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Zukunft ohne Menschen, Staffel 2

Filmkritik von Christel Scheja

 

„Zukunft ohne Menschen“ zeigt in eindrucksvollen Bildern, dass gerade unsere Zivilisation überraschend vergänglich ist, obwohl sie mehr in die Zukunft blickt als jede andere Kultur vor ihr. Was also würde passieren, wenn die Menschen aus irgendeinem Grund urplötzlich verschwinden würden, und so niemand mehr da ist, der sich um die Gebäude, Tiere und alle anderen Errungenschaften unserer Zeit kümmern würden?

 

Beschäftigte sich die erste Staffel noch mit den eindrucksvolleren Veränderungen, die Stahl und Beton mitmachen würden und zelebrierte geradezu den Zusammensturz großer Monumente, wendet sich die zweite Staffel kleineren oder unauffälligeren Entwicklungen zu.

Was geschieht zum Beispiel mit den heiligen Stätten des Glaubens, wenn sich niemand mehr um sie kümmert. Haben Kunstwerke und Baudenkmäler überhaupt Bestand. Oder sind sie nach Jahrhunderten auch nur noch Schutt und Asche.

Die Antwort ist ernüchternd, denn tatsächlich ist das einzige Überbleibsel menschlichen Glaubens eher sinnbildlich und findet sich in der andauernden Treue anatolischer Hirtehunde wieder, die ihre Schafe auch noch Jahrtausenden immer noch behüten würden, wenn man sie ließe.

Auch Lebensmittel sind dem Verfall preisgegeben, wenn der Strom ausfällt und die Kühlung nicht mehr da ist. Wie lange halten Obst und Fleisch, wann machen sich Tiere und Kleinstlebewesen an der Nahrung zu schaffen. Wie lange können Konserven ihren Inhalt schützen?

Nur ein Lebensmittel scheint noch nach Jahrtausenden genießbar zu sein: Honig. Denn den, den man in verschlossenen Krügen in Pharaonengräbern fand ist teilweise auch heute noch genießbar.

Was ist mit den Archiven und Zeitkapseln, die die Menschen angelegt haben, um Zeugnisse der Kultur für die Nachwelt zu bewahren? Was bleibt wirklich am Ende übrig, und wie könnte unsere Schicht nach Millionen von Jahren aussehen?

Welche Auswirkungen haben das Meer und der Wind auf die Küsten? Kann es nicht sein, dass viele Megastädte, die nahe am Wasser liegen irgendwann einmal in den Fluten versinken? Und haben auch die Paläste der Reichen und Mächtigen wirklich bestand? Wann ist auch der Spiegelsaal von Versailles nur noch ein Scherbenhaufen?

 

Wie auch schon in der ersten Staffel ist die Betrachtungsweise auch in der zweiten sehr amerikanisch. Das liegt nicht nur an der Wahl der Schauplätze und Themen, sondern auch an Gestaltung und Schnitt.

Die einzelnen Folgen sind auch diesmal ein wenig reißerisch aufgemacht und auf die Werbepausen ausgerichtet. Man merkt genau, wann die Werbeunterbrechungen angesetzt sind, da die Serie in diesen Momenten innehält und nur einen Ausblick auf das Kommende gibt, anstatt im Fluss weiter zu erzählen.

Auch diesmal dürfen natürlich Gebäude und Denkmäler zusammenkrachen, aber es sind nicht mehr ganz so viele wie in der ersten Staffel. Stattdessen wendet man sich sehr oft den kleinen dingen zu und beschreibt den Verfall wieder anhand von realen Beispielen. So weiß man durch einen pleite gegangenen Supermarkt, der von den Besitzern einfach ohne die Waren zu entfernen, geschlossen wurde, wie Nahrungsmittel nach drei Monaten aussehen können. Durch Funde in Kellern und an abgelegenen Orten kennt man den Zustand von Lebensmitteln in Konserven nach einigen Jahrzehnten und sogar einem guten Jahrhundert.

Auch das in Amerika zu Weihnachten sehr geschätzte Früchtebrot hält durch seine Zusammensetzung länger als gedacht – wie eines aus dem 19. Jahrhundert beweist, das die Familie zum Gedenken an die Großmutter über Generationen aufbewahrt hat.

Überraschend ist auch der Zustand der Waren in einem Dampfer, der in einem See unterging und dessen Inhalt erst jetzt geborgen werden konnte. Geschützt vor Tieren, UV-Strahlen und all zu viel Sauerstoff überdauerten eingelegtes Gemüse und Früchte, sind Geschirr und Besteck immer noch wie neu.

Interessant ist auch, welchen Tieren die Wissenschaftler Überlebenschancen geben und welchen nicht. Gerade die überzüchteten Truthähne in den Massenfarmen werden schnell verschwunden sein, weil sie sich nicht einmal natürlich paaren können. Und welche Arten erobern am Ende die Schuttberge, die einstmals Städte waren?

Beklemmend ist auch die Tatsache, dass sich viele Giftstoffe und radioaktive Strahlung sich ungehindert ausbreiten werden, wenn kein Mensch mehr da ist, um auf die Schutzmaßnahmen zu achten.

Alles in allem werden auch in der zweiten Staffel wieder nur Teilaspekte angesprochen und man geht nicht sonderlich in die Tiefe. Aber es reicht aus, um sich darüber schlau zu machen, wie eine postapokalyptische Welt aussehen kann, vor allem wie schnell Dinge, die einem jetzt unzerstörbar erscheinen, zerfallen und verschwinden. Und es regt die Phantasie an, wenn in Romanen oder anderen Medien wieder einmal von einem postapokalyptischen Szenario die Rede ist. Allerdings hat man mittlerweile das Gefühl, das ein oder andere auch schon mal in der ersten Staffel gesehen zu haben.

 

„Zukunft ohne Menschen“ spielt auch in der zweiten Staffel gekonnt mit dem Blick in eine eher düstere Zukunft und geht Katastrophenszenarien einmal von einer ganz anderen Seite an. Allerdings gibt es erste leichte Ermüdungserscheinungen und auch der reißerische Stil ist nicht jedermanns Sache, aber gerade für Autoren und Rollenspieler, die sich gerne in phantastischen Gefilden bewegen ist die Serie eine gute Fundgrube inspirierender Bilder und Ideen.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20230205185058990d818a
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DVD:

Zukunft ohne Menschen - Staffel 2

(DVD; Dokumentation; FSK 0)

10-teilige Dokumentation, USA 2010

Format: Dolby, PAL, Region 2

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Anzahl Disks: 3

FSK: Ohne Altersbeschränkung

Studio: Polyband & Toppic Video/WVG

Erscheinungstermin: 26. August 2011

Spieldauer: 450 Minuten

 

ASIN: B004XKBDPO

 

Erhältlich bei: Amazon

 


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Erstellt: 26.08.2011, zuletzt aktualisiert: 02.08.2022 20:01