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Venezianische Affären (Band 2)

Rezension von Christel Scheja

 

Venedig war nur der Ausgangspunkt so mancher Intrige und Handelsbeziehung. Während die Reichen und Adligen oft weiter ihrer Dekadenz frönen und sich um nichts weiter scheren als den Wohlstand zu genießen, bewegen sich an anderen Stellen die Dinge mehr als gedacht. Gerade an den Küsten Afrikas schreitet die Entwicklung von etwas voran, dass die Geschichte von Kontinenten entscheiden wird.

 

Alessandro Beldrame sieht nach den letzten Ereignissen keinen Grund mehr, in Venedig zu bleiben. Zwar ist die Mordserie an jungen Frauen beendet worden, nachdem er den Mörder finden konnte, aber er muss sich erholen.

Zusammen mit seiner schwarzen Geliebten lässt sich deshalb auf einer, der afrikanischen Westküste vorgelagerten Insel nieder, auf der Franzosen sich einen Stützpunkt aufgebaut haben. Dort wird er auch schon bald wieder in Intrigen hineingezogen, denn der aufkommende Sklavenhandel ist ein lukratives Geschäft, das sich keiner entgehen lassen will – weder die Mischlinge, die einen ungeklärten Status in der Gesellschaft haben, noch die Europäer oder Araber. Ehe er sich versieht, muss er wieder um sein Leben kämpfen und zusehen, dass er nicht zwischen den Fronten zermahlen wird.

 

Mit Venedig haben die Geschichten dieses Bandes nicht mehr ganz so viel zu tun, auch wenn es den ein oder anderen Blick auf die von Alessandro zurückgelassene Angebetete gibt, die sich in der von Männern dominierten Stadt zu behaupten versucht und ihm die Treue halten will. Die meisten Szenen aber spielen vor und an der Westküste Afrikas. Der junge Venezianer und seine schwarze Geliebte sind angesehene Gäste, aber sie gehören noch nicht so ganz zu dem Klüngel, der auf der Insel die Fäden zieht.

Eine neue Weltordnung dämmert heran, und Sklavenhandel, bisher nur im Kleinen betrieben scheint die neue Geldquelle zu werden, die sich keiner entgehen lassen will.

Wieder nehmen sich die Künstler eines Themas an das bisher nur selten aufgegriffen wurde und in der Geschichte vieler Länder keine Rolle spielt, aber es wird schnell deutlich, dass auch diese Entwicklungen in Afrika eine Menge Potential bieten.

Wie immer nehmen sie sich sehr viel Zeit, die Schauplätze und die Figuren auszuarbeiten, damit die Intrigen noch ein wenig anschaulicher und glaubwürdiger wirken. Dabei bewegen sie sich wieder einmal auf zwei Ebenen, damit der Titel auch weiterhin stimmt und bereiten zugleich den nächsten Handlungsbogen vor.

Erneut sind die zusammengefassten Alben ein spannendes Sittengemälde aus einer Zeit und an Orten, die vielleicht damals nicht so sehr Weltgeschichte schrieben, aber dennoch dafür sorgten, dass sie in Gang blieb.

Intrigen und Leidenschaften bestimmen daher die Handlung und treiben die Hauptfigur noch tiefer in den Sumpf aus dem er eigentlich hatte entkommen wollen. Wie immer sind die Zeichnungen sind realistisch und vor allem sehr detailreich gehalten, fangen den Zeitkolorit gekonnt ein, so dass eine intensive Atmosphäre entsteht, die das Geschehen zum leben erweckt.

 

Fazit:

Auch wenn der zweite Band von Venezianische Affären fast nicht mehr in der Lagunenstadt spielt, bleibt die Handlung spannend, wird doch ein bisher eher unbekanntes Kapitel der menschlichen Geschichte aufgeschlagen und atmosphärisch dicht in Szene gesetzt.

Eure Meinung:

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Comic:

Venezianische Affären (Band 2)

Original: Integrale 2 – Les suites venitiennes, Fr 2016

Autor und Zeicher: Guy Raives und Éric Warnauts

Übersetzung: Julika Herzog

Panini Verlag, 01/2020

 

Vollfarbiges Hardcover-Album, 160 Seiten

 

ISBN-10: 3741615471

ISBN-13: 978-3741615474

 

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 28.01.2020, zuletzt aktualisiert: 18.02.2020 19:03