Verbannung (Autor: Jan Guillou; Der Kreuzritter Bd. 2)
 
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Verbannung von Jan Guillou

Reihe: Der Kreuzritter Bd.2

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

Nach ihrer unfreiwilligen Trennung müssen Cecilia und Arn die Konsequenzen aus der unehelichen Schwangerschaft Cecilias verbüßen. Arn ist mit dem Orden der Kreuzritter in Jerusalem angelangt und stellt sich dem Kampf gegen die Getreuen Saladins. Doch das feindliche Heer wächst schnell zur Übermacht heran und bietet den Tempelrittern die Stirn. Zudem ist der junge Magnusson nicht mehr voll und ganz von den Motiven seiner Gefolgsleute überzeugt. Der Kreuzzug des christlichen Heers entpuppt sich alsbald als niederträchtiger Marsch gegen ein Land, dessen Eroberung längst nicht mehr mit den Motiven des Christentums zu vereinbaren sind.

Unterdessen leidet Cecilia im klösterlichen Exil in Götaland ebenso an der Trennung, aber auch an den Ränken, die sich in ihrer Umgebung entwickeln. Das intrigante Treiben um sie herum steigert ihre Sehnsucht nach Arn von Tag zu Tag mehr – doch ihr Geliebter ist in Saladins Gefangenschaft geraten und muss nun darum fürchten, Cecilia nicht mehr wieder zu sehen…

 

 

Rezension:

Im zweiten Teil der „Kreuzritter“-Saga führt der Autor sein Publikum erst so richtig an die Haupthandlung heran. Die relativ lange Einleitung, die Guillou in „Aufbruch“ erarbeitet hat, führt nun zum eigentlichen, persönlichen Konflikt der beiden Protagonisten, deren Trennung schließlich das zentrale Thema des Plots ist.

Allerdings tut sich der Autor gerade während der ersten Kapitel ziemlich schwer, so richtig in die Story hineinzufinden und ihr die erforderliche Lebendigkeit einzuhauchen. Guillou verbringt viele Seiten damit, Situationen und Begebenheiten zu umschreiben und auch entsprechend auszuschmücken, die vorerst und teilweise sogar gar keinen echten Bezug zur eigentlichen Thematik haben. Zugute kommt ihm hierbei sicherlich sein fast schon hypnotischer Erzählstil; Guillou versteht es, seine Leser sofort auf eine Traumreise zu schicken und mit seinen Worten Bilder zu malen, die man sich leicht einprägt, die aber ebenso intensiv haften bleiben. Dennoch: Einige Verbindungen in „Verbannung“ sind ein wenig locker und in ihrer Aufbereitung wacklig – dies war man aus dem Auftaktband in der Form noch nicht gewohnt!

Sobald die eigentliche Action jedoch beginnt, und diesbezüglich erlebt man im zweiten Roman eine unheimliche Steigerung, überschlagen sich die Ereignisse jedoch und gewähren der Story kaum mehr Platz für weitreichende Ausführungen. Arn erlebt nach anfänglicher Euphorie einen ordentlichen Tiefschlag, als er Einsicht in die eigentlichen Beweggründe der Kreuzritter-Mission erhält. Nach und nach überdenkt er seinen Einsatz und seine Teilnahme an diesem unmoralischen Kreuzzug und hegt den Gedanken, sich gegen sein Land und seine Mitstreiter zu widersetzen.

Ähnliche Gedanken pflegt auch Cecilia, die mit ihrer Situation in Götaland nur sehr schwierig zurechtkommt und sich kaum mehr damit abfinden kann, dass sie ganze zwei Jahrzehnte in ihrem unfreiwilligen Exil verbringen soll. Ebenso wie Arn erfährt sie rasch, dass ihre Umgebung von Lügen und Intrigen belebt wird, sie jedoch schier wehrlos gegen diese Entwicklungen ist. Stattdessen steigert sie sich in das Sehnsuchtsgefühl nach Arn, der im fernen Jerusalem jedoch längst mit anderen Dingen beschäftigt ist und mehr Sorge trägt, nicht mehr mit heiler Haut aus dem anschwelenden Krieg im Namen des Christentums herauszukommen. Nichtsdestotrotz ist gerade seine Charakterentwicklung nicht komplett glaubwürdig, gerade im Bezug auf seine sehr schnelle emotionale Wandlung. Dass er sich gedanklich und später auch aktiv so deutlich gegen den Orden stellt, ist zwar inhaltlich nachzuvollziehen, in der Kürze der Zeit aber gerade in den hier beschriebenen Umständen kaum greifbar. Neben der gelegentlich schon zu intensiven Aufbauschung einiger letzten Endes irrelevanter Inhalte ist dies der zweite größere Kritikpunkt, den „Verbannung“ bis zuletzt nicht ablegen kann.

Ansonsten hat Guillou es jedoch sehr schön hinbekommen, den Faden aufzunehmen und die Geschichte auf die nächste, inhaltlich sicherlich noch wesentlich spannender Ebene zu bringen. Ferner reißt er neue Stränge auf, die den Plot noch wesentlich komplexer gestalten als zunächst vermutet, von denen die Handlung aber sichtlich profitiert. Und da die logischen Verknüpfungen auch fließend ineinander übergehen, gibt es bis auf besagte Kritikpunkte mal wieder nichts, was man an Guillous Werk aussetzen kann.

 

 

Fazit:

Trotz leichter Startschwierigkeiten entpuppt sich auch „Verbannung“ als lesenswerter Kreuzritter-Roman, der die Thematik nicht völlig klassisch aufgreift, ihr aber gerade deswegen entscheidende Impulse verschafft. Wer „Aufbruch“ bereits schätzte, wird auch diesen zweiten Teil sehr bald lieb gewinnen!

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240615201132f4277245
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Buch:

Verbannung

Reihe: Der Kreuzritter Band 2

Autor: Jan Guillou

Taschenbuch, 560 Seiten

Heyne, 2. März 2009

 

ISBN-10: 3453470958

ISBN-13: 978-3453470958

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 09.07.2009, zuletzt aktualisiert: 13.04.2024 09:07, 8953