The Saboteur (PS3)
 
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The Saboteur

Rezension von Björn Backes

 

Mit „The Saboteur“ endet eine der interessantesten, vielleicht auch wichtigsten Ären der jüngeren Videospielgeschichte. Es ist der finale Release der Pandemic Studios, die Ende letzten Jahres endgültig ihre Pforten geschlossen haben, ihr Mammutprojekt aber dennoch termingerecht zum Abschluss bringen konnten. Und dennoch ist „The Saboteur“ weit mehr als nur eine kurzfristig noch zusammengeschusterte Terminarbeit; ganz im Gegenteil: Gerade inhaltlich ist das große Finale einer der besten Genre-Mixes, die das aktuelle virtuelle Zeitalter je erleben durfte.

 

Inhalt:

Fast schon standesgemäß hat man sich für den taktischen Action-Hit mal wieder die Ära des Nationalsozialismus als Basis für den umfassenden Plot ausgesucht. Doch wer jetzt „Wolfenstein“-Gemetzel oder einfach nur blindwütige Schießereien vermutet, ist auf der falschen Fährte. Dem Titel entsprechend muss man das hinterlistig-grausame deutsche Naziheer unterwandern und von innen heraus vernichten – und das ausgerechnet mit einem Protagonisten, der sich in dieser Position eigentlich gar nicht zurechtfinden möchte.

Sean Devlin ist nämlich in erster Linie Rennfahrer und schert sich als Profiracer einen feuchten Kehricht um das Kriegstreiben im restlichen Europa. Erst als der beutale Nazi Dierker sich ebenfalls in den Racing-Zirkus einschaltet und Devlin um einen sicheren Sieg bringt, fühlen sich Sean und sein Freund Jules herausgefordert, müssen ihren darauf folgenden Mut jedoch bitter bezahlen. Dierker sorgt dafür, dass die beiden im Lager gefangen gehalten werden, und Jules, Seans bester Freund, stirbt beim Ausbruchsversuch. Für Devlin ist klar: Dieses Unglück bleibt nicht ungesühnt – und bevor er länger nachdenken muss, beschießt er, die Deutschen zu sabotieren und die Nazis im Alleingang auszuschalten.

 

In Sachen Gameplay werden daher auch relativ flott Erinnerungen an die ersten „GTA“-Gehversuche wach: Ähnlich wie bei „Grand Theft Auto“ steuert man seinen Helden entweder zu Fuß oder in einer der noblen Karossen jener Zeit durch de Städte, schaltet sich in Schlägereien ein, frönt immer wieder dem ungezügelten Charakter des Iren, lernt Verstecke auszuhebeln, beginnt dann aber – und das ist entscheidend – mit und mit die Deutschen zu sabotieren. Da werden Uniformen gestohlen und unter falscher Flagge gemordet, feindliche Linien unterwandert und die Rädelsführer um die Ecke gebracht, und zu guter Letzt kümmert man sich redlich darum, dass die Maskerade nicht auffliegt und schaltet mit taktischem Feingeschick die möglichen Alarm- und Unruhestifter gezielt aus. Derweil nutzt man natürlich auch seine Fähigkeiten hinterm Steuern, entwickelt sich gleichzeitig zum gewieften Dieb, tüftelt an seinen handwerklichen (mechanischen) Fähigkeiten und schraubt auch am Sprengstoffeinsatz, der sowohl sehr straight als auch zur Ablenkung der umliegenden Wachen genutzt werden kann. Das Ziel, Dierker auszuschalten, klar vor Augen, rennt man von Mission zu Mission, findet hierbei hunderte Optionen, das Feindvolk Nr. 1 zu eliminieren und wird in seiner Rachsucht immer mehr befriedigt. Insbesondere weil die Haudrauf- Taktik mancher Shooter in „The Saboteur“ zwar eine mögliche Variante ist, grundsätzlich aber fast nie zum Ziel führt! Und da nebenbei auch einige ästhetische Bewegungen gefragt sind und man sich zwischenzeitlich sogar an die aktuelle „Assassin’s Creed“-Fassung erinnert fühlt, ist der Mix aus Strategie, Action und Raffinesse schlichtweg prima ausgewogen!

 

 

Technik/Grafik:

„The Saboteur“ hat lediglich eine einzige Schwäche, und das ist die Steuerung. Die Bewegungen sind sehr unsensibel umgelegt, und gerade bei den anspruchsvolleren Kletteraufgaben kommt man manchmal unfreiwillig ins Schwitzen. Gleiches gilt später für die mobilen Geschichten in den einzelnen Fahrzeugen. Die Lenkung ist sehr wackelig, und auch wenn man nicht den Anspruch haben sollte, den man einen Racing-Titel ganz berechtigt hat, befindet sich das Game diesbezüglich gerade mal im durchschnittlichen Bereich.

Jenes Manko konnten die Leute in den Pandemic Studios jedoch mit einem Grafikkonzept ausgleichen, welches seinesgleichen sucht. Die Film Noir-Stimmung, die aufgrund des hohen Action-Anteils nicht selten „Sin City“-Format aufnimmt, ist prächtig, mischt sich aber derweil auch sehr schön mit den apokalyptischen Tendenzen, die die zeitgemäße Visualisierung aufnimmt. Die Auflösung ist prächtig, die Animationen ein echter Genuss, und gerade in den unzähligen Zwischensequenzen sowie im epischen Prolog ist der Unterhaltungswert im visuellen Bereich fantastisch und eine der vielen richtig großen Stärken des Spiels. Prächtig!

 

 

Spielspaß:

Alle Wege führen nach Rom – und in „The Saboteur“ führen mindestens tausend Wege zum Ziel einer jeden Mission. Die Aufgaben sind taktisch angelegt, können zwar auch mit Gewalt durchgezogen werden, wenn man ein bisschen Übung mit Steuerung und Waffenführung hat, fordern aber definitiv die Kreativität des Spielers. Diesbezüglich hat „The Saboteur“ im Vergleich zum offenkundigen Vorbild „Grand Theft Auto“ sogar kurz die Nase vorn, auch wenn der Pandemic-Titel in Sachen Umfang und Kompromisslosigkeit nicht ganz mit dem Rockstar-Klassiker mithalten kann. Aber die Tendenz ist eindeutig und wird dementsprechend positiv aufgenommen!

Was das Spiel letzten Endes aber auszeichnet, ist sein universelles Talent. Es sind so viele Talente gefragt, andererseits bekommt man vergleichbar viel geboten und wird nicht nur im aktiven Spiel, sondern auch in den Erzählsequenzen – da kann und muss man definitiv von Value for Money sprechen. Und von Qualität, die sich vor allem in stundenlangem Spielspaß entlädt!

 

 

Fazit:

In den einzelnen Sparten, die „The Saboteur“ bedient, ist der Titel vielleicht nicht der Topstar der Ranglisten. Doch in der Kombination aller enthaltenen Elemente ist das Pendemic-Abschlussprodukt ein echter Kracher, den sich Anhänger taktischer Action-Games auf keinen Fall entgehen lassen sollten!

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240422145833cc0a2adc
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MEDIUM:

The Saboteur

System: Playstation 3

Designer: Pandemic

Publisher: Electronic Arts

USK-Freigabe: Keine Jugendfreigabe gem. 14. JuSchG

ASIN: B002OP4Z3C

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 26.02.2010, zuletzt aktualisiert: 14.04.2024 08:35, 10102