Torpedo 5 (Autor: Enrique Sánchez Abulí)
 
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Torpedo 5 von Enrique Sánchez Abulí

Reihe: Torpedo Bd. 5

Rezension von Björn Backes

 

 

Luca Torelli hat aus der Not längst eine Tugend gemacht. Statt sich den radikalen Machenschaften seiner Familie zu beugen, ist er relativ schnell auf die Gegenseite gewechselt und verdient sich als kompromissloser Auftragskiller seine Sporen im Untergrund der Mafia-Gewerkschaft. In Kuba soll er nun einen Betrüger aufspüren und eliminieren, der seinen Schneider um ein Schmuckstück seiner Sammlung beraubt hat, während er, zurück in der Heimat, eine Prostituierte damit bedroht, indem er ihren Sohn als Opfer einer Misshandlung zur Disposition stellt. Unterdessen gilt Torpedo als Liebling des anderen Geschlechts und ist kurzen Affären mit einschneidendem Ende nicht abgeneigt. Seinem Verwandten Pietro hat Torelli in seiner Jugend sogar die Frau abspenstig zu machen versucht – und wurde von diesem Umstand so vehement verfolgt, dass er den Job nun zu Ende bringen möchte. Wie so manch anderen Auftrag auch…

 

 

Rezension:

Im fünften und letzten Band von Enrique Sánchez Abulis Bestseller „Torpedo“ steigert sich der Autor mit tatkräftiger Schützenhilfe seines Zeichners Jordi Bernet in einen wahrhaftigen Gewaltrausch, der dieses Mal vor wirklich keiner Tabuüberschreitung mehr zurückschreckt. Die sieben neuen Geschichten zeigen überhaupt nichts mehr von der zumindest noch dezent vorhandenen inhaltlichen Vernunft und Rücksichtnahme auf das jüngere Publikum und beschreiben einen Anti-Helden, wie er fieser, gemeiner und skrupelloser überhaupt nicht mehr sein könnte. Für zart Gemüter war „Torpedo“ bislang sicherlich noch nie geeignet – doch so derbe vom Leder gezogen wie hier hat das Zweigespann im bisherigen Verlauf der Serie noch nie.

 

Dabei beginnt das Ganze noch allzu typisch. Die einleitende Story „Kuba“, gleichzeitig das umfangreichste Kapitel der finalen Ausgabe, zeigt die typische Mafia-Action mit Schießereien, ständigen Gesetzesüberschreitungen, teils misanthropischen Zügen und Dialogen, die dem Coolness-Level der Serie einmal mehr die Krone aufzusetzen vermögen. Allerdings lassen sie noch nicht vermuten, welche schmutzigen Gedanken sich noch in den beiden Schöpfern des „Torpedo“ verbergen sollen. Vor allem in Sachen schwarzer Humor übertrifft sich Abuli von Geschichte zu Geschichte deutlicher, mit einem echten Höhepunkt im sarkastischen „Geheiligte Vendetta“. Die Szenen, in denen der Hauptdarsteller hier mit der Damenwelt in Kontakt tritt, sind unbeschreiblich genial, wenn auch chauvinistisch bis zum Abwinken. Ein bisschen Sex. Cigarettes und Rock & Roll darf’s derweil auch schon mal sein, womit selbst die pornografischen Inhalte schnell genehmigt sind, da sie hier zum wesentlichen Bestandteil gleich mehrerer Episoden avancieren. Wer nackte Haut in der illustrierten Kunst für verachtenswert hält, sollte dementsprechend erst gar nicht in Erwägung ziehen, sich mit diesem Klassiker auseinanderzusetzen. Allerdings sollte es bei der Geschmacklosigkeit der meisten Inhalte erst gar nicht so weit kommen, dass anspruchsvolle Leser sich überhaupt mit dieser Serie beschäftigen – doch sie wären es selber Schuld!

 

Verpassen würden sie nämlich eine der krassesten Episoden, die die Comic-Industrie bis dato zutage gebracht hat, verpackt jedoch in vielen starken Einzelgeschichten, deren Charaktere jenseits von Frank Millers meisterlicher Schöpfungsgeschichte schnell und berechtigt Kultstatus erlangt haben. Abuli und Bernet gehen sogar noch einen Schritt weiter als der Erfinder von „Sin City“ und widersetzen sich manchen Grenzen bewusst mit einem hohen Maß an Provokation und vielen gewagten Darstellungen. Dies führt zwar einerseits dazu, dass die Jugendfreigabe auf ziemlich wackligen Füßen steht, ermöglicht den beiden Ideengebern aber gleichzeitig, die Enttabuisierung in diesem Comic-Genre so effizient wie eben möglich zu gestalten und tatsächlich für einen würdigen, dazu auch noch schmutzig-witzigen Abschluss zu sorgen, wie er innerhalb dieser Reihe nicht hätte überzeugender ausfallen können.

 

Fazit:

Das Beste zum Schluss – diese Devise haben sich Bernet und Abuli bei der Kreation ihrer letzten Geschichtensammlung aufs Fähnchen geschrieben und mit sieben kongenialen Episoden selbst bestätigt. Band 5 der „Torpedo“-Reihe ist nicht nur der beste, sondern auch der abwechslungsreichste und bizarrste!

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202406140848339690b61b
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Torpedo Bd. 5

Autor: Enrique Sánchez Abulí

Zeichner: Jordi Bernet

Gebundene Ausgabe: 151 Seiten

Verlag: Cross Cult; Auflage: 1 (22. August 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3936480486

ISBN-13: 978-3936480481

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 17.11.2008, zuletzt aktualisiert: 28.12.2022 16:07, 7748