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Worms – Odyssee im Wurmraum (Wii)

Rezension von Björn Backes

 

Ein schwarzes Loch hat eine Gruppe rückgratloser Gestalten unverhofft in die weiten des Weltalls befördert. Moment mal: Rückgratlose Gestalten? Nun, die Rede ist natürlich von den seit anderthalb Dekaden erfolgreichen Konsolen- und PC-Würmern, die nach langer Vorankündigung nun endlich ihr erstes Abenteuer auf der Nintendo Wii bestreiten dürfen. In „Osyssee im Wurmraum“ sind die Worms inmitten der Tiefen des Weltalls gestrandet und haben dort die Kontrolle über ihr Raumschiff verloren. Der Kreuzer schlägt auf und hinterlässt die glitschigen Gestalten völlig hilflos ihrer Bestimmung. Mit einem breiten Arsenal neuer Space-Waffen schlägt die bunte Truppe aber zurück und bahnt sich nun durch sechs Missionen, verschiedene Sub-Levels und einzelne Minispiele den Weg zurück, um diese eigenartige Odyssee dennoch zu einem guten Ende zu bringen.

 

 

Das Spiel:

 

„Worms“ – hier ist der Name seit Jahren Programm. Dementsprechend waren auch mit dem neuesten Titel der Serie ganz klare Erwartungen verknüpft und somit auch ein hoher Druck an die Entwickler, die sich infolge dessen nicht nur mit den begrenzten Möglichkeiten der Wii-Hardware sondern auch mit den hohen Ansprüchen der Fans auseinandersetzen mussten. Dass „Odyssee im Wurmraum“ daher auch kein wirklich klassischer „Worms“-Titel geworden ist, mag nur die wenigsten verwundern. Dass das Spiel aber in vielerlei Hinsicht kräftig abspecken musste, dürfte dem entgegen die meisten enttäuschen.

Innovative Momente sind in der Wii-Fassung jedenfalls Mangelware. Der Bediener lenkt die Würmer durch insgesamt sechs übergeordnete Welten, die aus jeweils mindestens fünf Levels bestehen und sich grundlegend nur grafisch voneinander unterscheiden. Die Strukturen sind meist nur bedingt variabel, die Anforderungen auch nicht wirklich flexibel umgesetzt und das Geballer trotz des nicht zu leugnenden Witzes auf Dauer ein wenig monoton. Die wohl entscheidende Veränderung ist in diesem Zusammenhang allerdings die Rückkehr zum 2D-Modus. Die Designer haben das Spiel ein ganzes Stück zu den Wurzeln der Reihe zurückgebracht, dabei jedoch auch bedeutsame Neuerungen außen vor gelassen. So ist das Waffenarsenal dieses Mal sehr stark begrenzt. Gerade einmal 18 verschiedene Wummen stehen zur Auswahl, wobei bei genauer Betrachtung noch viel weniger echte Gattungen darunter sind. Und auch unter den Würmern selber bieten sich gerade einmal 15 unterschiedliche Spezies an.

 

Wirklich neu ist daher auch nur das Setting, eine extraterrestrische Freak-Welt, in der man auf allerhand durchgeknallte Alien-Würmer trifft, sich mit der außergewöhnlichen Ausstattung gegen Ufos und seltsame Kreaturen erwehrt und letztendlich auf alles ballert, was nicht schnell genug der Schwerkraft zum Opfer fällt. Letztere wurde im Übrigen auch ins Spielsystem eingeflochten, wenn auch nur sehr dezent.

 

Neu, aber insgesamt eher enttäuschend ist der geringe strategische Reiz. Das Spiel ist weitestgehend auf die neuartige Steuerung und das damit verbundene Geballer ausgelegt, dass die taktischen Inhalte früherer Outputs kaum mehr so intensiv gepflegt werden. Zwar erfordern gewisse Konstellationen eine eher strategische Offensiv-Herangehensweise, aber auch diesbezüglich fehlt es irgendwie an Spannung und Anspruch – und das bei den guten Voraussetzungen.

 

Gott sei Dank gibt es – quasi als Entschädigung – noch en Multiplayer-Modus, in dem sich bis zu vier menschliche Würmer bekriegen bzw. zeigen können, was sie an der Wiimote draufhaben. Hier keimt der altbewährte Witz wieder auf, hier gibt’s Spaß und Spannung en masse – ganz im Gegensatz zum überaus einspurigen Single-Player-Game. Enttäuschend ist zuletzt noch das Ausbleiben des Online-Spiels. Zwar sind derartige Features auf der Wii noch lange kein Standard, da jedoch die „Odyssee im Weltraum“ vorab mit einer solchen Option angekündigt wurde, fehlt für diesen Mangel jegliches Verständnis. Aber zumindest bleibt somit die Harmonie der vielen Ungereimtheiten im Gameplay erhalten…

 

 

Technik/Grafik:

 

„Worms“ versucht natürlich, die Möglichkeiten der Wii-Steuerung innovativ und authentisch zu nutzen, bedarf aber einer intensiven Einarbeitungsphase, um halbwegs sicher durch den Wurmraum navigieren zu können. Besonders der Waffeneinsatz stellt sich als überaus kniffliges Element dar, welches in mancher hektischen Spielphase schon einmal zu leichten Überforderungen führen kann. Allerdings ist man in nahezu jedem Spielzug in ständiger Bewegung und kann sich mit den kleinen Fights gegen die Alien-Würmer mal so richtig auspowern. Dennoch ist die Steuerungsmechanik ein wenig unausgegoren, vor allem was die Fortbewegung der Protagonisten sowie die schwammige Kameraführung betrifft. Merkwürdig ist hier vor allem, dass der Nunchuk nicht einbezogen wurde, wo doch gerade in Sachen Laufen und Ausweichen der Control Stick schmerzlich vermisst wird. Aber auch der Zielmechanismus für Raketen und dergleichen ist, vorsichtig gesagt, gewöhnungsbedürftig.

 

Optisch ist „Odyssee im Weltraum“ ebenfalls stark ausbaufähig. Zwar ist der bewährte Comic-Stil auf Anhieb wieder ein steter Sympathieträger, doch alleine schon die Begrenzungen auf das Zweidimensionale und die Gestaltung mancher Backgrounds könnte ein wenig detailverliebter sein. Auch hier tauchen immer wieder verschwommene Muster ein, die man den Designern durchaus als Makel ankreiden darf. Schade, aber auch visuell hinterlässt das erste Wii-„Worms“ einen äußerst zwiespältigen Eindruck.

 

 

Spielspaß:

 

Es mag überraschen, dass das aktuelle Würmer-Abenteuer trotz der vielen genannten Qualitätseinschränkungen auf bestimmte Dauer dennoch Spaß bringt. Der Story-Modus könnte zwar ein wenig abwechslungsreicher sein, die Steuerung nicht ganz so kompliziert und dafür ein wenig sensibler, und auch hinsichtlich der Optik wünscht man sich häufig bessere Ideen – aber es ist eben nicht von der Hand zu weisen, dass die Ballerei im Wurmraum gewissermaßen Laune macht. Durch den geringen Schwierigkeitsgrad und die wenig anspruchsvollen Rätsel ist das Vergnügen zwar schon begrenzt, aber immerhin: Unter den schwierigen Rahmenbedingungen erhält man nach den ersten Eindrücken und der nervigen Eingewöhnungsphase weitaus mehr, als man befürchten musste.

 

Nichtsdestotrotz bleibt die „Odyssee im Wurmraum“ eines der schwächsten „Worms“-Games, da sich einfach zu viele kleine Schönheitsfehler im aktuellen THQ-Titel sammeln. Es vergeht kaum eine Minute, in der man mal nicht Details aufdeckt, die auf jeden Fall noch ausbaufähig erscheinen, was den Reiz alles in allem leider auch wieder einschränkt. Hinzu kommt eine erschreckende Distanzierung vom strategischen Spielanteil, die sich vor allem in einer Erhöhung der Baller- und Actionsequenzen niederschlägt. Und auch dies sollte ein Punkt sein, der eingefleischte Kenner enttäuschen sollte – ebenso wie die Reduzierung des Ausrüstungs- und Würmerarsenals. Keine Frage also, hier wurde bei weitem nicht das Maximum aus den bestehenden Möglichkeiten herausgeholt!

 

 

Fazit:

 

„Worms – Odyssee im Wurmraum“ mag ein witziges, hinsichtlich der Action wirklich gutes Spiel sein, kann aber als Rundumpaket nur sehr begrenzt überzeugen. Eine Fülle unausgereifter Details überschattet den ersten Serientitel für die Wii und sollte insbesondere „Worms“-Erprobte ein wenig enttäuschen. Da hilft auch das eigentlich sympathische Gameplay un der starke Multiplayer-Modus nicht wirklich weiter: Dieses Spiel hat man schon Dutzend Mal besser und vor allem umfangreicher erlebt !

 

(Anklicken zum Vergrößern)
 

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Worms – Odyssee im Wurmraum (Wii)

von THQ Entertainment

Plattform: Nintendo Wii

USK-Einstufung: Freigegeben ab 6 Jahren gem. 14. JuSchG

ASIN: B0012G9BWO

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 13.05.2008, zuletzt aktualisiert: 11.01.2015 18:06