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The Witcher (PC)

Rezension von Cronn

 

Mit gezogenem Schwert haste ich durch die Dunkelheit. Über mir ziehen die knochenbleichen Wolken, irgendwo klagt ein Nachtvogel. Der Kies des Weges knirscht unter meinen Stiefelsohlen. Das Gras hängt schwer von Feuchtigkeit. Hier und da leuchtet das Licht eines Fensters in der Schwärze und verrät ein vereinzelt stehendes Haus.

Ich bin unterwegs in der Umgebung von Wyzima. Mein Tagebuch ist voller Aufträge, die es zu erfüllen gilt. Einen davon habe ich auf einer Anschlagtafel vor einem Gasthof gelesen. Der Geistliche des Dorfes sucht nach jemand, der in der Nacht Kerzen in den Schreinen an den Wegkreuzungen entzündet. Für Geld bin ich dieser „Jemand“.

Und nun laufe ich um Mitternacht durch Wald und Flur, ständig mit dem Gefühl im Nacken, dass mich etwas beobachtet. Mein Gefühl trügt mich selten. Zudem weiß ich, dass das Dorf von Höllenhunden bedroht wird. Diese Plage gilt es auszumerzen.

Plötzlich leuchtet ein grünlicher Schimmer auf und ein Höllenhund manifestiert sich inmitten des Scheins. Ich packe mein Schwert fester und mache mich auf den Kampf gefasst.

Geschickt weiche ich den tölpelhaften Attacken meines Gegners aus, dann schlage ich im richtigen Moment zu. Wieder und wieder, bis der Höllenhund tot vor mir liegt.

Ich durchsuche seine Überreste, nehme den Schädel des Hundes mit, da Kaufleute daran interessiert sein könnten und wende mich wieder dem Weg zu. Doch in diesem Moment springt mich ein nachtschwarzes Wesen an – ein Ghul!

Er muss seine schützende Gruft aus irgendeinem Grunde verlassen haben, vielleicht aus Hunger? Scheint so, denn er wirft sich sofort wieder auf mich. Der Kampf ums Überleben hat gerade erst begonnen...

 

THE WITCHER wurde von dem jungen polnischen Entwicklerstudio CD Projekt RED erstellt und basiert auf den Kurzgeschichten und Fantasy-Romanen von Andrzej Sapkowski, welche dieser in den frühen 90er Jahren des 20ten Jahrhunderts geschrieben hat.

In Deutschland wurden die Werke von Sapkowski bei Heyne veröffentlicht. Neuerdings erscheinen sie bei dtv, wohl auch wegen ihrer Umsetzung von Buch zu einem Computerspiel, das neue Leserschaften anzusprechen vermag.

THE WITCHER wird von Atari veröffentlicht und erscheint in einer hübsch gestalteten Kartonverpackung, darin sich die Amray-Hülle befindet. In unserer Promotional-Copy Version war kein Handbuch vorhanden, lediglich ein PDF-Dokument bot Einblick in das Handbuch. Aber es ist anzunehmen, dass Atari bei der Verkaufsversion ein ausgedrucktes Handbuch mit in die Packung gesteckt hat.

 

Story:

Der Spieler ist als Geralt von Riva, einem Ungeheuertöter, in der Fantasywelt unterwegs. Geralt ist ein Mutant – weißes Haar und katzenartige Augen kennzeichnen ihn. Ihm stehen die Mächte der Alchemie und der Magie hilfreich zur Seite, daher nennt man ihn: „Der Hexer“.

Geralt wird in den Kriegen schwer verletzt, leidet unter Gedächtnisverlust und kehrt in die Bergfeste Kaer Morhen zurück, wo er von anderen Hexern gesund gepflegt wird. Doch bald schon muss er sich wieder beweisen.

Ein Zauberer mitsamt dem Anführer, „Professor“ genannt, überfällt mitsamt einer Heerschar von Männern Kaer Morhen. Sie sind auf der Suche nach alchemistischen Gegenständen wertvoller Natur. Kaer Morhen wird zurückerobert, aber der Professor und der Zauberer können mit ihrer Beute durch ein Dimensionstor fliehen. Nun liegt es an Geralt mehr über die Salamander-Menschen herauszufinden ihnen die wertvollen Sachen wieder abzujagen.

Auf seinem Weg entdeckt er merkwürdige Gestalten, fabelhafte Wesen und zwielichtige Charaktere.

 

Steuerung:

THE WITCHER bietet insgesamt drei verschiedene Ansichts-Perspektiven. Die isometrische, die nähere isometrische und die beliebte Action-Perspektive (ganz nahe an der Person).

Man bewegt sich per Mausklick über den Bildschirm oder per WASD-Tasten, ganz shooter-ähnlich. Dabei ist zu beachten, dass mit der „Space“-Taste das Spiel unterbrochen werden kann. In diesem Pause-Modus kann man allerdings auf Inhalte zurückgreifen, die speicherresistent sind, wie: Tagebuch, Questlogs u.v.m.

Die Ansteuerung der verschiedenen Knöpfe ist problemlos. Sie wirken recht übersichtlich in ihrer Gestaltung. Einzig die unterschiedlichen Kampf-Tasten sind nicht als aussagekräftige Icons dargestellt. Hier ist dann etwas Eingewöhnungszeit angesagt.

Ausdauer, Lebensenergie, Hexerzeichen, und was es noch an anderen Funktionen gibt, sind übersichtlich auf dem Bildschirm zu erkennen. Eine Besonderheit ist „Toxizität“. Auf der mittleren und schweren Spielstufe muss Geralt mit seinen Tränken haushalten, denn diese erhöhen seinen Grad an Vergiftung, so dass am Ende sogar der Tod des Hexers stehen kann. Durch Meditation sinkt die „Toxizität“.

Für gelöste Quests und das Töten von Monstern erhält man rollenspieltypisch Erfahrungspunkte, die der Spieler dann auf einen Charakterwerte-Baum verteilen darf. Geschicktes Vorgehen ist hier Pflicht. Man muss schon sehr genau überlegen, wo man seine sauer verdienten Punkte einsetzt, sonst levelt man einen Wert hoch, den man später als völlig unpassend für die eigene Spielweise erkennt.

Auf den ersten Blick mögen die vielen verschiedenen Werte-Bäume unübersichtlich wirken, doch sobald man die Funktionsweise durchschaut hat, bemerkt man, wie durchdacht und wohlüberlegt sie sind. Auf diese Weise erlaubt THE WITCHER dem Spieler seine ganz individuelle Spielweise zu finden.

Auch Magie kann der Hexer anwenden. Sie existiert in Form verschiedener Zeichen, die man an bestimmten magischen Stelen-Steinen erhält. Die Magie dient dazu, Gegner zu bekämpfen oder sich selbst zu schützen. Manchmal erhält Geralt diese Zeichen auch an „Orten der Macht“, wo er sich zurückerinnert.

Hat man Formeln für Tränke erlernt und besitzt die Zutaten, kann man während Meditationsphasen (am Lagerfeuer, etc.) neue Tränke brauen. Zudem kann Geralt Öle und Bomben herstellen. Die Tränke bestehen aus sechs Grundingredenzien, die in verschiedener Kobination gebracht unterschiedliche Tränke ergeben. Die Tränke beziehen sich auf Geralts Vitalität, Toxizität oder Koordination. Auch ohne Formelkenntnis kann man Tränke brauen, aber dann muss man im Selbstversuch herausfinden, was da für eine Wirkung entstanden ist. Dies kann sehr reizvoll sein, beinhaltet aber auch ein gewisses Maß an Gefahr.

Öle hingegen sind Flüssigkeiten, die auf Objekte oder Monster angewandt werden. Sie töten oder verletzen Gegner oder werten Silberschwerter auf. Bomben hingegen sind mit Granaten in anderen Spielen vergleichbar.

Die Meditationsphasen bieten eine Möglichkeit, dass sich Geralt erholt, sind aber auch dazu da, Charakterwerte zu erhöhen, und andere Details mehr, wie beispielsweise das Hexer-Medaillon einzustellen.

Im Kampf beherrscht Geralt drei Grundstile. Kampf gegen starke, aber behäbige Gegner; Kampf gegen leichgepanzerte, aber schnelle Gegner; Kampf gegen Gruppen. Dabei weicht THE WITCHER vom üblichen Dauerklicken anderer Rollenspiele ab. Geralt sollte nur dann zuschlagen, wenn das Schwertsymbol zu sehen ist. Dann ist der Hieb effektiv. Spezielle Kombos führt er aus, sobald das Symbol mit einem Feuerrand umgeben ist. Diese Kampfsteuerung gefällt sehr gut, führt sie doch zu einem überlegteren Vorgehen, zu Timing und Rhythmus.

Gespeichert werden darf in THE WITCHER übrigens überall und ohne Limit. Eine löbliche Vorgehensweise, die im Gegensatz zum Speicherpunktesystem anderer Games steht.

 

Grafik und Sound:

THE WITCHER präsentiert sich mit Biowares Aurora Engine. Diese ist in der Lage eine wunderhübsche Umgebung zu erschaffen, die lebendig wirkt und an manchen Stellen sogar schon Postkarten-Charakter besitzt.

Die Welt von THE WITCHER lebt an allen Ecken und Enden. Vögel fliegen durch die Luft, Blätter fallen von den Bäumen, Lichter flackern an Kerzen, etc. Die Texturen sind nicht auf Höchstlevel, aber dennoch sehr detailliert und erfreuen das Auge. Auch die Charaktere in der Welt sind mit Sorgfalt erstellt.

Die Animationen der Kämpfe gefallen besonders gut. Hier zeigt sich, dass geschickt eingesetztes Motion-Capturing immer noch eine sehr gute Methode ist, um lebensechte Bewegungen auf den Bildschirm zu zaubern.

THE WITCHER besitzt einen nahezu stufenlosen Tag-Nacht-Wechsel, so dass man in der Tat das Gefühl hat, in der Fantasy-Welt zu sein, in ihr eintauchen zu können. Dazu trägt auch bei, dass die Personen in THE WITCHER ihr Leben führen, auch ohne Beeinflussung durch den Spieler. Dies hat das Entwicklerteam CD Projekt RED sehr gut umgesetzt.

Vom Sound her gibt sich THE WITCHER konservativ. Die Musik ist rollenspieltypisch und passt zum gewählten, mittelalterlichen Setting. Die Geräusche, welche während des Spiels zu hören sind, dürfen als gut bezeichnet werden. Die Sprecher der deutschen Version bemühen sich um eine stimmige Wiedergabe, allerdings wirken manche Sprecher von kleinen Jungen und Mädchen eine Spur zu alt für die Charaktere.

 

Fazit:

THE WITCHER ist eines derjenigen Spiele, die als Überraschungshit bezeichnet werden dürfen. Es überzeugt sowohl durch einen erwachsenen Spielinhalt, seine düstere Story und Fantasywelt, in der Entscheidungen des Spielers im späteren Spielverlauf deutlich starke Konsequenzen haben. Dieses Feature trägt dazu bei, dass THE WITCHER mehrmals zum Durchspielen reizt.

Alle Freunde von anspruchsvollen und tiefgründigen Rollenspielern sollten Urlaub nehmen und für die nächsten Wochen in THE WITCHER versinken!

 

Eure Meinung:

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Andy
Montag, 29. Juni 2009 12:47 Uhr
Ich empfehle allen die das Spiel noch nicht haben die günstigste Version zu erstehen un dann mit den offiziellen Patches zur 'Enhanced Edition' auzubohren. Bessere Texturen, bessere Synchronsprecher, besserer Gesamteindruck. So wird der ohnehin schon gute Titel noch besser!

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The Witcher (PC)

von Atari

Plattform: Windows Vista / XP

USK-Einstufung: Freigegeben ab 18 Jahren gem. 14 JuSchG

Spiel auf Deutsch

ASIN: B000O76XK0

Erhältlich bei: Amazon

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

P IV mit 2,4GHz CPU oder vergleichbarer AMD Prozessor

Windows XP / Vista

1,2 GB RAM

8,5 GB Festplattenspeicher

3-D-Karte

 

 

 

 


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Erstellt: 03.11.2007, zuletzt aktualisiert: 13.10.2020 17:44