Systemausfall
 
Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Systemausfall

Rezension von Chatarena Horst

 

„Das klingt zu sehr nach Science-Fiction, finde ich.“

 

Drei Monate nach Erscheinen der deutschen Übertragung des neuen Shadowrun-Grundregelwerks, bringt Fanpro den ersten Quellenband zu 4.01 D. heraus. „Systemausfall“

schließt offiziell die inhaltliche Lücke zwischen der dritten und der vierten Edition und schildert die während der Jahre 2064 bis 2070 stattfindenden Umwälzungen der Sechsten Welt.

 

Ein privates Großunternehmen kündigt unerwartet seinen Börsengang an, um sich vor dem bevorstehenden Ruin zu retten. Diese Entscheidung löst in der Konzernwelt hohe Erwartungen aus, bei missgünstigen Konkurrenten wie hoffnungsvollen Anlegern. Und nicht nur dort: Eine weitere Fraktion plant, sich die in Erwartung des hohen Datenverkehrs aufgestockten Ressourcen der Ostküstenbörse zunutze zu machen.

Zeitgleich nähert sich der Plan einer apokalyptische Sekte seiner Vollendung; unterstützt von einem fanatischen Otakustamm und mittels einer heimtückischen Mischung aus Magie und Technik soll der Weltuntergang herbeigeführt werden. Vorzeichen sind bereits auf der ganzen Welt bemerkbar...

 

Wie ein lang planender Spielleiter diese Vorzeichen bereits früh in seine Plots einbauen kann, wird im ersten Kapitel beschrieben, gefolgt von eher stimmungsvollen als informativen Impressionen der Crash-Auswirkungen im zweiten Kapitel, inklusive sehr nützlicher Zeittafeln. In drei Kapiteln wird jeweils einer der Handlungsfäden aufgerollt, die zum Matrixcrash führen, inklusive ausführlicher Portraits der Drahtzieher, ihren Motivationen und Widersachern. Es folgt eine ausführliche Schilderungen der unmittelbaren Effekte und Folgen des Matrixausfalls, sowie ein Überblick über die langfristigen Veränderungen der Sechsten Welt, nicht nur auf technologischer, sondern auch auf kultureller und (konzern-)politischer Ebene. Zusätzlich gibt es in der deutschen Ausgabe ein Extrakapitel, in welchem der Crash 2.0 speziell aus Sicht der ADL beleuchtet wird.

Außerdem werden im ganzen Band verteilt zu unterschiedlichen Themenkomplexen knappe Abenteuer- und Kampagnenansätze vorgeschlagen, teilweise recht anregend, doch im Durchschnitt werden keine Ideen geliefert, auf die ein Spielleiter bei der plastischen Beschreibung der Ereignisse nicht auch kommen wird.

 

Die redaktionelle Seite ist dabei vorwiegend positiv zu bewerten. Die deskriptiven Texte werden durch Gesprächsmitschnitte, Tatsachenberichte und Shadowtalk ergänzt und lassen sich durchweg locker lesen. Unnötig langatmig ist lediglich die Passage „Was ist ein Börsengang“; hier hätte es eine knappere Erklärung auch getan.

Bei der chronologischen Anordnung der Texte wohl unvermeidlich, wurden teilweise Informationen zu einem Thema über mehrere Kapitel verteilt, Inhalte paraphrasiert, ein Abschnitt sogar ein zweites Mal fast identisch übernommen. Dadurch gestaltet sich - so flüssig der Band als Ganzes lesbar ist - eine gezielte Suche als frustrierend, umso mehr, da wieder einmal an einem Index gespart wurde.

Bei der deutschen Umsetzung sind nur ein paar Nachlässigkeiten bei einigen Wertetabellen auffällig; hier blieben zum Beispiel englische Begriffe teilweise unübersetzt.

 

Am Layout hat sich im Vergleich zu den Publikationen der dritten Edition wenig geändert; der Text ist nach wie vor zweispaltig gesetzt, Einleitungen einspaltig, aufgelockert von Wertetabellen, Zusatzinfos und Bildmaterial. InGame-Berichte wie Zeitungsausschnitte werden dabei in den Datenempfang-Boxen präsentiert, Regeltechnisches in gesonderten Rahmen. Versetzte Markierungen an den Seitenrändern können den fehlenden Index zwar nicht ersetzen, erleichtern aber beim Durchblättern zumindest die Kapitelsuche.

Die in Graustufen abgedruckten Illustrationen, acht davon seitenfüllend, sind durchweg gut, einige - wie beispielsweise die Arbeiten von John Gravato und Kevin Wasden - exzellent.

 

Einige Handlungsstränge aus vorigen Shadowrun-Publikationen (wie beispielsweise „Bedrohliche 6. Welt“ oder „Das Jahr des Kometen“) werden mit den Ereignissen in „Systemausfall“ fortgeführt, zu einem Ende gebracht oder auch weiter verwickelt, so dass Spielleiter laufende Kampagnen stimmig abschließen oder alten Feinden neuen Schwung geben können.

Während die meisten Ereignisse, wenn auch teilweise schon übersteigerten Ausmaßes, stringent alte Plotlinien weiterführen, scheinen manche Entwicklungen jedoch wie in der Not aus dem Hut gezogen oder schlichtweg überpowert. Tabellen zum Auswürfeln der Auswirkungen von magisch modifizierten EMP-Anschlägen und Richtlinien zum Spielen von Matrixentitäten werden jedenfalls manchem SL die Fußnägel aufrollen lassen.

Spielleiter von Gruppen, die die offiziellen Kampagnen der dritten Edition bereits ausgereizt haben und die Plotlinien im Kontext des zweiten Matrixcrash fortführen wollen, können beim „Systemausfall“ bedenkenlos zuschlagen. Auch karmaschweren Charakteren mit entsprechender Reputation sollte bei durchdachter Spielleitung ein Einblick in die komplexen Hintergründe der in „Systemausfall“ beschrieben Ereignisse möglich sein.

Dagegen Durchschnittsrunner ohne entsprechende Motivation oder Mittel hinter die Kulissen schauen zu lassen, ist bei den gigantischen Ausmaßen kaum sinnvoll möglich; auch solche Gruppen können natürlich (Standard-)Runs im großen Rahmen der Geschehnisse spielen, doch der Erkenntnisgewinn wird dabei für Charaktere wie Spieler gleich Null sein.

Der inhaltlicher Gehalt von „Systemausfall“ liegt nach detaillierter Schilderung der drei großen Handlungsstränge auf der neuen Matrix. Leider fallen auch hier wie an anderen Stellen des Buches die Beschreibungen im Detail etwas schwammig aus, so dass einige Fragen, die sich SL oder Spieler zu den kabellosen Strukturen und den Funktionen der „Augmented Reality“ stellen werden, unbeantwortet oder Interpretationssache bleiben.

 

---Fazit---

„Systemausfall“ beleuchtet die Vorgänge, die zum zweiten globalen Matrixausfall führen, beschreibt detailliert die Ereignisses am Tag X und gibt einen Überblick über die Welt nach dem zweiten Crash.

Etwas kreativere Ideen für Abenteuer- und Kampagnenansätze, sowie ein Index würden diesen Band brauchbarer machen, doch wird Spielleitern, trotz mancher Weitschweifigkeit einerseits und zu oberflächlichen Abhandlungen andererseits, ein solides Quellenbuch geboten, um den Übergang von der dritten zur vierten Edition zu meistern.

 

Nach oben

Hinweis:

Mit freundlicher Unterstützung von Fantasy Productions GmbH,

www.fanpro.com und www.f-shop.de

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202407200421427b17675a
Platzhalter

Systemausfall

System: Shadowrun

Autor: Boyle, Rob

Broschiert - 152 Seiten - Fantasy Productions

Erscheinungsdatum: Januar 2006

ISBN: 389064774X

Erhältlich bei: Amazon

 


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 08.05.2006, zuletzt aktualisiert: 08.02.2015 13:30, 2180