

Sie müssen das Land vor den Wesen schützen, die sich auch jetzt wieder im Verborgenen regen und sich aufmachen, uralte Artefakte in ihren Besitz zu bringen, die in der Zukunft die Welt, so wie Isak sie kennt, erschüttern dürfte. Er erfährt so schließlich auch , dass der Gott Nartis ihn selbst auserwählt hat, weil er Teil einer finsteren alten Prophezeiung voller Blut und Gewalt ist. Und der junge Mann spürt, das er handeln muss, wenn er nicht wie einst die Götter auf dem Schlachtfeld untergehen will.

 

Tom Lloyd zieht alle Register, wenn es darum geht, das klassische Motiv aus den Angeln zu heben. Im Großen und Ganzen erfüllt er die Regeln des Genres. Isak ist zunächst der geächtete und verachtete Außenseiter, der um Respekt und Achtung kämpfen muss, aber genau so gut weiß, das sie ihm von seinem Vater niemals zuteil werden dürfte. Um so begeisterter nimmt er dann die Chance an, die sich ihm bietet – aber auch nur bis zu dem Punkt, an dem er erkennt, dass er hier auch nur benutzt und manipuliert wird. Er will die ganze Zeit eigentlich kein Held sein und beginnt sich irgendwann gegen die Rolle zu wehren, in die man ihn drängt.

Vielleicht entspricht auf diesem Werdegang vieles dem Klischee – Isak entwickelt sich nicht nur körperlich sondern auch geistig zum Übermenschen – aber es gibt auch gehörige Abweichungen. Und er ist nicht der einzige. Die Charaktere sind bewusst eigensinnig angelegt, sie denken in erster Line an sich selbst und dann erst an die anderen Menschen um sich herum. Verluste von Unschuldigen werden in Kauf genommen und es gehört einfach dazu auch schon einmal brutal zurück zu schlagen, um sich Respekt zu verschaffen. Helden wie Schurken sind angenehm vielschichtig und daher nicht unbedingt immer einzuschätzen, weil sie sich nicht so benehmen, wie man es von ihnen erwartet.

Das einzige, was ein wenig undurchsichtig bleibt und den guten Eindruck etwas abschwächt, ist die Hintergrundgeschichte. Der mythologische Überbau ist nur ganz schwach angedeutet und bleibt ebenso wie die Motivation der Gegner eher schleierhaft und undurchsichtig, so dass es keinen wirklichen roten Faden gibt.

Vielleicht wird das auch erst im nächsten Band zum tragenden Thema. Der Roman führt erst einmal nur in die Welt ein und stellt die wichtigsten Figuren vor. Dabei gibt es neben den Beschreibungen auch eine Menge Interaktion zwischen den Figuren und nicht zuletzt Action, die auch den anspruchsvollsten Heroic-Fantasy-Fan zufrieden stellen dürfte, denn in den Kämpfen und Schlachten geht es zumeist sehr blutig und brutal zur Sache.

 

Das macht „Sturmkämpfer“ zum interessanten Debüt eines jungen Autoren, den es in der Zukunft zu beobachten gilt.

 

 

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Sturmkämpfer

Reihe: Weißaugen-Saga, Bd. 1

Original: Stormcaller, GB 2006

Autor: Tom Lloyd

Paperback, 656 Seiten

Heyne, erschienen Juni 2008

ISBN 978-3-453-52258-9

Übersetzung aus dem Amerikanischen von Andre Wiesler

Titelbildgestaltung von Les Edwards

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 15.07.2008, zuletzt aktualisiert: 18.04.2019 10:40