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Angelus von Danielle Trussoni

Rezension von Carina Schöning

 

„Angelus“ ist der Debütroman der amerikanischen Autorin Danielle Trussoni und erzählt von dem ewigen Krieg zwischen den Menschen und den Nephilim, den Nachkommen der gefallenen Engel Gottes.

 

Die junge Nonne Evangeline wächst im Kloster der heiligen Rosa in New York, USA auf und kümmert sich seit ihrer Ordination aufopferungsvoll um die umfangreiche Bibliothek des Klosters, das vor allem durch die vielen Bilder und Statuen zahlreicher Engel berühmt geworden ist. Ihre Mutter Angela ist früh verstorben und ihre Großmutter Gabriella hat das damals junge Mädchen schließlich von Europa nach Amerika gebracht und sie dem Kloster übergeben. Trotz den vielen Vorurteilen und Klischees mag Evangeline das ruhige und überschaubare Leben im Kloster. Neben der Bibliothek kümmert sie sich auch um die Beantwortung der täglichen Post. Eines Tages bekommt sie ein seltsames Schreiben von einem Kunsthistoriker namens Verlaine, der für seinen unbekannten Auftraggeber Hinweise auf die Korrespondenz zwischen Mutter Innocenta, der damaligen Äbtissin des Klosters und Abigail Aldrich Rockefeller sucht. Er hat nur ein Schreiben von Madame Rockefeller vorliegen, aber der Text bezieht sich eindeutig auf andere Briefe zwischen den beiden Frauen. Evangelines Neugier ist schnell geweckt und die junge Nonne hilft dem forschen Gelehrten bei seiner Recherche. In der Bibliothek des Klosters stöbert sie die anderen Briefe auf und stößt dabei auf einige Ungereimtheiten und offenen Fragen. Ihre eifrigen Nachforschungen bleiben aber auch unter den Nonnen nicht unbemerkt und die ältere Schwester Celestine lässt schließlich die junge Evangeline zu sich rufen und erzählt ihr die Wahrheit über die Korrespondenz der Frauen und ihre frühere Studienkollegin und Freundin Gabriella, ausgerechnet Evangelines Großmutter.

Währenddessen verfolgt Verlaines geheimnisvoller Auftraggeber Percival Grigori eigene Interessen. Er ist ein Nephilim, ein geflügelter Nachkomme der gefallenen Engel Gottes und sucht mit Hilfe des chaotischen Kunsthistorikers ein seltenes Artefakt, die sagenumwobene Leier des Orpheus. Schon seit längerer Zeit quält ihn eine seltene Krankheit, die seine ehemals stolzen Schwingen förmlich zerfrisst und seinen Körper immer mehr schwächt. Nur die Leier verspricht eine Chance auf Heilung, doch durch einige unglückliche Verwirrungen im Zweiten Weltkrieg und den Verrat seiner früheren Geliebten Gabriella ist das kostbare Artefakt verloren gegangen.

 

„Angelus“ ist eine abwechslungsreiche Mischung aus Kirchenthriller und Mysteryroman mit einer guten Portion Verschwörungen a la Dan Brown. Wer nun nach der großen Vampirwelle erotische Abwechslung zu den Blutsaugern sucht, ist mit diesem Roman falsch beraten, denn Liebe und Romantik tauchen nur ganz schwach am Rande auf. Stattdessen präsentiert die amerikanische Autorin in ihrem Debüt eine spannende Hatz nach der begehrten Leier, die zugleich sehr gut und ausführlich recherchiert ist. Im Hinblick auf die Nephilim werden verschiedenen Quellen genannt und zitiert wie das Alte Testament der Bibel, John Miltons „Das verlorene Paradies“ oder auch Dante Alighieris „Die göttliche Komödie“. Verschiedene Handlungs- und Zeitebenen erzählen ausführlich von dem scheinbar ewigen Krieg zwischen den studierten Angelogen und den Nephilim und ausgerechnet die junge Nonne Evangeline gerät durch ihre Vergangenheit zwischen den Fronten. Sowohl ihre Mutter als auch ihre Großmutter waren bei der Gruppe der Angelogen und haben nicht nur das Wesen der Engel studiert, sondern auch aktiv gegen sie gekämpft. Die geheimnisvolle Leier haben sie nach dem Fund versteckt und auch das Kloster der heiligen Rosa ist in der Sache involviert. Die Handlung ist weit verzweigt und fordert von dem Leser einiges an Aufmerksamkeit und Ausdauer. Die vielen Details und Informationen zu den Engeln und ihre Hierarchie sind nicht ohne. Die Fülle hat allerdings auch ihren Preis, denn gerade im Mittelteil haben sich einige Längen eingeschlichen und die zum Teil recht anspruchsvolle und komplexe Sprache wird auch nicht gerade jedem Leser gefallen. Das Durchhalten lohnt sich jedoch, denn der Roman ist nicht nur gut recherchiert, sondern auch spannend gestaltet. Größter Kritikpunkt ist jedoch das schwache Ende, was einfach zu abrupt kommt und nicht besonders zum Rest des Textes passen will. Eine Fortsetzung wäre theoretisch auch möglich.

 

Insgesamt ist „Angelus“ eine spannende Mischung aus Kirchenthriller und Mysteryroman, die mit guten Figuren und ausführlichem Hintergrundwissen glänzt. Wer ein Faible für christliche Symbolik und Engel hat, kann ruhig zu dem umfangreichen Roman greifen.

 

 

 

 

 

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Buch:

Angelus

Autorin: Danielle Trussoni

Original: Angelology, 2010

Übersetzer: Rainer Schmidt

Droemer Verlag, 22. Februar 2010

gebunden, 646 Seiten

 

ISBN-10: 3426198789

ISBN-13: 978-3426198780

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 28.03.2010, zuletzt aktualisiert: 14.09.2018 13:51