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Zwerg und Überzwerg von Christian von Aster

Reihe: Die große Erzferkelprophezeiung, Band 1

Rezension von Christel Scheja

 

Zu den bekanntesten und beliebtesten Völkern der Fantasy gehören unzweifelhaft die Zwerge. Nicht nur Tolkiens „Herr der Ringe“ hat dafür gesorgt, das Bild der kleinwüchsigen und trinkfesten Raufbolde, die wie kein anderer Metall bearbeiten können wurde auch in den unzähligen Fantasy-Rollenspielen und nicht zuletzt durch die modernen Fantasy-Bücher wie den „Zwerge“-Zyklus von Markus Heitz zementiert.

Um so mehr wurde es Zeit diese Vorstellungen in einer respektlosen Parodie ad absurdum zu führen. Christian von Aster, eher bekannt durch seine eigenwilligen phantastischen Geschichten, hat sich dieser Aufgabe angenommen.

 

„Zwerg und Überzwerg“ ist nur der erste Band des Romanzyklus um „Die große Erzferkelprophezeiung“, die der Zwergenheit nichts gutes verheißt. Bewusst sind sich dessen nur wenige, und die schweigen über das, was sie gehört haben, um ihre Mitzwerge nicht in Angst und Schrecken zu versetzen. Denn noch kann die Ruhe gewahrt werden, und das Leben nimmt seinen seit Jahrhunderten unveränderten Gang.

Dann jedoch erschlägt ein Bartbruder aus Versehen seinen Freund und setzt damit eine Kette von unheilvollen Ereignissen in Gang, die nun auch den unbedarfteren Zwergen die Augen öffnen. Denn schlimmer als die Tatsache, dass ein Zwerg ums Leben kommt, ist, dass sein Helm spurlos verschwindet. Ein wahrer Angehöriger des kleinen Volkes würde den niemals ablegen, wenn er seine Kammer verlässt. Und da Hrrdbork der Jüngere nicht der einzige bleibt, der so endet, beginnt den Verantwortlichen Übles zu schwanen.

Kann es sein, dass die Gerüchte um den „Neuen Stahl“ wahr sind – um die Splittergruppe der Zwergenheit, die nur darauf lauert, die alten und angemoderten Traditionen über Bord zu werfen und eine neue anarchistische Ordnung zu errichten? Kann es sein, dass die Erzfeindin des Volkes, die große Spinne, ihre acht Arme im Spiel hat und eine ähnliche Katastrophe hervor rufen will wie einst der überraschende Tod aller Zwergenfrauen?

Nun bleibt nichts anderes mehr übrig, als mehr Zwerge einzuweihen und mit ihnen nach einer Chance zu suchen, der Prophezeiung und ihren üblen Folgen noch einmal Einhalt zu gebieten.

 

„Zwerg und Überzwerg“ erzählt eine komplexe Geschichte. Die Handlung ist eher geradlinig und leicht zu durchschauen – dafür hat sich der Autor aber sehr viel Zeit genommen, Details auszuarbeiten und damit die typischen Zwergenklischees mit einem Augenzwinkern auf den Kopf zu stellen.

Bei ihm sind die kleinen vierschrötigen Bewohner der Tiefen nicht nur trinkfest, sondern vom Alkohol gerade zu abhängig, sie vertragen es nicht einmal Wasser zu trinken. Sie sind konservative und traditionelle Spießer, selbst der „Neue Stahl“ ist auf seine Art und Weise genau so engstirnig wie der Rest der Zwergenheit, ihr Anarchismus nur eine neue Form von Sturheit.

Vordergründig mag mancher Gag zunächst plump wirken – aber das trifft nur auf wenige der witzigen Szenen zu. Die meisten humorvollen Einlagen funktionieren auch beim zweiten Mal, denn Christian von Aster legt sehr viel Wert auf die Stimmigkeit des Szenarios. Jede noch so kleine Beschreibung passt, die Bezeichnungen sind klug gewählt und nicht selten muss man zwischen den Zeilen lesen. Und das sorgt zusätzlich für eine gelungene Atmosphäre. Dennoch geht er lebevoll mit den cholerischen Trunkenbolden um.

 

Vor allem Zwergenfans dürften sich in dem Roman wieder finden und köstlich über die schrägen Einfälle des Autors amüsieren – denn irgendwie entsprechen sie dem Bild, das man sich von dem kleinen Volk gemacht hat, dann wieder stellen sie es doch gründlich auf den Kopf.

 

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Zwerg und Überzwerg

Reihe: Die große Erzferkelprophezeiung, Band 1

Autor: Christian von Aster

Taschenbuch mit Klappbroschur - 384 Seiten

Lyx, erschienen Mai 2008

ISBN 978-3-8025-8148-9

Titelbild von Ben McSweeney & Jorge Rodrigo

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 03.06.2008, zuletzt aktualisiert: 26.05.2019 21:20