Traum von Jerusalem (Autor: Philippe Thirault; Zeichner: Lionel Marty)
 
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Traum von Jerusalem von Philippe Thirault und Lionel Marty

Rezension von Ingo Gatzer

 

Rezension:

Europa rüstet gegen Ende des 11. Jahrhunderts zur "Befreiung" der heiligen Stätten des Christentums. Das Kreuzfahrerheer mit dem auch der zum christlichen Glauben bekehrte Karlis Oresund - genannt Schwarzer Live - sowie der wundertätige und zwangsweise rekrutierte Hermance Languedolce reisen, hinterlässt auf dem Weg zur Eroberung Jerusalems blutige Spuren. Als die "Krieger Gottes" auf die Tafuren und ihre aparte Anführerin Istvána treffen, verkompliziert sich die Lage. Denn die selbstbewusste Frau bringt dem Heer zwar für ihre Wildheit berüchtigte Krieger, droht aber die - ohnehin nicht immer einigen - Kämpfer zu entzweihen...

 

Der Franzose Philippe Thirault entwarf bereits als Jugendlicher diverser Szenarien für Comics, ist aber bei uns noch relativ unbekannt. Sein Talent beweist er derzeit bei der ebenfalls bei Ehapa erscheinenden Serie "O´Boys". Seinen Landsmann Lionel Marty werden wohl nur eingefleischte Comic-Fans durch die Reihe "Mort Linden" oder seine Arbeit als Illustrator von Rollenspielen kennen.

 

Dem Duo Thirault/Marty gelingt eine wuchtige und mitreißende Präsentation des ersten Kreuzzugs, wobei sich die Story auf die Charaktere des Schwarzen Live, Hermance Languedolce und Istvána fokussiert. Reale Charaktere wie etwa Bohemund von Tarent treten hierbei neben fiktiven Figuren in der Art des historischen Romans auf. Allerdings hat Philippe Thirault die Historie um einige phantastischen Geschehnisse ergänzt und so der Schilderung eine unübersehbare persönliche Handschrift verliehen. Durchaus ansprechend - wenn auch wohl historisch nicht ganz korrekt - stellt er die berüchtigten Tafuren dar. Dazu webt er immer wieder geschichtlich verbürgte Details in sein Szenario ein, sodass sich insgesamt eine gelungene Verbindung von Imagination und Historie ergibt, die zudem spannend und gerade gegen Ende mit dunkler Poesie erzählt wird.

 

Lionel Martys Zeichnungen gefallen durch ihren Detailreichtum. Die vielen Kämpfe zeigt er mit kompromissloser Brutalität. Hier werden Schädel gespalten, dort Körperteile abgetrennt und das Blut fließt - teilweise sogar buchstäblich - immer wieder in Strömen. Natürlich ist ein Szenario, das während des ersten Kreuzzuges spielt, kein Kindergeburtstag. Doch für junge Leser ist "Traum von Jerusalem" damit definitiv nicht geeignet. Auffällig ist, dass praktisch allen Charakteren eine gewisse Hässlichkeit zu eigen ist.

 

Gerade in der ersten Hälfte des Comics wünscht man sich allerdings in einigen Szenen, dass Marty die Größe seiner Panels abwechslungsreicher gestaltet hätte. So dürften etwa die Darstellungen eines göttlichen Wunders gerne auch einmal mehr Platz als nur eine Viertelseite einnehmen. Erst im zweiten Teil der Graphic Novel beweist Marty dafür ein Gespür und zeigt entscheidende Ereignisse in großen Panels oder verstößt bewusst gegen darstellerische Konventionen. So lässt er etwa beim Kampf um Jerusalem Hermance Languedolce gezielt die Grenzen der Bilder sprengen und taucht das Geschehen überaus passend in blutiges Rot.

 

Fazit:

Mit "Traum von Jerusalem" gelingt dem Duo Thirault/Marty ein wuchtiges Epos voller blutiger Kämpfe, bei dem die historischen Ereignisse auf ansprechende Art und Weise phantastisch ausgeschmückt werden.

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202402220449058a101586
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Graphic Novel

Traum von Jerusalem

Originaltitel: Le Reve de Jerusalem

Autor: Philippe Thirault

Zeichner: Lionel Marty

Ehapa Comic Collection - 191 Seiten - gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum: März 2011

ASIN: 3770434102

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 07.05.2011, zuletzt aktualisiert: 31.12.2023 11:30, 11786