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Das Kind

Autorin: Felidae

 

"Nein, nein und nochmal nein! Du lässt mich bitte in Ruhe!"

"Aber Nola, ich liebe dich doch!"

"Ich will das nicht mehr hören. Ich habe dir nie eine Hoffnung gegeben. Denkst du etwa, ich könnte irgendwelche andere Gefühle zu dir haben außer Ekel? Geh mir aus dem Weg, du wiederliches Tier!"

Nola schubste den Kerl zur Seite und marschierte die Straße entlang, etwas vor sich hin murmelnd.

Lion begleitete sie mit einem hoffnungslosen Blick. Tja, er war schon seit einem Jahr unsterblich in diese wunderschöne junge Jägerin verliebt, aber sie wollte nichts von ihm hören. Weil er ein Werwolf war. Er wollte ihr schon tausend Mal beweisen, dass er niemanden mehr gebissen hatte, seitdem er sie zum ersten Mal sah. Aber Nola hatte sofort eine klare Grenze zwischen ihnen gezogen: sie ist eine Jägerin und er ist ein Geschöpf der Nacht.

Lion wusste, sie geht jetzt in die Taverne und bleibt dort lange. Aber er hat beschlossen sie nicht mehr zu belästigen. Er drehte sich langsam um und ging in Richtung seines Hauses.

 

Nola öffnete die Tür und betrat die Taverne. Kim wartete schon auf sie.

"Hallo, Nola, du bist spät dran! Warum so ein düsteres Gesicht?"

"Hallo. Dieser Werwolf hat mich schon wieder angesprochen. Was will er denn von mir? Sag mir wie meine beste Freundin: gebe ich ihm etwa Hoffnungen?"

"Tja, wenn man liebt, dann hat man immer Hoffnungen."

"Danke für deine Unterstützung!!"

Nola trank etwas von ihrem Bier und fragte nachdenklich:

"Du bist eine Hexe. Sag mir: kann man ihn irgendwie heilen?"

Kim antwortete verdutzt:

"Ich habe noch nie gehört, dass ein Werwolf geheilt wurde. Aber das bedeutet noch nicht, dass es keine Hofnung gibt. Mindestens beisst er niemanden mehr. Also kann er sein Blutverlangen unter Kontrolle halten."

"Oder er hat den Appetit verloren. Egal. Gehen wir endlich?"

"Ja, es wird Zeit."

Zwei Freundinnen verließen die Taverne und gingen in Richtung Wald. Das taten sie fast jeden Tag, wenn sie jagten. Doch heute hatten sie etwas anderes vor. Im Wald wollten sie sich mit zwei anderen Hexen treffen, um die ernste Lage zu besprechen. Der hohe Hexenrat war besorgt wegen der Prophezeiungen. << Das Kind wird geboren, welches das Unheil in das Land bringt. Alle Geschöpfe des Bösen wird es zusammen bringen und sie gegen die Unschuldigen führen.>> Die Vampire wussten von der Prophezeiung, denn immer mehr von ihnen wurden im Wald gesehen. Die Stadtbewohner wurden langsam unruhig.

Als die Freundinnen am Treffpunkt ankamen, erwarteten die anderen Hexen sie bereits.

"Die Göttin sei mit euch!" begrüßten sie einander.

"Was hat der Rat beschlosen?"fragte Kim.

Eine der Hexen erklärte:

"Da wir nicht wissen, wer die Mutter des Kindes ist, sollten wir alle schwangeren Frauen in der Stadt beobachten. Es muss nicht viele davon geben."

"Sollen wir das Kind töten?" erkündigte sich Nola.

"Nein, der Rat will das selbst erledigen. Deine Aufgabe, Nola, ist die Mutter zu finden und sie vor Vampiren zu schützen. Sie werden bestimmt versuchen, sie zu entführen. Danach bringst du das Kind hierher und übergibst es uns."

"Ich habe verstanden." Nola wollte noch etwas fragen, als sie etwas hörte. Jemand schrie auf und eine handvoll dunkler Geschöpfe sprangen auf die kleine Wiese, wo die Frauen standen.

"Vampire!" flüsterte Kim.

Blitzschnell holte Nola einen Pfahl heraus und stürmte auf das erste Geschöpf. Es zerfiel fast sofort zu Staub und das zweite schwarze Wesen war dran. Drei Hexen kämpften gegen drei andere Vampire. Nola arbeitete schnell mit ihrem Pfahl und bald blieben nur Staubhäufchen auf dem Gras. Es waren nur sechs.

"Wir sollten jetzt diesen Ort verlassen, bevor noch welche kommen," schlug eine der Hexen vor. Sie verabschiedeten sich und verschwanden im Wald. Nola und Kim kehrten in die Taverne zurück.

"Wieviele schwangere Frauen gibt es in der Stadt?"

"Also, ich kenne nur vier, aber es sind bestimmt ein paar mehr" sagte Kim nachdenklich. "Doch wie sollen wir die Richtige finden?... Ach, ich habe eine Idee. Da das Kind ein böses Geschöpf ist, werden andere Bösen es spüren können. Also, du brauchst einfach ein Wesen der Nacht, welches dir helfen wird."

"Du denkst doch nicht, ich werde Lion um Hilfe bitten? Ich würde lieber mich selbst erwürgen!"

"Du hast keine Wahl. Wer sonst wird uns helfen, wenn nicht er?"

Nola musterte ihre Freundin lange, bevor sie endlich zugab:

"Stimmt. Aber ich tue es gegen meinen Willen!"

"Du sollst die Welt vor Bösen retten, also vergiss alles andere."

"Ist gut! Ich gehe vielleicht sofort zu ihm und frage."

"Mach das."

Nola verabschiedete sich und verließ die Taverne. Es war nicht weit bis Lions Haus. Die Nacht war schwarz. Der Mond war fast voll und blickte ein wenig gruselig vom Himmel. Nola hielt vor dem Haus an. Nach einer kleiner Zögerung klopfte sie an.

Lion öffnete sofort die Tür. Er stand da, barfuß und ohne Hemd, nur Hosen hatte er an. Sein Gesichtausdruck zeigte, dass er an sein Glück einfach nicht glauben konnte.

"Nola? Bist das wirklich du, oder bin ich total verrückt geworden?"

"Ich bin es wirklich."

Er musterte sie ungläubig.

"Darf ich herein?"

"Oh, natürlich. Mein Haus ist dein Haus!"

Lion lies sie herein und schloss die Tür. Nola war noch nie in diesem Haus. Es war dunkel hier und roch nach Kerzen. Sie fühlte sich unsicher und verwirrt: soeben hat sie ihm gesagt, sie wolle nichts von ihm hören und jetzt braucht sie seine Hilfe.

Lion begleitete sie ins Wohnzimmer. Ohne ein Wort zu sagen musterte er die junge Frau.

"Ähm... Lion, ich brauche deine Hilfe."

"Wie? Meine Hilfe? DU?" er kehrte aus seinen Träumen zurück und sah sie erstaunt an. "Worum geht es denn?"

Nola erzählte ihm die Geschichte und erklärte, welche Art von Hilfe sie von ihm erwartete.

Lion ging nachdenklich zum Fenster und sah hinaus.

"Ich soll dir also helfen?"

"Wenn du Nein sagst, kann ich das verstehen. Also dann..." Nola drehte sich zum Ausgang um.

"Nein, nein, warte doch!" Er holte sie ein und nahm ihre Hand. "ich werde dir helfen"

"Wirklich? Danke. Dann können wir gleich anfangen. Nur... zieh dir etwas anständigeres an!"

"Ähm, na klar. Warte, ich bin gleich zurück."

Lion ging in ein anderes Zimmer und kehrte wieder zurück komplett in schwarzes Leder bekleidet.

"Gehen wir?"

"Und wie machst du das eigentlich?"

"Was denn?"

"Na, deines Gleichen aufspüren?"

"Ach das! Ich muss mich auf die Aura des Menschen konzentrieren. Das ist nicht sehr einfach."

Sie gingen die Straße entlang zu dem Haus, wo die erste schwangere Frau wohnte von den vier, die Kim nannte. Nola spürte, dass Lion sie mit strahlenden Augen anschaute und fühlte sich deswegen immer mehr verlegen.

"Da sind wir. Du kannst anfangen." schlug sie vor. Lion legte seine Hand auf die Eingangstür und schloss die Augen. Nola überprüfte inzwischen ihre Ausrüstung: Wurfsterne, zwei Dolche, kleine Axt, ein langes Schwert und ein Pfahl. Dann sah sie sich auf der Straße um: der Mond schien sehr hell, doch die vielen kleinen Gassen waren sehr unübersichtlich. Aber was könnte einer Jägerin in ihrer Heimatstadt gefährlich sein?

Nach einiger Zeit öffnete Lion die Augen und verkündigte:

"In diesem Haus wohnen nur unschuldige Menschen. Es gibt hier keine schwarze Seelen."

Auf dieselbe Weise überprüften sie drei andere Häuser.

"Nichts. Heute haben wir Pech gehabt. Morgen werde ich nach anderen schwangeren Frauen suchen. Wenn ich welche finde, komme ich zu dir und wir versuchen es nochmal."

"Du kannst auch so jeder Zeit kommen. Ich kann dich nach Hause begleiten. Es ist sehr spät..."

"Nein, Lion, nicht nötig. Ich komme schon klar."

"Wirklich? Na gut, du bist schließlich eine Jägerin. Also dann, bis Morgen, Nola." Er wollte schon gehen.

"Lion?"

"Ja?"

"Danke."

"Ach, keine Ursache. Das tue ich doch gerne!"

Nola ging in Richtung ihres Hauses und dachte nach. Sie fragte sich, ob ihre Suche Erfolg haben wird. Was, wenn nicht? Dann wird das Land vom Bösen überflutet und sie wird die Schuld tragen, weil sie ihre Aufgabe nicht ausführen konnte. Sie konnte aber nicht ahnen, dass ihre ganze Suche aus der Ferne von drei Schatten beobachtet wurde.

Am nächsten Tag erkundigten sich Nola und Kim über weitere schwangere Frauen. Am Abend trafen sie sich wieder in der Taverne.

"Wie sieht es aus? War dein gestriger Spaziergang mit dem Werwolf sehr gefährlich? Hat er dich gebissen?"

"Na ja, er hat uns sehr geholfen."

"Hier hast du die Adressen von noch sieben Frauen. Viel Glück heute!"

"Danke. Ich gehe dann jetzt."

Lion erwartete sie bereits. Sie gingen nebeneinander durch die Stadt.

"Nola, kann ich dich etwas fragen?"

"Was denn?"

"Nun ja, ob ich überhaupt eine Chance bei dir haben kann... Irgendwie, irgendwann..."

"Lion, lass das, bitte. Wir erledigen eine lebenswichtige Aufgabe. Lass uns später darüber reden."

Beflügelt von einer Hoffnung schwebte Lion neben seiner Traumfrau.

Sie haben bereits fünf Häuser überprüft. Das sechste Haus stand fast am Stadtrand. Schon nach ein Paar Minuten sagte Lion:

"Das ist es! Ich spüre eine dunkle Aura. Doch es ist nicht die Aura des Kindes, sondern die seines Vaters. Das noch ungeborene Kind hat noch eine neutrale Aura, aber nach der Geburt wird sich das bald ändern. Ich weiß, wie es ist."

"Bist du sicher, dass es DAS Kind ist, das wir suchen? Was ist, wenn du Dich irrst?"

"Ich irre mich nicht. Ist kann es eindeutig fühlen!"

Plötzlich erschien in einem Fenster ein Lampenlicht. Leise Stimmen sprachen aufgeregt. Dann hörten Nola und Lion sehr viele Schritte und Knallen von Türen.

"Es ist soweit, das Kind kommt auf die Welt. Wir haben keine Zeit mehr."

Die Tür ging plötzlich auf und ein Mann erschien aus dem Haus. Überrascht blieb er stehen, als er die beiden Nachtbesucher sah.

"Wer seid Ihr und was wollt ihr vor meinem Haus? Meine Frau bekommt ein Kind, ich soll einen Arzt holen, also verschwinden sie!"

Nola bekam aus dem Augenwinkel eine Bewegung auf der Straße mit. Als sie hinsah, entdeckte sie mehrere schwarze Schatten, die sich zum Haus bewegten.

"Sie kommen!"

Sie schubste den Mann wieder ins Haus und betrat selbst den Flur.

"Schnell, wir müssen alle Türen und Fenster verriegeln! Sie kommen um das Kind zu holen!"

"Worüber sprechen sie?"

"Schnell!"

Lion lief durch das Haus und schloss alle Fenster, Nola verriegelte die Tür. Der Hausbesizer geriet fast in Panik:

"Was wollt ihr? Nehmt alles, aber lasst meine Frau in Ruhe! Hören sie?"

"Wir wollen ihre Frau nur beschützen. Da draußen sind Männer, die Ihr Kind nehmen wollen. Ich werde das vehindern!"

Ungläubig sah der Mann Nola an, als er von draußen viele Stimmen hörte. Dann begannen die Vampire das Haus zu stürmen. Alle Wände zitterten, die Frau in Schlafzimmer schrie. Lion flüsterte Nola ins Ohr:

"Dieser Mann ist selbst ein Vampir, pass auf ihn auf!"

"Ist gut."

Der Mann ging nach oben zu seiner Frau, Nola folgte ihm. Eine junge Frau lag auf dem Bett. Nola begriff, dass das Kind in wenigen Minuten geboren wird.

"Hören Sie, die Tür wird nicht lange aushalten. Ich werde Ihrer Frau helfen, Ihr müsst nur die Männer dort unten etwas länger aufhalten!"

"Ich weiß nicht, was hier vor sich geht, aber mir bleibt nichts mehr übrig!"

Der Hausbesitzer versuchte die Haustür mit Möbeln zu barrikadieren. Es gelang ihm soweit.

Nola wollte der Frau helfen, aber diese flüsterte zu ihr:

"Ich werde das hier nicht überleben. Sie wollen mein Kind, lasst das nicht zu! Ich flehe Sie an, rettet mein Kind! Bitte!"

"Ich kann das nicht..."

"Bitte! Versprechen sie es mir! Ich werde bald sterben..."

Nola drehte sich zu Lion um:

"Sag mal, hast du nicht gesagt, das Kind hat noch eine neutrale Aura? Kann man es vielleicht retten?"

"Na ja, man könnte es versuchen, wenn man das Kind fern von allen Bösen hält."

"Es gibt also doch eine Hoffnung für dieses Kind?"

"Es ist soweit!" schrie die Frau "Versprechen sie es"

"Gut, ich verspreche es!" Nola sah zu, wie das Kind auf die Welt kam. Alles ging schnell, etwas zu schnell sogar. Die Frau stöhnte zum letzten Mall und starb. Nola nahm das schreiende Kind.

"Lion, wir müssen fliehen. Ich kann nicht zulassen, dass dieses unschuldige Kind getötet wird. Willst du mir helfen?"

"Klar, auf mich kannst du immer zählen!"

Die Schläge in die Haustür wurden immer lauter, alle Wände zitterten.

"Der Hinterausgang! Komm schnell!"

Sie liefen die Treppe herunter in die Küche. Durch eine Nebentür gelangen sie auf dem Hinterhof. Dort standen vier Pferde im Stahl. Sie nahmen zwei davon und ritten in die Nacht. Hinter sich hörten sie, dass die Tür aufgeschlagen wurde, ein Schrei des Mannes...

Sie ritten immer weiter. Nola überlegte laut: "Ich werde das Kind grossziehen. Das bedeutet eine ständige Flucht, aber ich kann nicht zulassen, dass dieses noch unschuldige Kind getötet wird."

"Nola, ich komme mit dir."

 

Sie ritten immer weiter in die Nacht...

 

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sofia
Donnerstag, 09. August 2007 14:12 Uhr
hey. das is ne voll coole geschichte. !!!
respect

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Die Charaktere dieser Geschichte, sowie alle Handlungen sind geistiges Eigentum des Autors. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen, Orten oder Handlungen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Der Autor verfolgt kein kommerzielles Interesse an der Veröffentlichung dieser Geschichte.

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Erstellt: 25.07.2005, zuletzt aktualisiert: 27.09.2016 09:58