Wilhelm Busch und die Folgen
 
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Wilhelm Busch und die Folgen

Rezension von Christian Endres

 

In diesem Jahr wäre Wilhelm Busch 175 geworden, während sich 2008 sein Todestag zum 100. Mal jähren wird. Zeit, die Öffentlichkeit wieder einmal mit Nachdruck daran zu erinnern, was für ein großer, begabter und doch volksnaher Künstler Busch gewesen ist. Eine große Ausstellung im Busch-Museum in Hannover, diverse Reportagen und ein dicker Comic-Band unter Schirmherrschaft von Buch- und Ausstellungs-Kurator sowie Comixene-Chefredakteur Martin Jurgeit sind nur einige der Projekte, die den stets klugen und munter gegen das Kleinbürgertum spöttelten Meister der Bildergeschichte ins Gedächtnis der Massen zurückrufen sollen. Wozu dann auch ein Ralf König oder Volker Reiche den Pinsel schwingen und sich in Ehapas »Wilhelm Busch und die Folgen« die Ehre geben...

 

Teilweise ganz nah an den originalen Possen von Busch, teils äußerst frei adaptiert oder nur als Grundlage und Ausgangs-Idee genutzt, zeigen die Humoristen der deutschen Comic-Riege, was in ihnen steckt - und was sie sich ausgedacht haben, um den Meister zu ehren. Ralf König und seine moderne Version von Max und Moritz wirkt dabei gewohnt sexistisch und ist nicht einmal dann um Wort oder Tat verlegen, wenn König plötzlich reimt; Volker Reiche indes präsentiert sich gar malerisch-böse und so ungewohnt blutig, dass man ihn fast nicht wieder erkennt und Meckie und Strizz fast vergessen mag. Und dann ist da neben jener alten Schule und den großen Namen z. B. auch noch Überflieger und Preise-Sammler Flix mit seinem unverkennbaren autobiographischen Stil, das deutsche Manga-Talent Anike Jage sowie acht weitere ganz unterschiedliche Künstler, die sich auf jeweils ganz persönliche und individuelle Art und Weise mit Wilhelm Busch und seinem Schaffen auseinander gesetzt haben und frohen Mutes adaptiert, persifliert oder interpretiert haben.

 

Dass Busch und seine Geschichten maßgeblich an der Entstehung des modernen Comics beteiligt waren, stellt der umtriebige Comic-Experte Andreas C. Knigge in einem sehr schönen Essay zu Beginn des Bandes heraus, biographische Angaben über Busch sowie Bildbeispiele von dessen Schaffen inklusive. Dergestalt toll und informativ eingeleitet und überhaupt zudem sehr schön als handliche Klappenbroschur aufgemacht, entpuppt sich »Wilhelm Busch und die Folgen« am Ende als ebenso buntes wie abwechslungsreiches Who-is-Who der deutschen Comic-Szene, das sich den Klassikern des zeitlosen Busch-Portfolios unterschiedlichst nähert - oder ihm, wie in Ralf Königs Fall, frech auf die Füße tritt.

 

So dürfte am Ende für jeden etwas dabei sein, wenngleich auch nicht verschwiegen werden soll, dass auf den 144 Seiten dieser modernen Hommage nicht jede Geschichte überzeugen kann oder ein echter Hit ist - was bei Anthologie-Projekten, egal ob mit fester Vorlage oder, wie in diesem Fall, mit allem Freiraum für die beteiligten Künstler, jedoch nichts wirklich neues ist.

 

Wilhelm Busch, der war ganz groß,

seine Werke, auch heute noch famos.

 

So kamen denn nun Reiche, König und der Flix,

schrieben, malten und zeichneten ganz fix

Hommagen und grafische Adaptionen,

in farbigen und schwarzweißen Variationen.

 

Nicht alles davon weiß zu überzeugen,

obwohl alle vorm Busch die Häupter beugen.

 

Idee, Aufmachung und Vorwort sind sehr edel,

weshalb ich mit der Empfehlung wedel:

 

Schaut euch die huldigenden Folgen ruhig mal an,

immerhin geht’s in jeder um ´nen wahrlich großen Mann.

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240222063539bf3179f0
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Comic:

Wilhelm Busch und die Folgen

Ralf König, Volker Reiche u.a.

mit einem Vorwort von

Andreas C. Knigge

Klappenbroschur, 144 Seiten

Ehapa, September 2007

ISBN-Code: 3770431731

Erhältlich bei Amazon

 

Folgende Künstler haben Beiträge zu diesem Band beigesteuert:

 

- Ralf König

- Laska

- Ulf S. Graupner

- Volker Reiche

- DuO

- Flix

- Martin tom Dieck

- Ulf K. & Martin Baltscheit

- Anike Hage

 

weitere Infos:


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Erstellt: 25.09.2007, zuletzt aktualisiert: 31.12.2023 11:30, 4946