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Sunless Sea (PC)

Rezension von Cronn

 

Mit vollem Dampf voraus pflügt mein Dampfschiff durch die Finsternis des unterirdischen Ozeans. Über mir ist die Höhlendecke, unter mir die schwarze »Unterzee« und um mich herum die Dunkelheit. Einzig der Bordscheinwerfer verbreitet bugvoraus Licht.

Nur noch wenig Heizmaterial ist vorhanden. Und für meine Crew gehen auch die Proviantrationen zur Neige. Wenn nicht bald eine Insel in Sichtweite kommt, werde ich wohl das Boot und die Crew aufgeben müssen.

Gottlob! Die See-Fledermaus kommt eben herein und berichtet davon, dass etwas weiter südöstlich die Insel »Hunter‘s Keep« sich befindet. Ich wende das Schiff und tatsächlich – kurz voraus erkenne ich durch den Nebel die Küstenlinie.

Doch plötzlich taucht ein Piratenschiff auf und nimmt uns ins Visier seiner Bordlichter. Ich wende meinen Kahn, um einen Vorteil zu haben, indem ich das andere Schiff schneller in den Kegel unserer Lichter bekomme. Dann dauert es noch eine Zeit lang, bis meine Crew das Schiff gefechtsbereit gemacht hat – und dann feuere ich. Gerade noch rechtzeitig, denn die andere Schiffscrew hat ebenfalls gefeuert. Aber sie feuerte, noch ehe sie ihre Gefechtsbereitschaft hergestellt hatte. So geht ihr Schuss ins Wasser. Nicht so der unsere! Wir treffen das gegnerische Schiff frontal.

Dann geht es weiter. Noch zwei Treffer, dann haben wir es versenkt.

Ich schnappe mir das herumschwappende Treibgut und komme mit letzter Kraft in den Hafen von »Hunter’s Keep«. Dort erwarten mich die melancholischen Schwestern in ihrem Haus auf dem Hügel. Mal sehen, welche Geschichten sie mir heute erzählen …


Aestival
Aestival

Rezension:

Sunless Sea ist das neueste Spiel der Macher von Failbetter Games. Das Studio ist als Independent-Studio zunächst durch sein Browser-Game Fallen London bekannt geworden. Auf diesem Setting basiert auch »Sunless Sea«, ein Adventure-Rollenspiel-Mix, der durch eine Crowdfunding-Kampagne mitfinanziert wurde.

 

Hintergrund:

Das Setting von »Fallen London« basiert auf der Annahme, dass Teile Londons von Fledermäusen in den Untergrund verbracht wurden, wo sie am Ufer der »Unterzee«, einem gewaltigen unterirdischen Meer, angelangt sind.

Man spielt in diesem Steampunk-Universum einen Dampfschiff-Kapitän, der aus unterschiedlichsten Gründen die Unterzee befährt und Informationen sammelt, sowie Missionen für verschiedene Fraktionen erledigt.


Ferret
Ferret

Gameplay:

»Sunless Sea« lebt von seiner unheimlich dichten Atmosphäre. Die wird mit geringen Mitteln erzeugt, die aber unglaublich effektiv sind. Diese Mittel sind die Neugier auf Entdeckung des Unbekannten und die Kraft sprachlicher Formulierungen. Man sollte also neugierig sein und gute Englisch-Kenntnisse mitbringen, um den ganzen Spielspaß von »Sunless Sea« genießen zu können.

Gespielt wird in der Top-Down-Perspektive. Das Spiel beginnt in Fallen London, wo man sein Schiff ausrüsten kann. In dieser Phase klickt man sich durch Menüs und liest Texte. Viel Texte. »Sunless Sea« lebt zu einem großen Teil seine Faszination für die geschriebene Sprache.

Das Schiff ist das Alter Ego des Spielers. Hier kann er seine Crew anheuern und verwalten, kann neue Bordlichter und Waffen installieren, neue Motoren und so weiter. Wichtig sind vor allen zwei Elemente: Fuel und Supplys. Ohne Fuel bleibt man auf dem Meer liegen und ohne Supplys hungert die Mannschaft sich zu Tode. Daneben gibt es noch eine dritte Anzeige, die man im Auge behalten sollte: Fear. Wird die Angst der Mannschaft zu groß, weil man beispielsweise zu lange über offenes Wasser in Dunkelheit gefahren ist, dann werden sie wahnsinnig und das Spiel ist vorbei.

Das sollte man tunlichst vermeiden, denn »Sunless Sea« arbeitet mit einem Perma-Death-Feature, sprich: der einmal erstellte Kapitän ist tot, wenn es denn so ist. Es gibt aber eine Möglichkeit zu speichern und zu laden. Aber normalerweise speichert das Spiel immer nur dann automatisch, wenn man an einem Hafen anlandet.

Man kann auf verschiedene Weisen zu Geld kommen, eine davon ist, Erkundungsfahrten für die Admiralität zu unternehmen. Diese ist stets daran interessiert, Neuigkeiten zu erfahren, was in der Welt von Fallen London so alles passiert.


Legacy
Legacy

Um das zu tun, muss man einen Kapitän sich erstellen – was sehr schnell geht, da verschiedene Profile samt Hintergrundgeschichten vorhanden sind – und lostuckern. Die Erkundung der See ist unglaublich dicht gestaltet. In einem sehr dezent gehaltenen Grafikstil mit Grün-, Schwarz- und Blautönen, untermalt von sphärischer Musik, sieht man sein Schiff von oben, wie es über die Seekarte fährt.

Kommt man an einen Hafen, sollte man tunlichst anlanden und sich umsehen. Das Spiel wechselt dann wieder in eine menügeführte Spielweise. Hier kann man – ähnlich einem Abenteuerspielbuch – sich für verschiedene Optionen entscheiden und wird dann dementsprechend weitergeführt. Die Entscheidungen führen zu weiteren Optionen und so weiter.

An dieser Stelle kommt die große Stärke des Spiels zum Tragen: die Geschichten und die Atmosphäre von »Sunless Sea«. Mit minimalsten Mitteln wird hier im Kopf des Spielers ein Film abgeliefert, der seinesgleichen sucht. Sehr gelungene Formulierungen, eine tolle Phantasie der erfundenen Welt und dazu Originalität machen das Spiel zu einer Erfahrung, bei der man wirklich von »storydriven« sprechen kann. Nichts anderes ist »Sunless Sea«: Ein Abenteuerroman zum Spielen. Man muss sich allerdings darauf einlassen können, denn viel Zeit verbringt man vor dem Bildschirm mit dem Lesen von Texten. Allerdings ist es nicht auf dem Textumfangsniveau alter Textadventures aus den 80er Jahren, sodass auch heutige Spielergenerationen sich davon angesprochen fühlen können.

 

Grafik und Sound:

Die Grafik von »Sunless Sea« ist gelungen. Mit den dezenten Farbpaletten und der Top-Down-Sicht erzeugt das Game eine eigenartige Aura. Dabei darf man sich nicht täuschen lassen: »Sunless Sea« spielt nicht grafisch in der Oberliga mit. Man ist sichtlich bemüht um Animationen wie Dampf, Wasser und Rauch, sowie die Gegner (u.a. Riesenkrabben), aber mit AAA-Titeln ist die Grafik nicht zu vergleichen.

Der Sound ist sehr atmosphärisch geworden. Es gibt keine Sprachausgabe, dafür gibt es sphärische Musik und bewusst eingesetzte Sounds wie Glockenklingeln, permanentes Wassergurgeln, u.s.w.


Steel 6
Steel 6

Fazit:

»Sunless Sea« erzeugt eine Suchtspirale, der man sich nur schwer entziehen kann. Dabei ist das Spiel nicht grafisch in der Oberliga und auch der Sound ist zwar gelungen, aber keinesfalls perfekt. Was »Sunless Sea« richtig macht, ist die Essenz des Spielens zu erfassen: Neugier, Interaktivität und das Erzählen von richtig tollen Geschichten.

Und dabei ist »Sunless Sea« als Independent-Titel auf dem besten Weg und bietet Spielern, die sich auf die Textlastigkeit einlassen mögen, eine grandiose Spielerfahrung.

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Eure Meinung:

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PC-Spiel:

Sunless Sea

Failbetter Games, 6. Feb. 2015

 

Erhältlich bei: Via Steam erhältlich

 

OS: ab Windows XP

Prozessor: 2Ghz

RAM: 1 GB RAM

Graphik: 1280x768 minimum Resolution

DirectX: Version 9.0c

HD: 700 MB

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Erstellt: 20.02.2015, zuletzt aktualisiert: 10.05.2019 10:50