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Wildes Frankreich

Rezension von Christel Scheja

 

Seit einigen Jahren ist es in Mode gekommen, auch in den dichter besiedelten Regionen der Erde wie Europa, nach Naturparadiesen zu suchen, um den Zuschauern deren Schönheit bewusst zu machen und damit anzuregen, sie besser zu bewahren. In diese Kerbe schlägt auch die neuste Mini-Serie dieser Art. Zwei Episoden umfasst „Wildes Frankreich“.

 

„Schroffe Gipfel, Dichter Wald“ entführt in die Bergregionen und die Waldgebietes des westeuropäischen Landes. In den Pyrenäen, der natürlichen Grenze zu Spanien herrschte lange der Braunbär über die Ebenen, bis ihm der Mensch zu Leibe rückte und fast ausrottete. Doch Gesetze und Schutzgebiete haben dafür gesorgt, dass die Population langsam wieder wächst. Doch er ist nicht der einzige ungewöhnliche Bewohner dieser Region.

In den Alpen wird vor allem der Steinadler bewundert, der mit seinem majestätischen Flug über die Täler streift. Auf den Spuren eines Naturschützers, der sie beobachtet, lernt der Zuschauer die unterschiedlichen Gesichter der Alpen kennen, von den fast mediterranen Tälern bis hin zu den kalten schroffen Gletschern der Gipfel, besucht Murmeltiere, bewundert andere Überlebenskünstler bei den Tieren und Pflanzen. Hier sind nun auch endlich wieder Wölfe zu finden.

In den Vogesen leben viele Dachse, so darf man den aufregenden Tag eines Weibchens begleiten, das nicht nur nach einem geeigneten Nest sucht, sondern auch nach einem passenden Partner.

„Weite Küste, Rauhes Land“ führt die Filmemacher an der Atlantikküste entlang, in ausgedehnte Sumpfgebiete, die der Mensch noch nicht urbar gemacht hat, und wo heute noch viele Tierarten Schutz und Nistmöglichkeiten finden. Sie erzählen von der dramatischen Verwandlung einer Wasserlarve in eine Libelle und der Kinderstube der Fledermäuse.

Über die Chevennes, einer zerklüfteten Bergregion in Südfrankreich, in der sich Geier angesiedelt haben, geht es schließlich übers Meer bis hinunter nach Korsika, einer wilden Insel mit schroffen Küsten, die das älteste Naturschutzgebiet des Landes beherbergt und seit vielen Jahren an Land und im Meer dafür sorgt, das selten gewordene Tierarten im Wasser, am Boden und in der Luft nicht aussterben.

 

Auch wenn auf dem Backcover zwei Episoden genannt werden, so ist „Wildes Frankreich“ eigentlich eine Einheit, knüpft die zweite Folge inhaltlich doch genau an den Vorgänger an und erzählt die Geschichte von zwei Hirschen weiter, die die meiste Zeit des Jahres gemeinsam verbringen und nur in der Brunftzeit zu Rivalen werden.

Die Episoden erfüllen die zur Zeit gültigen Standards – dienen doch weitschweifige Landschaftsaufnahmen dazu, einen Überblick über die Landschaft zu geben, in die die Macher dann zu Stichproben eintauchen. Dabei wurde sehr genau darauf geachtet, möglichst nicht all zu viele menschliche Besiedlungsspuren einzubringen, um die Illusion von weitläufigen Naturparadiesen zu erwecken.

In jeder Landschaft werden einige bemerkenswerte Tiere herausgepickt – entweder weil Raubtiere wie Wölfe, Bären und Steinadler besonders majestätisch wirken, weil die Verwandlung von einer Wasserlarve zu einer Libelle sehr magisch und dramatisch inszeniert werden kann oder nicht zuletzt, weil es keine Geschichten von der Nahrungs- oder Partnersuche zu erzählen gibt. Menschen werden außen vorgelassen, es sei denn, sie gehören zu denen, die eins mit der Natur zu werden versuchen und sich um zu kümmern, wie etwa ein Mann, der seine Begleiter auf spirituelle Weise an den Wald und die Bäume heranführt und sie ihre Umgebung mit den Sinnen erfassen lässt, die ältere Frau, die ihr Leben der Versorgung und Aufzucht von verletzten und zu jungen Tieren gewidmet hat, oder die Einheimischen, die sich seit ihrer Jugend dem Naturschutz verschrieben haben.

Probleme und nicht wieder gut zu machende Eingriffe werden verschwiegen, aber man merkt auch durch die pathetische Erzählweise, dass die Macher hier nicht auf den erhobenen Zeigefinger setzten, sondern ihre Zuschauer bewusst durch schöne Bilder, atemberaubende Zeitlupenaufnahmen und andere Tricks, dazu bringen möchten, ihr Land mit ganz anderen Augen zu sehen, sich von der Natur verzaubern zu lassen und so den Wunsch zu verspüren, selbst vor Ort zu sein.

Die Dokumentation geht bewusst nicht in die Tiefe und konzentriert sich auf imposante und lustige Beispiele, eine intensive Atmosphäre und viele ruhige Momente, in denen man einfach nur das, was man sieht auf sich wirken lassen sollte.

Der Informationsgehalt ist deswegen eher gering, und die Gestaltung von Musik und Bildern vielleicht auch nicht jedermanns Sache, aber dennoch erfüllen die Episoden ihren Zweck – zeigen sie doch, dass es auch in Europa, wo der Mensch mittlerweile überall seine Spuren hinterlassen hat, kleine aber feine Naturparadiese gibt.

 

 

Fazit:

 

 

Alles in allem erweist sich „Wildes Frankreich“ als solider, wenn auch nicht herausragender Überblick über die nicht ganz so extrem kultivierten Landschaften unseres Nachbarlandes, den man in erster Linie genießen sollte. Bilder und Musik schaffen eine lebendige, aber zugleich auch magische Atmosphäre, die in der Laufzeit in den Bann schlagen und wunderbar entspannen kann, wenn man bereit ist, sich auf die doch etwas pathetische Erzählweise einzulassen.

 

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MEDIUM:

Wildes Frankreich

Regie und Buch: Frederic Fougea, Jacques Malaterre

Sprecher: Otto Clemens

Format: Dolby, PAL, RC 2

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Anzahl Disks: 1

FSK: Infoprogramm

Studio: Polyband/WVG

Erscheinungstermin: 25. Juli 2014

Produktionsjahr: 2013

Spieldauer: 100 Minuten

ASIN: B00JJ9DZ3M

Erhältlich bei: Amazon

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20230131175012563c2e1a
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Erstellt: 31.07.2014, zuletzt aktualisiert: 02.08.2022 20:01