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Sündenfall von Ken Scholes

Reihe: Die Legende von Isaak Band 1

 

Rezension von Christel Scheja

 

Der in Oregon lebende Autor Ken Scholes veröffentlichte erst zahlreiche Kurzgeschichten, von denen einige mit Preisen ausgezeichnet wurden, bis er sich an seinen Roman machte. Sündenfall ist der erste Band der auf fünf Bücher ausgelegten Serie um Die Legende von Isaak.

 

Viele Jahre sind vergangen seit der Hexenkönig Xhum Y’Zir die Welt durch ein apokalyptisches Ritual fast zerstörte, das Meere verdampfen und weite Landstriche in eine Wüste aus geschmolzenem Glas verwandelte. Auch heute noch sind die Spuren deutlich zu erkennen, und die wenigen überlebenden Völker beherrschen das bewohnbare Land in einem komplizierten System aus Reichen und Bündnissystemen.

Dazu kommt die Furcht vor dem Orden der Androfranziner, der in seiner Hauptstadt Windwir das verschollene Wissen der vorapokalyptischen Welt sammelt und hin und wieder durchaus zeigt, welche Macht er besitzt, um Ärger und Probleme im Keim, zu ersticken.

Bisher funktioniert das System und einige Herrscher wie der unbeschwerte junge Herr der Neun Wälder – Rudolfo – kommen sogar recht gut damit zurecht.

Eines Tages aber entdeckt er bei einer seiner Reisen eine riesige Rauchsäule, die in den Himmel steigt. Als er sich das genauer ansieht, muss er feststellen, dass jemand oder etwas die bisher uneinnehmbare Metropole Windwir bis auf die Grundmauern zerstört hat. Inmitten der Ruinen entdecken der junge Herrscher und seine Männer einen Metallmann, der sich Isaak nennt. Ist er wirklich der einzige Überlebende, oder hat er vielleicht mehr getan, als sich nur in Sicherheit zu bringen?

Ehe er befriedigende Antworten erhalten kann, zeigt sich, dass auch andere neugierig geworden. Sethbert, das Oberhaupt einiger der Stadtstaaten am Entrolusischen Delta ist ebenfalls zu schnell zur Stelle, als dass es Zufalls sein kann.

Und offensichtlich weiß auch der undurchsichtige Vlad Li’Tam mehr, denn seine Tochter, die bisher eigentlich die Geliebte Sethberts war, scheint ihr ganz eigenes Spiel zu treiben.

Nur eines ist ganz sicher – nun wo die Macht Windwirs gebrochen ist, schwindet auch die Furcht und das Verlangen, lange unter der Oberfläche schwelende Konflikte endlich auszutragen, wächst. An dem kann auch der weise Papst mit seinen Vermittlungsversuchen nicht viel ändern.

 

„Sündenfall“ ist ein komplexes Werk mit einem sorgfältig ausgearbeiteten Hintergrund und einer Handlung, die weit davon entfernt ist, simpel zu sein. Der Anfang sogar recht klassisch – eine mächtige Stadt wird zerstört und niemand weiß so recht wie und warum das geschehen ist. Während die einen versuchen, heraus zu finden, was eigentlich passiert ist, frohlocken die anderen und vertiefen ihre Machtspielchen, so dass die ganze Situation noch komplizierter wird.

Das ganze ist ein postapokalyptisches Szenario eingebettet. Auch wenn der Autor nie konkret wird, so hat man doch eine Welt vor Augen, in der sich ein eher archaisches Setting mit den Hinterlassenschaften einer hochtechnisierten Gesellschaft und eindeutigen Elementen der Steamfantasy mischt – wie dampfbetriebenen Robotern und Schiffen – etwas, was zum Beispiel in japanischen Mangas und Animes sehr beliebt ist.

Auch die Figuren entsprechen zunächst Klischees. Da ist Rodolfo, der viel von einem Zigeuner hat, der dekadente und zur Grausamkeit neigende Sethbert und die geheimnisvolle Jin Li-Tam, die sich irgendwo zwischen Meuchelmörderin und Hetäre zu bewegen scheint. Doch dieser Eindruck schwindet, je tiefer man in die Handlung eintaucht. Alle Protagonisten haben mehrere Seiten, auch wenn diese zunächst nur angerissen werden. Der Autor setzt sie wie Spielfiguren auf einem Schachbrett ein. Geschickt macht er dabei Andeutungen und verrät doch niemals genug, um den Leser zufrieden zu stellen.

Die Action ist eher moderat, die Handlung wird mehr durch Intrigen und Erkundungen vorangetrieben als durch Aggressionen und Kampf. Immer wieder tun sich neue Facetten der Zerstörung Windwirs auf und lassen die Geheimnisse, die eben noch offensichtlich waren, in einem neuen Licht erscheinen.

Das macht „Sündenfall“ zu einem sehr intensiven und komplexen Werk, dass man nicht „einfach“ hinunter lesen kann. Der Autor fordert seine Leser auf, mitzudenken und zwischen den Zeilen zu lesen, macht es ihm aber auch nicht einfach, der Handlung zu folgen, da er nach und nach sehr viele Figuren einführt und diese in eigenen Ebenen agieren lässt. Man braucht also schon etwas Geduld und Interesse, um sich auf alles einzulassen.

 

Das macht „Sündenfall“ zu keinem leicht verdaulichen Fantasy-Schmöker für die Massen, könnte aber genau die Leser ansprechen, die Romane mit ein wenig mehr Anspruch und Komplexität als üblich suchen.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Sündenfall

Autor: Ken Scholes

Reihe: Die Legende von Isaak Band 1

Taschenbuch, 541 Seiten

Blanvalet, August 2010

Übersetzerin: Simone Heller

Titelbild: Isabelle Hirtz

 

ISBN-10: 3442266726

ISBN-13: 978-3442266722

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 07.11.2010, zuletzt aktualisiert: 18.04.2019 10:40