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Träume von Glück von Jiro Taniguchi

Rezension von Christian Endres

 

»Vertraute Fremde«. »Der Wanderer im Eis«. »Die Sicht der Dinge«. »Gipfel der Götter«. Inzwischen sind das alles – dankenswerterweise! - wohlklingende, durch die Bank empfehlenswerte Titel für den deutschen Comic-Leser, der spätestens seit Erlangen Ende Mai 2008 hoffentlich auch weiß: Jiro Taniguchi – das heißt nicht nur Qualität, sondern eben auch und vor allem gefühlvolle Geschichten vom Menschsein.

 

Nun liegt also der dritte Band der Carlsen-Edition »mit einigen der bedeutendsten Werke von Jiro Taniguchi« vor: Drei zusammenhänge Kurzgeschichten und eine allein stehende Story sind es diesmal, die da im schönen Paperback mit Klappenbroschur ankommen. Zunächst trägt Taniguchis comicliterarischer Alter Ego in einer todtraurigen Kurzgeschichte seinen langjährigen vierbeinigen Hundefreund zu Grabe. Stark autobiografisch angehaucht, erzählt der Manga-Superstar von den schweren letzten Metern des Weges – Tierbesitzer, die schon einmal ähnlich bitter Abschied nehmen mussten, werden vieles wiedererkennen, werden schaudern und heftig schlucken müssen.

 

Und auch wenn in den Tagen und Wochen danach die Welt beinahe noch stündlich mindestens einmal zusammenbricht – das Leben geht weiter. So auch die Geschichte des kinderlosen Ehepaares, das in der Folge eher durch Zufall zu einem neuen tierischen Mitbewohner kommt: Doch auch dabei bleibt es nicht, da sich rasch weitere Neuankömmlinge ankündigen. Dann schwenkt der Fokus unvermittelt von der Mensch/Tier-Beziehung zum Mensch/Mensch-Verhältnis – dem tollen Band tut das freilich keinen Abbruch.

 

In der letzten, von den vorangegangenen Kapiteln gelösten Story kehrt Taniguchi dann schließlich in die raue Gipfelwelt des Himalajas und der Gipfel der Götter zurück, wo er sich einmal mehr mit der Anziehungskraft der stummen Herausforderung der Berge auf einen alpinen Extremsportler beschäftigt. Diesmal stellt er ihm allerdings noch ein ebenso wundersames wie wunderschönes Geschöpf des Gebirges an die Seite ...

 

Ist es allein Taniguchis realistisches Artwork, das seine Geschichten so lebensnah erscheinen lässt? Nein. Das ist zwar ein Genuss - ohne Frage wirken Taniguchis Mangas aber auch deshalb so realistisch, weil der Japaner sowohl das Traurige, als auch das Schöne, das Ende wie den Neuanfang und alles, was dazwischen liegt, in einfachen Bildern und wenigen, ungekünstelten Worten und Dialogen einfangen kann: Leid, Freude, Schmerz, Krankheit, Trost, Freude, Verlust, Liebe, Vertrauen, Ablehnung. Gefühle sind dann logischerweise auch diesmal wieder der Leitfaden in Taniguchis Geschichten.

 

»Dieses Werk steht stellvertretend für eine Weiterentwicklung meiner künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten«, schreibt Taniguchi in seinem Nachwort. Zugleich steht »Träume von Glück« neben Wanderer im Eis jedoch auch als Taniguchis bis dato am wenigsten episches, womöglich aber bewegendstes Werk: Stellenweise ist das hier nämlich wirklich zum Heulen traurig – und dann, nur ein paar Seiten weiter, wieder so schön, dass man mit einem Lächeln weiter liest.

 

 

 

 

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Comic:

Träume von Glück

Autor und Zeichner: Jiro Taniguchi

Klappenbroschur, 177 Seiten

Carlsen, August 2008

ISBN: 3551776598

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 07.09.2008, zuletzt aktualisiert: 15.09.2018 12:40