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Thanos von Jason Aaron und Simone Bianchi

Rezension von Ingo Gatzer


 

Rezension:

Was wären Superhelden ohne Superschurken? Wahrscheinlich über kurz oder lang arbeitslos. Damit das nicht passiert, ziehen die Marvel-Macher mit Thanos einen Bösewicht von galaktischem Kaliber aus dem Ärmel. Der ist zwar nicht ganz neu – Thanos feierte nämlich bereits vor mehr als vier Jahrzehnten in der Reihe „Iron Man“ sein Debüt und auch geduldigen Films von Comic-Verfilmungen dürfte der Name bekannt vorkommen – scheint dafür aber um so furchterregender. Zudem spielt er im „Infinity“-Event eine wichtige Rolle.

 

Der Band „Thanos“ beinhaltet als deutsche Erstveröffentlichung die fünfteilige Mini-Serie „Thanos Rising“, die von Jason Aaron erdacht und von Simone Bianchi in Szene gesetzt wurde. Geschildert wird die Entwicklung der Titelfigur, angefangen von seiner Geburt - die sich unter einem schlechten Vorzeichen auf dem Saturn-Mond Titan ereignet – bis zu seinem Aufstieg zu einem der am meisten gefürchteten Wesen des Universums. Thanos ist nicht nur intelligent, sondern auch von der Sammlung von Wissen besessen. Als er dabei anfängt, allgemein akzeptierte Grenzen zu überschreiten, ist das nur der erste Schritt auf seiner Entwicklung zu einem Monster.

 

Der erfahrene Autor Jason Aaron – immerhin bereits 2007 für den begehrten Eisner Award nominiert – beweist in seiner Story mehr als nur gute Ansätze. Das beginnt bei der ansprechend ausgearbeiteten Geschichte seiner Hauptfigur, die eine wirkliche Charakterentwicklung zeigt. Zudem kreiert Jason Aaron vor allem mit Thanos´ geheimnisvoller Begleiterin eine interessante Figur und liefert gegen Ende einen formidable Überraschung. Die meiste Zeit fehlt es der Geschichte aber leider genau an solchen Momenten. So geht der Autor gleich zu Beginn in medias res und lässt den Leser bereits auf der ersten Doppelseite wissen, dass Thanos mittlerweile zu einem Schlächter von Millionen von Welten geworden ist und auch seine Heimat zerstört hat. Das mag für eingefleischte Kenner des Marvel-Universums altbekannt sein, raubt anderen Lesern aber jede Spannung. Wenn dann anschließend zur Geburt von Thanos übergeleitet wird, ist klar, dass er dabei und auch später nicht – wie sonst angesichts der Ereignisse zu vermuten wäre – zu Schaden kommt. Die eigenwillige Eröffnung zeigt auch bereits, in welche Richtung sich Thanos entwickeln wird – so ist klar, dass die Arbeit des Protagonisten als Wissenschaftler nur eine Episode ist. Später kommt sogar Langeweile auf. Thanos tötet, zerstört und zerteilt. Niemand kann ihn besiegen. Er mordet, vernichtet, zerstückelt. Thanos ist unbesiegbar. Hier wäre etwas mehr Abwechslung wünschenswert gewesen. Zudem bleibt die Motivation des Schlächters von Abermillionen Lebewesen insgesamt recht hohl. Und gerade das Interessanteste, nämlich, was den interstellaren Schlächter letztlich derart so überlegen macht, dass Millionen von Welten ihm nicht widerstehen können, spart Aaron weitestgehend aus. Thanos bleibt dem Leser so fremd, wie seine eigentliche Herkunft. Eine Origin-Story sollte aber mehr bieten. Warum ist Thanos so anders? Wer ist sein Vater? Alle diese Fragen bleiben unbeantwortet und die Lektüre des Comics lässt den Leser ziemlich ratlos zurück.

 

Die Zeichnungen von Simone Bianchi sind durchweg passabel. Zudem überzeugt der Italiener immer wieder durch einen guten Panelaufbau und starke Bilder. Die Sinnsuche von Thanos verdeutlicht er etwa gekonnt visuell, als er ihn mit einem Totenschädel in bester Hamlet-Tradition sinnieren lässt und die Sinnlosigkeit durch die Zerstörung desselben andeutet. Thanos selbst gestaltet er – auch im Kontrast zu den anderen Bewohnern des Titan – fremdartig. Genau das erschwert es aber teilweise, aus seiner Mimik schlau zu werden. Etwas unschön wirken immer wieder Hintergründe, die er einfach weiß lässt.

 

Fazit:

„Thanos“ ist für Sammler und für Neugierige interessant, die unbedingt mehr über den Hintergrund des interstellaren Marvel-Bösewichts erfahren – und ein weiteres „Infinity“-Puzzleteil kennenlernen - möchten. Für alle anderen gibt es derzeit interessante und vielschichtigere Stories im Marvel-Universum zu entdecken.

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Eure Meinung:


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Comic

Thanos

Autor: Jason Aaron

Zeichner: Simone Bianchi

Erscheinungsdatum: März 2014

Panini - 124 Seiten - Softcover

ASIN: B00J4MRDIM

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 15.04.2014, zuletzt aktualisiert: 12.07.2019 19:51