Wonderwall – Welt voller Wunder (DVD
 
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Wonderwall – Welt voller Wunder (DVD)

Redakteur: Ralf Steinberg

 

Rezension:

Ein Film von 1968 mit einem Titel, der heute mit einem ganz anderen Kunstwerk verbunden wird, bringt e-m-s zum 40. Jubiläum des Kinodebüts auf DVD heraus und wird damit bestimmt die Diskussion um die Bedeutung des Oasis-Klassikers erneut entfachen.

Einer der wohl schönsten Pop-Songs gibt seit seinem Erscheinen 1995 Rätsel über seine Bedeutung auf, nicht zuletzt, weil Texter Noel Gallagher hierzu widersprüchliche Aussagen machte. Ganz sicher aber kannte er den Film und den Score, das erste Solo-Album eines Beatles, wenn auch Wonderwall Music von Georges Harrison kein kommerzieller Erfolg wurde, ebenso wenig wie der Film.

 

Dabei bietet der Film durchaus eine mögliche Interpretationsgrundlage, geht es doch um das Bezaubern und Ausbrechen aus einem alten Leben.

Ganz im Sinne des großen Aufbruchs in eine neue Welt, zeigt die Geschichte um den introvertierten Professor Collins, der durch ein Loch in der Wand mit der bunten Hippie-Welt in Berührung kommt, jene Auseinandersetzung, die die westliche Welt so grundlegend veränderte.

Als friedliche Revolution vollzieht sich diese Berührung so unterschiedlicher Welten, ganz ohne Gewalt. Collins lässt sich widerstandslos einfangen und umwandeln. Sicher wird man aus heutiger Sicht das sexuelle Element deutlicher in den Vordergrund stellen. Alter Sack beobachtet junges Mädchen durch ein Loch in der Wand – ein uraltes Spannermotiv.

Regisseur Joe Massot stellt aber recht schnell klar, dass es darum eher nicht geht. Obwohl die wahrhaft göttlich schöne Jane Birkin zunächst mit lasziven Körpereinsatz in die staubige Altmännerwelt eindringt, gibt es keine Anzeichen sexueller Regung bei Collins. Der moralische Überbau seiner Erziehung verhindert das, sehr anschaulich ins Bild gerückt durch das geisterhafte Auftreten seiner Mutter, die ihm genau jenes Spannertum vorwirft. Aber Collins ist sehr schnell über den Anfangsreiz hinaus. Was ihn vielmehr fasziniert und fesselt, ist die so völlig andere Welt hinter der Wand, das Wundervolle, dessen Geheimnis sich zwar schnell als Fotokulissen auflöst, aber da ist der Professor bereits dabei, mehr von diesem Wunderbaren kennenzulernen. Es ist wie eine Sucht. Aus einem Loch werden zwei, zunächst mit dem Skalpell dann mit Hammer und Meißel schlägt er Öffnungen in die trennende Schicht zwischen den Welten, baut sich sogar aus seinen alten Möbeln ein Gestell, um näher am Ziel seiner Obsession zu sein.

Bereits hier hat er die alten Bahnen seines Lebens verlassen, obwohl er es zunächst nur als Urlaub empfindet, als Phase einer Krankheit.

Doch die Nähe zu Penny (Penny Lane – wie der Beatles-Song) lässt ihn immer mehr an ihrem Leben teilhaben, so dass er sich in einer Beziehung mit ihr wähnt, was die zum Teil sehr albernen Traumsequenzen belegen, in denen er um Penny mit ihrem Freund kämpft und sie sogar ehelicht. Collins bleibt also selbst in seinen Träumen immer noch in seinen Konventionen und gesellschaftlichen Traditionen gefangen, wie sehr er auch seinen Alltag verändert.

Aber auch die Welt hinter Wand ist nicht frei von Schatten. Wenn das Paar eine Party veranstaltet und diese darin besteht, dumpf berauscht in der Ecke zu sitzen, jeder in seiner eigen drogeninjizierten Welt, beweist Professor Collins auf der anderen Seite, was er unter Party versteht. Luftschlangen und keckes Party-Hütchen wirken hier plötzlich bunter, als das Treiben der Jugend, die sich in Probleme verwickelt sieht, deren Lösung auch in ihrer Blumenwelt nicht leicht ist. Penny wird schwanger. Die Beziehung zerbricht daran und Collins darf wie ein Magier über die Dächer schweben, hin zur Angebeteten, nur um zu entdecken, dass sie versucht sich das Leben zu nehmen.

Als der Rettungssanitäter das Mädchen in einer Art endlosem Zungenkuss wiederbelebt, erkennt man in Collins Gesicht, wieder daheim, die Rettung durch die Mauer beobachtend, die Erkenntnis darüber, welche Möglichkeiten er da gerade hat verstreichen lassen.

Aber nicht nur Penny wird in diesem Augenblick neues Leben eingehaucht. Auch Collins kehrt zurück, verändert. So wie Penny sein Dasein beeinflusste konnte er es auch für sie tun.

Die schauspielerische Leistung von Jack MacGowran, den die meisten aus Tanz der Vampire kennen dürften, besteht vor allem darin, den klischeehaft angelegten Professor mit Leben zu füllen, seine Schrullen und Eigenarten so natürlich in die Kulisse einzuarbeiten, dass selbst die albernsten Verrichtungen echt wirken.

Von Jane Birkin hingegen ist weniger zu sehen, bedingt durch den engen Blickwinkel, aus dem wir sie beobachten dürften, sie überstrahlt mit ihrer Schönheit die Szenen, ohne tatsächlich großartig agieren zu können. Der Film ist über weite Strecken auf die Figur des Professors konzentriert.

 

Die Ausstattung der DVD ist mit einem Faltblatt und Trailern recht dünn ausgefallen, zumal wesentliche Teile der Informationen des Booklets exakt so in der Wikipedia nachzulesen sind. Besonders ärgerlich ist hier die Übernahme aus dem Artikel zu Jane Birkin, in dem sie als „flachbrüstiges Sexsymbol“ bezeichnet wird. Weder ist das für den Film relevant, noch reicht es dem Verlag zur Ehre, solche verunglimpfenden Attribute weiter zu reichen.

 

Schade ist auch die Beschränkung des Tones auf eine Mono-Fassung. „Wonderwall Music“ gibt es schon einige Jahre als Neuauflage der Zwei-Spur-Stereo-Master Bänder.

Zur Musik sei noch gesagt, dass sie im Laufe der Jahre nicht eingänglicher geworden ist. Wer Beatles-Klänge erwartet, sei gewarnt, es handelt sich in allererster Linie um indisch orientierte Klänge, die im Wesentlichen den psychedelischen Charakter des Films einfangen und nur selten in Melodien münden.

 

Die Filmqualität ist unterschiedlich, man merkt dem Film seine 40 Jahre an. Es gibt Rauschen, divergierende Helligkeiten und insgesamt recht dunkle Szenen, insgesamt aber ist die Digitalisierung als gelungen zu bezeichnen.

 

Fazit:

Ein auf jeden Fall ungewöhnlicher Film. Sowohl als Zeitdokument, als auch als cineastisches Vergnügen sehenswert.

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202404181228595799685c
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DVD:

Wonderwall – Welt voller Wunder

Großbritannien, 1968

Regie: Joe Massot

Originaltitel: Wonderwall

Länge: 88 Minuten

Drehbuch: Gérard Brach, G. Cabrera Infante

Produktion: Andre Braunsberg

Musik: Tony Ashton, George Harrison, Colin Manley

Kamera: Harry Waxman

Schnitt: Rusty Coppleman

Format: Dolby, HiFi Sound, PAL

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 1.0), Englisch (Dolby Digital 1.0)

Untertitel: Deutsch

Region: Region 2

Bildseitenformat: 16:9

FSK: 12

e-m-s, 22. Mai 2008

 

ASIN: B001758B1C

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Besetzung

Jack MacGowran: Professor Oscar Collins

Jane Birkin: Penny Lane

Irene Handl: Mrs. Peurofoy

Richard Wattis: Perkins

Iain Quarrier: Junger Mann

Beatrix Lehmann: Mutter

Brian Walsh: Fotograf

Sean Lynch: Riley

Bee Duffell: Mrs. Charmer

Noel Trevarthen: Polizist


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Erstellt: 23.05.2008, zuletzt aktualisiert: 16.03.2023 18:04, 6555