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Wer fürchtet den Tod von Nnedi Okorafur

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

In einer nicht näher definierten post-apokalyptischen Zukunft werden die dunkelhäutigen Okeke von den hellhäutigen Nuru unterdrückt. Um sich an der Vergewaltigung ihrer Mutter zu rächen und ihr Volk zu befreien macht sich das Mädchen Onyesonwu (dt.: Wer fürchtet den Tod) auf eine lange Reise voller Magie und Gefahren. Ihr Ziel: Den mächtigen Zauberer Daib zu töten – ihren Vater und Vergewaltiger ihrer Mutter.

 

Rezension:

Onyesonwu ist das Kind einer Vergewaltigung. Das Dorf ihres Stammes, die Okeke, wurde von den Nuru überfallen. Die stundenlangen Vergewaltigungen hatten nur ein Ziel: Kinder. Okeke-Frauen schützen und nähren ihre Kinder, selbst Kinder der Gewalt. Doch diese Kinder haben eine andere Hautfarbe als Okeke und Nuru. Sie sind Ewu. Nirgends beliebt.

Onyesonwus Mutter flieht in die Wüste, bringt dort ihr Kind zur Welt und Onyesonwu lernt mit der afrikanischen Wüste zu leben. Singt ihr vor, versteht sie. Doch als Onyesonwu größer wird, beschließt ihre Mutter, dass menschliche Gesellschaft dem Kind fehlt und sie ziehen in eine Okeke-Stadt fern der Massaker.

Doch Onyesonwu entwickelt magische Fähigkeiten, ein Erbe ihres biologischen Vaters …

 

Nnedi Okorafur führt ihre Leserschaft mit Wer fürchtet den Tod in ein fernes Afrika, dessen Kultur auf den Resten der heutigen Zivilisation begründet ist und mit denselben Grausamkeiten geschlagen ist wie heute. Vergewaltigungen als Kriegswaffe, Genitalverstümmelung von Frauen, Diskriminierung von Menschen bestimmter Hautfarbe.

Das Setting ist hart und Nnedi Okorafur versteht es, die Gewalt als sozialem Bestandteil der Welt zu etablieren. Die Erlebnisse gehen nah, sind beklemmend bildreich beschrieben.

 

Die junge Zauberin Onyesonwu wächst mit der Wut auf. Sie wird ihr beständiger Begleiter. Verstärkt durch das Erwachsenwerden kann sie ihre ungeheuren Kräfte kaum bändigen und hat beständig Probleme, Hilfe anzunehmen. Sei es durch ihren Freun Mwita, der ebenfalls ein Ewu ist, die Prüfung zum Zauberer aber nicht bestand. Sei es durch ihre Mutter oder durch die diversen Zauberer, die nach und nach auf sie Einfluss ausüben wollen.

Onyesonwu bleibt das getriebene wütende Mädchen, selbst als sie ihr Schicksal erkennt und sich ihm fügt.

 

Nach dem atemraubenden Einstieg verliert der Roman jedoch zusehends an Prägnanz und wird zu einem typischen Fantasy-Roman. Selbst die afrikanische Exotik verpufft, wird zur beliebigen Staffage. Eine sich plötzlich wandelnde Rahmenerzählung, plotgetriebene Fähigkeiten und sich in langatmigen Streitigkeiten verlierende Figuren entzaubern den starken Romananfang leider völlig.

 

Fazit:

»Wer fürchtet den Tod« von Nnedi Okorafur ist ein zu Beginn beklemmender Roman, der mit drastischen Bildern Vergewaltigungen als Kriegsmittel anprangert und einen schonungslosen Blick auf heute immer noch gängige Grausamkeiten richtet.

Leider versandet der Roman dann in einer eher schwachen Fantasy-Erzählung.

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Eure Meinung:

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Buch:

Wer fürchtet den Tod

Original: Who fears Death, 2014

Autorin: Nnedi Okorafur

Übersetzerin: Claudia Kern

Taschenbuch, 512 Seiten

Cross Cult, 3. April 2017

Cover: Greg Ruth

 

ISBN-10: 3959811861

ISBN-13: 978-3959811866

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B01N7JXIOO

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Weitere Infos:


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Erstellt: 22.01.2018, zuletzt aktualisiert: 10.01.2020 09:40