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Zwei Minuten Warnung

Filmkritik von Christel Scheja

 

Die 1970ger Jahre waren eine Zeit der Katastrophen- und Endzeitfilme. Man hatte genug von den Geschichten um und aus einer heilen Welt, in der am Ende immer alles gut wurde, statt dessen waren auch die Massen von brennenden Hochhäusern, einer von Erdbeben erschütterten Stadt oder einer von Viren entvölkerten Welt fasziniert. Die Filme endeten oft nicht mit mehr als einem gewissen Status Quo und ohne Happy End. Einige der Hautdarsteller haben dabei immer ihr Leben lassen müssen.

In dieser Tradition steht auch „Zwei Minuten Warnung“. Aufgegriffen wird ein Szenario, das zum einen realistisch ist, zum anderen trotz erhöhter Sicherheitsbestimmungen immer noch möglich. Terroristische Anschläge und Amokläufe haben es in den vergangenen Jahren bewiesen. Auch die besten Vorkehrungen sind nichtig, wenn es einem Menschen gelingt, die Lücke zu finden, hindurchzuschlüpfen und eine Massenpanik auszulösen.

 

Alles fiebert einem wichtigen Spiel der höchsten Football-Liga entgegen, in dem es für die Teams aus Los Angeles und Baltimore um alles oder nichts geht. Bereits am Morgen werden erste Vorbereitungen getroffen, um dem Ansturm der Massen und dem am Abend stattfindenden Spiel Rechnung zu tragen. Die Polizei von Los Angeles ist zwar auch in Alarmbereitschaft, aber eher, weil auch der Präsident der Vereinigten Staaten nach einer Pause ins Stadion kommen und den Rest des Spiels live mitverfolgen will. Da bisher nicht viel passiert ist, bleiben der Polizeichef und seine Leute locker.

In einem Vorort von Los Angeles wird derweil ein Radfahrer aus dem Fenster eines Hotels erschossen. Noch ahnt keiner, dass das nur die letzte Zielübung für einen Heckenschützen ist, der sich kurze Zeit später in das Stadion einschleicht und einen günstigen Standort für seine Attacken sucht.

Derweil strömen die Besucher in die Stadt oder bereiten sich auf den Stadionbesuch vor. Unter ihnen ist zum Beispiel ein alterner Taschendieb, der seiner Tochter eine weitere Lektion beibringen will, ein geschiedenes Ehepaar, das doch wieder zueinander gefunden hat und nun die neugefundene Liebe mit einem besonderen Tag feiern möchte oder ein arbeitsloser Familienvater, der seinen Kindern etwas gönnen möchte, auch wenn er ihnen keine Fanartikel kaufen kann, weil das Geld dazu nicht mehr reicht. Neben einen sportbegeisterten Priester setzt sich auch ein Mann, dem die Mafia im Nacken sitzt, weil er seine Spielschulden nicht bezahlen kann.

Der Heckenschütze wartet geduldig, bis sich das Stadion füllt und das Spiel seinen Anfang nimmt. Immer wieder zielt er zur Probe auf das Spielfeld oder unter die Leute, drückt aber noch nicht ab, als wolle er die Menschen in Sicherheit wiegen.

Er ahnt allerdings nicht, dass ihn die Fernsehkameras ihn bereits entdeckt haben und der Polizeichef sowie der Stadionmanager versuchen, ihn mittels eines SWAT-Teams zu erreichen, ehe er eine Massenpanik auslösen kann.

 

Man kann sich problemlos vorstellen, dass der Versuch den Heckenschützen vorher zu fassen, natürlich daneben geht und der Ernstfall eintritt. Dementsprechend ausführlich und detailliert sind die Szenen der Massenpanik dargestellt, in denen nicht nur Menschen von den Kugeln des Snipers getroffen, sondern auch von den Massen, die nur nach draußen wollen, niedergetrampelt oder über Geländer in die Tiefe gestürzt werden.

Anhand der vorher vorgestellten Personen werden dabei Einzelschicksale beleuchtet, da nicht jeder von den Männern und Frauen, die eine Vorgeschichte bekommen haben, am Ende auch noch lebt.

Bewusst hat man dabei Figuren geschaffen, die einerseits wenigstens etwas interessant sind, andererseits aber auch nicht deutlich aus der Masse hervorstechen, damit sich die Zuschauer leichter mit ihnen identifizieren können.

Dementsprechend gewichtet ist der Film. Die Katastrophe selbst nimmt gerade einmal ein Viertel der Spielzeit ein. Die Zeit davor wird genutzt, um die einzelnen Hintergrundgeschichten zu erzählen und die Vorbereitungen des Heckenschützen zu zeigen. Spannung wird dadurch erzeugt, dass man darauf wartet, dass er endlich zu schießen beginnt, gleichzeitig aber auch hofft, dass die Polizei rechtzeitig eingreift.

Wer actionverwöhnt ist, muss also sehr lange warten, ehe es damit los geht. Die Massenpanik und die Aktionen, den Heckenschützen zu fassen, sind eher effektarm und nüchtern geschildert, Zynismus und Brutalität prägen die Szenerie. Zurück bleiben erschreckende, fast dokumentarische Bilder und die Frage, warum der Mann, von dem man am Ende nicht mehr als den Namen erfährt, überhaupt in die Menge geschossen hat. Das gibt dem Film noch mehr düsteren Realismus.

Bild und Ton sind leicht aufbereitet, entsprechen aber der Qualität ihrer Zeit. Beim Bonusmaterial ist die Super-8-Fassung noch am interessantesten, die einen geschickten Zusammenschnitt des Filmes zeigt und auf eine längst vergessene Sub-Kultur aufmerksam macht, durch die man sich das große Kino, wenn auch nur in Kurzfassungen, auf den Heimprojektor holen konnte.

 

 

Fazit:

 

„Zwei Minuten Warnung“ ist zwar ein Kind seiner Zeit, aber immer noch erschreckend aktuell und realistisch. Er erinnert durch seine zynische und böse Art daran, dass ein solches Szenario auch heute noch möglich ist – und die Gründe für eine solche Tat dann nur noch nebensächlich sind.

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DVD:

Zwei Minuten Warnung

USA 1976/77

Original: Two-Minute Warnung

Regie: Larry Peerce

Bildformat: 16:9

Sprache: Deutsch, Englisch (DD 2.0),

Untertitel: Deutsch, Englisch

Spieldauer: 111 min

FSK: 16

Extras:

Koch Media, 27. Februar 2009

 

Extras:

 

  • 4-seitiges Booklet
  • Originaltrailer
  • Super-8-Fassung (16 min)
  • Bildergalerie

 

 

ASIN: B001K90M4O

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Charlton Heston

John Cassavetes

Marylin Hassett

David Janssen

Jack Klugman

Walter Pidgeon

Gena Rowlands

Beau Bridges

 


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Erstellt: 18.03.2009, zuletzt aktualisiert: 25.03.2018 19:01