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Alien Earth - Phase 1 von Frank Borsch

Rezension von Peter Sperling

 

Verlagsinfo:

14. März 2058: Astronauten entdecken ein Objekt auf Höhe der Pluto-Bahn. 20. Juni 2058: Das Objekt passiert den Mars. Es ist ein Raumschiff. 3. August 2058: Das Raumschiff erreicht die Erde. Es bezieht Position über dem Pazifik.

 

Rezension:

Was für ein Ausgangspunkt für eine Geschichte! Und endlich mal wieder ein Umschlagbild, das zur Geschichte passt. Zu Beginn der Erzählung sind schon sieben Jahre nach der Ankunft des Raumschiffs vergangen, die Außerirdischen tun immer noch nichts, außer die Botschaft „fürchtet euch nicht“ zu senden.

Die Menschheit hat sich nach einer Phase der Kontaktversuche darauf eingestellt und unter anderem mit der Bildung einer Kampfgruppe namens „Alien-Hunter“ reagiert. Sie jagt Menschen, die von den Aliens „besessen“ sind. Diese Truppe steht im Mittelpunkt einer der drei Parallelhandlungen aus denen der Roman besteht. Eine andere beschäftigt sich mit einer Gruppe von „Flyboys“, die nach „Artefakten“ suchen, die ständig von den Aliens in den Pazifik geworfen werden, die dritte erzählt von den Erlebnissen des „Überschussmenschen“ Wieselflink. Die drei Handlungsstränge wechseln sich nervtötend regelmäßig an einem Punkt ab, an dem man sich gerade in die Geschichte hineingedacht hat und ein wenig Spannung entsteht. Am Ende des Buches ist aber irgendwie nicht so richtig klar, um was es jetzt gegangen ist. Es wird der erste Gedanke, der beim Lesen des Titels aufkam bestätigt: Wo es eine Phase 1 gibt, wird es wohl mindestens auch eine Phase 2 oder 3 geben. Und so wirkt die Handlung an einem beliebigen Punkt, etwa an einem, zu dem ca. 500 Seiten beschrieben sind, einfach unterbrochen, Fortsetzung folgt.Die Situation eines Raumschiffes über dem Pazifik, das sich jahrelang kein Stück rührt, birgt viel Potential für unzählige Hypothesen und eine spannende Entwicklung. Die Überlegungen über das Verhalten der Menschheit in Anbetracht der Situation verlieren aber Ernst, nachdem klarer wird um was es in etwa geht: Die Aliens sollen in einem esoterisch-spirituellen Prozess der Seelenübertragung in die Körper von Menschen schlüpfen (Götter tauchen vorerst aber keine auf).

Jedem Kapitel stellt Frank Borsch eine Seite aus den „AlienNet“ voran. Die Texte haben erstmal nichts mit dem Roman zu tun, aber aus ihnen kann der Leser viel Information über Hintergründe des Geschehens und die Erzählhaltung gewinnen. Meist sehr stilvoll sind auch die Anspielungen auf aktuelles Geschehen: Es gibt es einen Staat Namens USAA (United States of America and Arabia!), die im Laufe der Geschichte von St. Petersburg über Petrograd, Leningrad und wieder St. Petersburg umbenannte Stadt heißt im Roman jetzt „Putingrad“ und viele andere auf Süddeutschland bezogene Feinheiten (die Karlsruher Brunnengasse scheint wohl auf alle Ewigkeit ein einziges Bordell zu bleiben) lassen den Leser, der sich auf den ironischen Ton einstellen muss, schmunzeln.

Wer Science-Fiction als Weiterdenken aus der aktuellen Situation mag, ist hier richtig. Wer mit der Ironie dabei nicht zurechtkommt, hat es mit „Alien Earth“ aber schwer. Teilweise wird die Ironie auch zum zynischen politischen Kommentar, etwa wenn Borsch in seinem Buch die Entwicklung der Arbeitslosen von heutigen Hartz-IV-Empfängern hin zu „Überschussmenschen“ ohne alle Rechte im Jahre 2065 weiterdenkt.

 

Fazit:

Bombastische Idee, aber zeitweise etwas langatmig und richtig los geht’s wohl erst im nächsten Teil.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Alien Earth - Phase 1

Autor: Frank Borsch

Taschenbuch, 493 Seiten

Heyne, Januar 2007

 

 

ISBN-10: 3453522303

ISBN-13: 978-3453522305

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 14.02.2007, zuletzt aktualisiert: 10.01.2019 15:22