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The Ocean at the End of the Lane von Neil Gaiman

Rezension von Ralf Steinberg

 

Rezension:

Neil Gaiman ist bekannt für die enge Verknüpfung dunkler Momente mit Märchen und Erinnerungen. Seine Kinder- und Jugendbücher wie etwas das Graveyard-Book oder Coraline zeugen davon.

Auch sein neuester Roman The Ocean at the End of the Laney stellt die Kindheit mit ihren Ängsten und Träumen in den Mittelpunkt.

Der namenlose Ich-Erzähler kehrt eher zufällig in jene Gegend zurück, in der er als Siebenjähriger lebte. Plötzlich steht er vor der Hempstock-Farm am Ende der Straße und beginnt sich zu erinnern. An den Tag, da er die elfjährige Lettie Hempstock kennenlernt und den Ententeich hinterm Garten, den sie einen Ozean nennt. Was zunächst seltsam klingt, erweist sich zunehmend als real. Zumindest für ein siebenjähriges Kind, das in Büchern und Comics versinkt, wenn es der Welt entfliehen will.

Und so entwickeln sich die Ereignisse in einer bunten Mischung aus Kindheitstraumata, Wunder und Gefühlen. Die drei Hempstockfrauen stehen dabei mit ihrer femininen Ruhe und Bedachtheit für das Bewahrende und Schützende, welches die Kindheit bei aller Gewalt und Gefahr umsorgt ohne das Wachsen zu behindern.

Gaiman würzt die Geschichte mit teilweise heftigen Szenen, die ihren Horror aber dadurch verlieren, dass sie konsequent aus der Sicht eines Kindes erzählt werden. Mit all den Ausblendungen und komplett unerwachsenen Fokussierungen, wie sie einem Kind das Leben ertragen lassen. Kindheit ist nicht unbedingt ein Mangel an Wissen. Vielmehr ist Wissen ein Mangel an Kindheit.

Gaiman schreibt auf dem Buchrücken, dass er die Geschichte auch als einen Roman über das Überleben verstanden wissen will und das kann man in mehrere Richtungen sehen.

Nicht nur der Erzähler überlebt eine tragische Zeit seiner Jugend, auch die anderen Wesen des Buches sind Symbole des Überlebens. Allen voran natürlich die Hempstocks, die mit Wilhelm dem Eroberer nach England kamen aus dem alten Land, wie Lettie sagt. Während die Hempstock-Männer irgendwann in die Welt ziehen auf der Suche nach Abenteuern, bleiben Großmutter Hempstock, ihre Tochter Ginnie und Enkelin Lettie hier am Ende des Weges und melken Kühe, versorgen die Farm und retten kleine Jungs vor den Kreaturen, die jenseits des Ozeans im Land unter dem orangenen Himmel leben.

Auch diese Monster wollen überleben. Wollen das tun, was in ihrer Natur ist. Etwa Fressen. Es wird tatsächlich auf das deutsche Wort verwiesen. Offenbar gibt es im Englischen keine derartige Unterscheidung. Hier dürfte Gaimans Deutschland erfahrene Frau Amanda Palmer ihre Finger im Spiel gehabt haben. Die Hempstocks geben diesen Wesen keine Schuld für das was sie sind. Letztlich ist das auch die Lektion, die der Junge zu lernen hat. Das, was man ist und das Ertragen der Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Selbst, wenn man ein Stück der Realität dafür herausschneiden muss, weil das Leben damit zu weh tut.

Aber auch den Erwachsenen wird Raum gegeben. Ihre Wünsche manifestieren sich in dem seltsamen Monster Ursula Monkton, dass Geld an sie verteilt – Gaiman-typisch mit bitterbösen Nebenwirkungen. Manchmal jedoch fehlt nicht viel, um sich ein neues Herz wachsen zu lassen.

 

Gaimans Märchen führt uns selbst zurück in die Kindheit, erinnert uns an die Kleinigkeiten. Regenrinnen, die einst aus Metall waren und jene Wege ins Abenteuer ermöglichten, die Erwachsene kaum erleben, weil sie die gängigen Straßen nehmen.

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Eure Meinung:

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Buch:

The Ocean at the End of the Lane

Autor: Neil Gaiman

Headkine, Juni 2013

gebunden, 248 Seiten

Sprache: Englisch

 

ISBN-10: 1472200314

ISBN-13: 978-1472200310

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 06.08.2013, zuletzt aktualisiert: 13.03.2019 13:45