Torpedo (Gesamtausgabe, Bd. 3)
 
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Torpedo

Gesamtausgabe Bd. 3

Rezension von Christian Endres

 

Zum dritten Mal folgen wir Luca Torelli im spanischen Noir-Klassiker Torpedo durch seinen Alltag als ebenso harter wie skrupelloser Schmalspurganove im New York der 1930er Jahre, dessen Ambitionen zumeist größer sind als das, was er am Ende wirklich auf die Beine stellen kann. Luca Torelli alias Torpedo – ein Mann, der schnell bei der Waffe ist, Frauen schlägt und auch sonst nur wenig Skrupel hat; ein Antiheld in einer Serie, welche die Grenzen des guten Geschmacks für eine Story schon mal bereitwillig um eine ganze Ecke hinter sich lässt – und die damit beim nunmehr dritten Anlauf nur noch bedingt überzeugen kann...

 

Im Gegensatz zu den beiden Vorgänger-Bänden gelingt es Autor Enrique Sánches Abulí längst nicht mehr in ausnahmslos jeder Geschichte, zwischen den Klischees zu vermitteln. Viel zu oft stimmt die Mischung nicht, ja viel zu oft ist es eher eine bemühte und träge Aneinanderreihung von Stereotypen und Brutalitäten, die sich bestenfalls konservativ ergänzen. Häufig viel zu abgedroschen, manchmal einfach auch nur viel zu brutal, bringen diese Elemente weder die Story, noch die einzelnen Figuren oder gar die gesamte Serie voran, sodass sich nach insgesamt knapp 450 Seiten im Mittelstück der auf fünf Hardcover-Bände ausgelegten Gesamtausgabe die Ermüdungserscheinungen des Ganzen immer deutlicher abzeichnen.

 

Was einem in Band eins oder zwei bis dato noch ein Grinsen oder ein »Aha!« abgerungen hat, das verkommt mit jeder Geschichte, in der die Gewalt [gegen Frauen] einmal mehr exzessiv zelebriert wird, immer mehr zu einem langweiligen Schema, das auch vom rabenschwarzen Humor nicht jedes Mal von Neuem gerettet werden kann. Einzig und allein die in der Regel gelungenen Pointen geben den inhaltlich schwächelnden Episoden hie und da ordentlich Aufschwung. Auch sehr gelungen – wenn auch nicht weniger brutal – sind die in diesem Band neu hinzugekommenen Jugendabenteuer in Lucas sizilianischer Heimat, die den Werdegang des Killers »schön«, wenn hie und da auch etwas überspitzt portraitieren. Doch die allgemeine Überzeichnung ist es am Ende, die Torpedo trotz eindeutiger Gewaltverherrlichung stets doch noch in ein besseres Licht zu rücken vermag und als klassisch orientierten Noir- oder Hard-Boiled-Vertreter bestehen lässt. Auch fängt Enrique Sánches Abulí wunderbar die Atmosphäre des urbanen Hintergrunds ein und hat ein Gespür für den Zeitgeist der legendären Ära um die Prohibition und den Börsencrash.

 

Zur großartigen, »authentischen« Atmosphäre trägt natürlich auch Jodi Bernet Artwork immens bei. Sein lässiger Strich und seine kantigen Schwarzweiß-Panels wissen auch im dritten Band vorbehaltlos zu überzeugen. Brutal, cool, sexy – Bernet weiß, wie er dem Gangstermilieu der 30er Leben einhaucht, die Seiten mit leiser Clubmusik, Straßenlärm oder Pistolenschüssen füllt. Zusammen mit dem Noir-Feeling und der wunderbaren Aufmachung bilden Bernets Zeichnungen somit auch in gewisser Weise das Herz des dritten Bandes dieser Gesamtausgabe, die übrigens erst Mitte nächsten Jahres fortgesetzt werden wird.

 

Andererseits wirkt diese etwas längere Pause vielleicht der starken Abnutzungserscheinung entgegen, unter der die zumeist eher kurzen Geschichten aus Torellis Leben langsam aber sicher kränkeln.

 

Dennoch: Wer die ersten beiden Bände mochte, wird auch im vorliegenden Sammelband wieder eine Hand voll richtig guter Storys für sich entdecken können, wenngleich auch inzwischen hartgesottene Torpedo-Fans ab und an schlucken dürften.

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202406251004340f1ff34e
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Comic:

Torpedo Bd. 3

Autor: E. S. Abulí

Zeichner: Jordi Bernet

160 Seiten, A5-Hardcover

Cross Cult, Oktober 2007

ISBN-Code: 393648046X

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 09.10.2007, zuletzt aktualisiert: 28.12.2022 16:07, 5038