Vinyan (BR)
 
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Vinyan (BR)

Rezension von Cronn

 

Der französische Film hat eine lange und ruhmreiche Tradition. Dabei hat er in nahezu allen Genres sich bewegt, vom Kunst-Film mit Drama-Anspruch über Actionfilmen bis hin zu Liebesfilmen war alles im französischen Kino bearbeitet worden. Berühmte Namen aus Frankreich kennt man auch hierzulande. Erinnert sei hier an den Regisseur und Produzenten Luc Besson auf dessen Konto solche Blockbuster wie Im Rausch der Tiefe oder Das fünfte Element gehen oder an Jean Cocteaus mit seinem Film Die Schöne und das Biest. Richtungsweisend waren schon sehr früh die Kino-Pioniertaten der Brüder Lumière, die in ganz Europa mit ihrer Projektionstechnik Erfolge feierten. So spannt sich der Bogen des französischen Films von heute zurück zu den Anfängen des Mediums.

Auch der phantastische Film hat in Frankreich eine große Tradition. Angefangen von Die Reise zum Mond von Méliès 1902 gedreht, über Léon Gaumonts Fantômas bis hin zu modernen Varianten wie etwa das vorliegende Werk Vinyan.

 

Gedreht wurde „Vinyan“ von Fabrice Du Welz, einem Regisseur, der zugleich als Drehbuchschreiber für den Film zu nennen ist. „Vinyan“ ist sein vierter Film und zugleich sein ambitioniertester.

„Vinyan“ erscheint hierzulande auf DVD und Blu-Ray unter der Vertriebsaufsicht der Koch Media GmbH.

 

Inhalt:

Sechs Monate, nachdem ihr einziges Kind Joshua während der Tsunami-Katastrophe von Ende 2004 in Thailand verschwand, glaubt Jeanne, den tot geglaubten Sohn in einem Video über obdachlose Kinder in Burma wieder zu erkennen. Gemeinsam mit ihrem Mann Paul begibt sie sich auf eine Reise fernab der Zivilisation und landet inmitten eines heimtückischen Dschungels, der von verwilderten Kindern bewohnt wird, die keine Eindringlinge dulden. Denn wenn ein Mensch einen grausamen Tod stirbt, findet seine Seele keine Ruhe und wird böse. Das nennt man in der burmesischen Vorstellung einen „Vinyan“.

 

Kritik:

„Vinyan“ ist ein zutiefst verstörender und polarisierender Film. Der Regisseur Fabrice Du Welz erschuf damit ein Werk von solch tiefer Depression, dass man am Ende des Films seelisch bedrückt zurückbleibt. Das liegt daran, dass hier ein Thema angesprochen wird, das in der normalen Filmlandschaft immer noch ein Tabuthema ist – der Tod des eigenen Kindes. Der Umgang mit diesem Thema wird zur inhaltlichen Kernfrage von „Vinyan“. Dabei ist der Film weitab von jeglichen Klischee-Vorstellungen. Er bleibt in der Darstellung der Seelenlage seiner Protagonisten äußerst realistisch bis hin zum Pessimismus.

Die Schauspielerin Emanuelle Beart spielt die vom Tod des eigenen Sohnes, den sie nicht wahrhaben will, betroffene Jeanne mit großer Intensität, die in manchen Szenen geradezu bedrohlich wirkt. Ihr Ehemann Paul wird von einem ebenfalls grandios aufspielenden Rufus Sewell verkörpert. Beide zusammen sind perfekt aufeinander eingestimmt und harmonieren. Ohne diese Harmonie der Schauspieler hätte es keine funktionierende Disharmonie im Film geben können.

Betrachtet man „Vinyan“ von der künstlerischen Seite ist er ein gelungenes Drama mit unheimlichen Elementen. Sieht man den Film aber mit den Augen eines Horror-Filmfreundes, wird man leicht enttäuscht sein.

Die meiste Zeit des Films über wird man von keinem einzigen Schock-Effekt erschreckt. Es existiert nur ein einziger dieser Effekte, aber der sitzt! Was auch hier gelungen ist, ist die Atmosphäre. Sie ist finster, schmutzig und absolut depressiv. Wenn dann am Ende so etwas wie ein „übernatürliches“ Element auftaucht, ist man schon fast dazu geneigt, dies nicht mehr als solches hinzunehmen und damit fällt „Vinyan“ aus der ihm zugewiesenen Rolle als Horror-Film heraus.

 

Bonusmaterial:

Die Blu-Ray Fassung lag als Pressemuster vor, daher kann keine Aussage über ein Wendecover und die künstlerische Umsetzung des Box-Covers an sich gemacht werden.

Die Zusatzmaterialien erschöpfen sich in einem „Making-Of“ und einigen Trailern. Das ist sehr schade, hier wäre mehr Informationen wünschenswert gewesen.

 

Bild und Ton:

Die Bildqualität von „Vinyan“ bleibt hinter den Erwartungen an eine Blu-Ray-Disc weit zurück. Oft hat „Vinyan“ mit einer starken Verpixelung zu kämpfen, gerade auffällig in den blauen und weißen Bildbereichen. Der Ton entschädigt dafür und klingt in sauberem Surround aus den Boxen.

 

Fazit:

„Vinyan“ ist ein Film, der durch eine herausragende Schauspieler-Leitung überzeugt. Er überzeugt als Drama mit enormen Tiefgang. Wer allerdings den Film als Horror-Film betrachtet, wird leicht enttäuscht werden. Hier sollte man offen für diese Art von Umsetzung sein und nicht auf die Schock-Effekte schielen.

 

Von „Vinyan“ muss man sich gefangen nehmen und durch den Film tragen lassen, dann kann man ihn als den Film wertschätzen, der er ist – ein durch und durch pessimistisches Drama rund um zwei Eheleute, die den Tod ihres Kindes nicht verarbeiten können.

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202404181803249cb1ede5
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BR:

Vinyan

France / Belgien / GB / Australia 2008

Regisseur: Fabrice Du Welz

Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

FSK: 16

Koch Media, 16. Oktober 2009

Umfang: 1 Blue Ray

Spieldauer: 96 Minuten

 

ASIN: B002MWSYDY

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Emmanuelle Beart

Rufus Sewell

Julie Dreyfus


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Erstellt: 14.11.2009, zuletzt aktualisiert: 16.03.2023 18:04, 9514