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Westwood Vibrato (Band 2)

Rezension von Christel Scheja

 

Wie im Heimatland Korea, so startete auch hier „Westwood Vibrato“ zunächst als kostenloser Webcomic, der auf der Tokyopop-Seite eingesehen werden konnte. Da die Geschichten großen Zuspruch bekamen, startete die Reihe nun auch im großformatigen Taschenbuch und in Farbe.

 

In der Musikwelt besitzt Cornelia „Bobo“ Warshaw seit einiger Zeit einen ausgezeichneten Ruf. Sie gehört zu den wenigen Spezialisten auf der Welt, die in der Lage sind, auch alte Musikinstrumente zu reparieren oder wieder neu zum Leben zu erwecken. Bei ihr gehört es dazu, dass die Besitzer, von dem Gegenstand und dem Schicksal zu erzählen, das dazu führte, dass es kaputtging oder sich unrettbar verzog. Denn manchmal liegt der Schaden nicht beim Instrument, wie sich auch bei der jungen Emily zeigt, die mit ihrer Stiefmutter nach Kapstadt kommt, um eine kostbare Flöte reparieren zu lassen, da ihre Karriere davon abhängt. Aber Cornelia kann keinen Schaden feststellen – der liegt in der Seele des jungen Mädchens.

Auch die Instrumentenbauerin selbst hat ein schweres Schicksal hinter sich. Das schafft aber auch eine zärtliche Beziehung zu dem Arzt Alan, die einen neuen Anlauf nimmt. Ihr gutes Herz bringt sie nur wenig später dazu, sich auch einer streunenden Katze anzunehmen und sich um diese zu kümmern, auch wenn das Gefahren in sich birgt.

Und nicht zuletzt repariert sie eine Oboe, die ihr ein Bergsteiger schickt, dessen Freund vor vierzig Jahren am Mount Everest verschollen ist. Die damit verbundene Geschichte verbindet beide über ein magisches Schicksal …

 

Das Besondere an „Westwood Vibrato“ ist wohl, dass die Künstler ganz bewusst Musik und Schicksal miteinander verbinden. Jeder Episode ist ein Stück unterlegt, das nicht zwingend aus der Klassik stammen muss. Es passt nicht nur zu dem Musikinstrument, um das es in der Geschichte geht, sondern auch zur Stimmung der jeweiligen Geschichte.

Damit es nicht langweilig wird, beschäftigt sich der Manga nun auch ein wenig mehr mit Cornelia, gewährt Einblicke in ihre eigene tragische Vergangenheit und verrät so, warum sie so wurde, wie sie heute ist.

Noch halten sich die Künstler aber bewusst ein wenig zurück, um die Leser bei der Stange zu halten, denn die Neugier wird nur zum Teil befriedigt. Die Figuren und ihre Geschichten werden wie immer sehr feinfühlig und lebensnah dargestellt – man hat durchaus das Gefühl, sie vor sich zu sehen und ihr Leid oder ihre Freude teilen zu können.

Da die Stories eher die leisen Töne bemühen und den Leser dazu zwingen, die Zwischentöne zu beachten, erfordern sie schon ein wenig mehr Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, jedes Bild auf sich wirken zu lassen. Durch langsames Lesen können sich sich die Atmosphäre und der Zauber der Episoden erst wirklich entfalten und Eindruck hinterlassen. Wer allerdings schnelle und leichte Lektüre mit viel Action, Spaß oder offensichtlicher Romantik sucht, ist bei diesem Titel eher fehl am Platz.

 

Auch im zweiten Band bietet „Westwood Vibrato“ leise und gefühlvolle, aber dadurch um so eindringlichere Episoden um und mit der hübschen Heldin, die noch lange nachhallen, wenn man sich die Zeit nimmt, sie in allen Facetten zu genießen.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Westwood Vibrato (Band 2)

Autor: In-Wan Youn

Zeichnungen: Sin-Hee Kim

Westwood Vibrato Vol. 2, Korea/Japan, 2010

Aus dem Koreanischen von O. Jeong

Taschenbuch, 216 Seiten

Tokyopop, Hamburg, erschienen November 2014

ISBN-10: 3842008775

ISBN-13: 978-3842008779

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 17.11.2014, zuletzt aktualisiert: 20.04.2019 08:39