Torchwood – Staffel 1 (DVD)
 
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Torchwood – Staffel 1

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

Ursprünglich war “Torchwood” ein Deckname, der von den Produzenten der britischen Kultserie „Dr. Who“ erfunden wurde, um zu verhindern, dass begeisterte Fans die Außendrehorte stürmten oder die presse wind von den Drehbüchern bekam und deren Inhalte schon vorab verriet.

Doch im Jahr 2006 entschlossen sich die Macher dazu, diesen Begriff in die Serie mit einzubauen und daraus eine Organisation zu machen, die Königin Victoria ins Leben gerufen hatte, um die Aktivitäten von außerirdischen oder übersinnlichen Wesen im Herrschaftsgebiet des „Empire“ und speziell auf den britischen Inseln zu beobachten und notfalls einzugreifen. So blieb es nicht aus, dass natürlich auch der letzte der Timelords irgendwann eines Tages auf diese traf und sich mit den Angehörigen der Spezialeinheit, die weder der Polizei noch der Regierung verantwortlich sind, auseinander setzen musste, die auch in ihm zunächst Gefahr und Ärgernis sahen.

 

Die Serie „Torchwood“ beschäftigt sich nun mit der Spezialeinheit Torchwood-Drei, die im walisischen Cardiff beheimatet ist. Die Stadt sitzt auf einem Riss in Raum und Zeit, der es immer wieder außerirdischen Wesen erlaubt, sich auf der Erde einzunisten und dort selbst oder mit ihren Waffen oder Artefakten Schaden anzurichten. Die Einheit bewacht den Riss und greift ein, wann immer es notwendig erscheint.

Geleitet wird die Gruppe von dem geheimnisvollen Captain Jack Harkness, der nur wenig über sich erzählt und zudem nicht sterben kann. Wer die erste Staffel der aktuellen „Dr. Who“ mit der neunten Inkarnation des Doktors gesehen hat, konnte in einigen Folgen seine Vorgeschichte miterleben, die man aber für die „Torchwood“-Serie nicht kennen muss, denn auch dort erfährt man nur wenig über seine Vergangenheit und seinen wahren Namen, nur dass er vermutlich aus dem fünften Jahrtausend und einer anderen Zeitlinie stammt und hier mehr oder weniger festsitzt, weil er nicht weiß, wohin er zurückkehren soll. Man merkt aber durchaus auch in Torchwood an seinem Verhalten und manchen seiner Ansichten, dass Jack Harkness kein Kind der modernen Zeit ist und irgendwie verloren wirkt. Erst durch Gwen lernt er auch die ein oder andere menschliche Regung offen und sich seinen Mitarbeitern gegenüber auch verletzlich zu zeigen.

An seiner Seite stehen Owen Harper, ein genialer Arzt und Wissenschafter, Toshiko Sato, eine Computerspezialistin und Ianto Jones, das „Mädchen für alles“, der eher die allgemeinen Verwaltungsarbeiten macht. Und dann ist da noch Suzie Costello, die sich vor allem mit außerirdischen Artefakten beschäftigt und einige davon gut zu beherrschen scheint, so wie einen Handschuh, mit dem man Tote für eine gewisse Zeit wiederbeleben kann, um sie nach den Umständen ihres Todes zu befragen.

Genau das kann die junge Polizistin Gwen Cooper beobachten, als sie von einem Tatort abberufen wird, weil Torchwood die Sache übernimmt. Da ihr einige Dinge auffallen möchte sie mehr wissen und beginnt der Spezialeinheit nachzuspüren. Sie findet heraus, dass die Autos, die benutzt werden unregistriert sind und der einzige bekannte „Captain Jack Harkness“ im zweiten Weltkrieg gefallen ist. Da sie das Gefühl hat, dass der Serienmörder, der Cardiff derzeit unsicher macht, in Verbindung mit Torchwood steht, ermittelt sie weiter in deren Richtung. Selbst der Versuch, sie mit Amnesiepillen alles vergessen zu lassen schlägt fehl, so dass sich der Captain schließlich dazu entscheidet sie anzuwerben, da Suzie ausfällt. Denn Gwen Cooper scheint ein besonderes Gespür zu haben und bringt eine menschliche Note in das Team, dass diesem bisher fehlte.

Nach und nach erfährt Gwen immer mehr der Geheimnisse von Torchwood und den Wesen, die hinter den Kulissen ihr Unwesen treiben. Um so schwerer wird es für sie, diese Dinge die sie gleichzeitig faszinieren und entsetzen vor ihrem Verlobten Rhys und ihren früheren Kollegen geheim zu halten, denn sie ist zum Schweigen verpflichtet worden.

So wird sie wie ihre Kollegen nach und nach mit immer gefährlicheren und heimtückischeren Wesen konfrontiert, lernt aber auch die Tragödien dahinter kennen.

Da ist einmal das Mädchen, das von einem von einem Alien besessen wird, dass sich von der Energie des Orgasmus ernährt und so mehrere Männer umbringt. Ianto versteckt seine Freundin Lisa im Keller, die von den Daleks in eine Cyberwoman verwandelt wurde und immer noch hofft, eines Tages frei zu kommen, sie kümmern sich um drei Menschen aus dem Jahr 1953, die durch den Zeitriss geraten sind und nun mit den Veränderungen durch den Zeitriss zurecht kommen müssen, da er ihnen alles genommen hat, was ihnen etwas bedeutete. Dann spüren sie Feenwesen nach und Gwen muss erkennen, dass diese nichts mit den niedlichen Feen aus dem Kinderbüchern zu tun haben aber auch keine Fiktion sind. Dass auch normalen Menschen zu Bestien werden können, zeigt sich, als sie nachspüren warum im Sommer in der Nähe eines abgelegenen Dorfes immer Wanderer und Tramper verschwinden.

Der gefährlichste Gegner von Torchwood ist letztendlich aber der geheimnisvolle Bilis, der über die Gabe verfügt durch die Zeit zu springen und am Ende die Mitglieder von Torchwood so geschickt manipuliert, dass sie sich gegen ihren Captain stellen und für ihn den Zeitriss öffnen, nicht ahnend, dass sie damit ein Übel aus alter Zeit – seinen Herrn und Meister – freisetzen und damit das Ende der Welt einleiten.

 

Auf den ersten oberflächlichen Blick hin mag „Torchwood“ wie eine Mischung aus den „Men in Black“ und „Dr. Who“ wirken, aber man merkt schnell, dass die Serie ihren eigene Dynamik besitzt. Sie nutzt zwar viele aus dieser Art von Science Fiction bekannten Klischees, wie etwa die Aliens, die sich auf der Erde einschleichen, um dort ihren Spaß zu haben oder Invasionspläne vorbereiten, setzt aber die Schwerpunkte ganz anders.

Die Serie setzt nicht unbedingt auf das allgemeine und epische Abenteuer sondern konzentriert sich viel mehr auf die persönlichen Tragödien für die Angehörigen der Spezialeinheit, die mit dein einzelnen Fällen verbunden sind. So versucht Ianto Jones seiner Freundin zu helfen und bricht viele der Regeln von Torchwood, obwohl sie nach dem aktuellen Kenntnisstand von niemandem zu retten ist. Er muss mit ansehen, wie sie von seinen Kollegen erschossen wird, als der Cyberanteil vollständig die Kontrolle über sie übernimmt. Toshiko lernt eine faszinierende Frau kennen, die ihr die Gabe verleiht, die Gedanken anderer zu lesen und durch ihre offene Art auch ihre Liebe gewinnt, und Owen muss die Pilotin aus dem Jahr 1953 gehen lassen, als diese merkt, dass sie mit der neuen Zeit nicht fertig wird.

Gwen bekommt gleich mehrfach zu spüren, dass sie weder ein vorgegebenes Schicksal aufhalten noch jedem gut zureden kann, wie sie es aus ihrer Vergangenheit gewohnt ist und Captain Jack wird bei einer Reise in die Vergangenheit mit dem Mann konfrontiert, dem er den Namen gestohlen hat.

Trotzdem lässt die Serie nicht Action und Spannung vermissen, durch die manchmal recht derbe Sprache und die Gewaltdarstellungen ist sie erst ab 16 freigegeben. Die Helden müssen oft genug auch körperlichen Einsatz zeigen und kämpfen und können nicht nur mit ihrem Verstand arbeiten.

Das ganze wird zudem mit einer ordentlichen Prise typisch britischen Humors, einer hin und wieder geradezu naiv wirkende, aber um so sympathischere Menschlichkeit und nicht zuletzt auch mit einem Hauch von leidenschaftlicher Sexualität garniert, wie man sie sonst nicht in Action oder Mystery-Serien findet.

„Torchwood“ ist die erste Science Fiction Serie, die nicht verheimlicht, dass die Hauptfigur bisexuell ist. Zudem gibt es durchaus auch Affären zwischen den Kollegen, Gwen schläft mit Owen, auch wenn sie bereits mit Rhys Williams liiert ist und Ianto Jones sucht Trost bei Jack, nachdem er Lisa verloren hat. Gerade diese Darstellungen sind sehr geschmackvoll und gelungen in die Handlung eingebettet.

Kennt man „Dr. Who“ wird man sicherlich die ein oder andere Sache wiedererkennen, sei es nun das ein oder andere Artefakt oder aber Figuren, die Serie muss man aber nicht gesehen haben, um „Torchwood“ zu verstehen.

Da britische Serien nicht mehr nur Kammerspiele sind, halten auch die Spezialeffekte dem internationalen Vergleich stand und können sich zum Teil sogar mehr als sehen lassen. Sie werden naturgemäß sehr sparsam eingesetzt, was sie aber um so interessanter wirken lässt. Das Design vieler Artefakte ist hingegen dem Design des „Dr. Who“-Universums angepasst, so dass man sich nicht über das ein oder andere anachronistisch oder billig wirkende Teil wundern sollte, denn das ist gewollt.

Polyband bietet neben den dreizehn Folgen noch jede Menge Bonusmaterial, dass sich allerdings zum Teil inhaltlich überlappt. Hier hat man sich leider nicht ganz an das gehalten, was auf dem britischen DVDs zu finden war. Aber der Fan, der die Serie erst für sich entdeckt hat, wird hier viel Wissenwertes finden können. Auch die Synchronisation ist ordentlich, auch wenn man sich vielleicht die ein oder andere Folge einmal im Original anschauen sollte, um den Wortwitz mitzubekommen.

 

 

Fazit:

Alles in allem kann sich sowohl die Serie als auch die DVD-Veröffentlichung von „Torchwood“ sehen lassen. Die Serie ist in mehr als einer Hinsicht ungewöhnlich und bietet abwechslungsreiche und immer wieder überraschende Episoden, selbst wenn man nicht von allen begeistert sein sollte. Und sie wagt etwas, was sich ruhig mehr zukunftsgerichtete Serien trauen sollten – auch schon einmal die ein oder andere Grenze zu überschreiten.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202404221431534f38fd59
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DVD:

Torchwood – Staffel 1

GB 2007

13-teilige Fernsehserie

Regisseure: Brian Kelly, Colin Teague, James Strong, Alice Troughton, Andy Goddard

Komponisten: Murray Gold und Ben Foster

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Englisch

Bildseitenformat: 16:9

Umfang: 4 DVDs

Spieldauer: 650 Minuten (13 Folgen a ca. 45 min)

FSK: 16

Polyband, 6. Juni 2009

 

Extras:

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Making-of

Interviews mit Crew & Cast

Behind the Scenes

Deleted Scenes

Audio-Kommentare

Dreh-Tagebücher

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ASIN: B001UDP3Z8

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Captain Jack Harkness = John Barrowman

Gwen Cooper = Eve Myles

Ianto Jones = Gareth David-Lloyd

Owen Harper = Burn Gorman

Toshiko "Tosh" Sato = Naoko Mori

 


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Erstellt: 27.06.2009, zuletzt aktualisiert: 07.02.2024 17:01, 8921