Artemis Fowl 1-3 (Autor: Eoin Colfer)
 
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Artemis Fowl 1 - 3 von Eoin Colfer

Rezension von Christel Scheja

 

Eine ganze Weile wurde Eoin Colfer während der „Harry Potter“-Hysterie, als Autor gehandelt, der sich an den Erfolg von J. K. Rowling angehängt hätte. Allerdings entwickelte sein Artemis Fowl schon sehr früh ein Eigenleben. Anders als der junge Hogwarts-Zauberer besitzt der irische Millionenerbe keine magischen Kräfte, sondern nur einen überlegenen Intellekt. Er ist auch nicht in ein seit Jahren vorherbestimmtes Schicksal eingebunden, sondern handelt aus eigenem Interesse.

Trotzdem konnte er auch von dem Boom profitieren, da die Artemis-Fowl-Serie in 34 Ländern erschienen ist und 2001 mit dem wichtigsten Kinder- und Jugendbuchpreis Englands, 2004 mit dem Deutschen Bücherpreis in der Sparte Kinder- und Jugendbuch ausgezeichnet wurde. Seit einigen Jahren sind auch die ersten drei Bücher des bisher fünfbändigen Zyklus in einem ansprechend gestalteten Schuber für ca. 20 EUR erhältlich.

 

In „Artemis Fowl“ muss sich der zwölfjährige Spross einer alten irischen Gangsterdynastie plötzlich alleine durchschlagen. Nicht, dass das ziemlich neu für ihn wäre, da seine Eltern, bisher nur wenig Zeit für ihn hatten, aber jetzt sind sie auch physisch nicht mehr greifbar. Sein Vater ist in Russland verschollen und seine Mutter durch die Ungewissheit und Verzweiflung so geistig umnachtet, dass sie ihn nicht mehr erkennt. Zusammen mit seinem Leibwächter Butler versucht der Junge nun das Imperium zu halten und nicht an die schon hungrig wartenden Haie fallen zu lassen. Dabei hilft ihm vor allem eine Entdeckung – dass er Macht und Einfluss auf die wirklich existierenden Feenwesen der grünen Insel nehmen kann. Allerdings muss er schon bald feststellen, dass der Umgang mit Elfen, Kobolden und Trollen auch sehr gefährlich werden kann und die ZUP (Zentrale-Untergrund-Polizei) jede Einflussnahme von Menschen unbarmherzig verfolgt.

In „Die Verschwörung“ haben sich Artemis und Holly Black, sowie Commander Root zumindest so weit zusammengerauft, dass sie gemeinsam nach Murmansk reisen, um Artemis’ Vater zu retten, nachdem sie schon für die Heilung seiner Mutter gesorgt hatten. Der wagt nun, nachdem er heraus gefunden hat, dass sein Vater noch lebt unerschrocken den Schlagabtausch mit der russischen Mafia und dem Schulpsychologen, der heraus zu finden sucht, was der Junge eigentlich in den Zeiten seiner Abwesenheit treibt. Dabei erledigen die Abgesandten des Erdvolks auch einen eigenen Auftrag.

In „Der Geheimcode“ will Artemis einen letzten Coup wagen, bevor seine Eltern wieder im Vollbesitz ihrer geistigen und seelischen Kräfte sind und ihn einschränken werden. Doch dabei geht einiges schief. Es bringt nicht nur ihn, sondern auch Butler und die unterirdischen in Gefahr. Nun lernt Artemis, dass es viel kostbarere Schätze als Gold und Juwelen gibt, nämlich Achtung, Respekt und Freundschaft...

 

Artemis Fowl wird immer als böser großer Bruder von „Harry Potter“ dargestellt, doch das ist er eigentlich gar nicht. Zwar erweist er sich immer wieder als großer Trickser und hochintelligenter Betrüger, zu Schaden kommen eigentlich immer nur diejenigen, die wirklich Dreck am Stecken haben. Und bei aller Eigensüchtigkeit hat er auch Gutes im Sinn – nämlich seine Eltern zurück zu gewinnen und noch für einige Jahre ein relativ intaktes Familienleben genießen zu könnten.

Im Prinzip teilt er das Schicksal vieler Hochintelligenter in Romanen, die ihre Mitmenschen zwar gerne manipulieren, aber dann doch nicht so skrupellos sind, wie sie gerne immer wirken wollen.

Das macht ihn trotz einiger negativer Charakterzüge doch zu einer liebenswerten und sympathischen Identifikationsfigur. Viel witziger als der Charakter des Jungen sind jedoch seine unterirdischen Freunde, die ihm in einer Art Hassliebe zugetan zu sein scheinen, ihn einerseits ausschalten möchten, dann aber auch nicht ohne seine Hilfe auskommen.

Die Feenwesen sind zudem nicht einmal in einem magischen Mittelalter stehen geblieben, sondern mit der Zeit gegangen. Ihre Kommunikations- und Fortbewegungsmethoden wirken sehr futuristisch und könnten fast aus den Arsenalen der Agenten-Thriller stammen. Und ähnlich cool und erfahren wie ein junger James Bond benehmen sich auch die nichtmenschlichen Helden oder versuchen es zumindest.

Dazu kommt der augenzwinkernde Stil des Autoren, der das Lesen sehr leicht macht. Immer wieder lockern heitere Szenen die Geschichte auf, die abwechslungsreiche Handlung selbst weiß durch überraschende Wendungen auch erwachsenen Lesern durchaus zu gefallen.

 

Schräge Ideen, frecher Humor und die nicht zu kurz kommende Action zeichnen Artemis Fowl aus und machen ihn zur lohnenden Lektüre für jeden Genre Fan, der auch offen für neue Interpreationen alter Mythen ist. Die Geschichten lassen sich vor allem Abenteuerromanen wie „Alex Rider“ von Anthony Horowitz inspirieren. Und so kann man die „Artemis Fowl“-Romane auch eher in der Tradition leicht phantastischer Agententhriller sehen und weniger als „Harry Potter“-Klon.

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240418184235792fd018
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Buch:

Artemis Fowl 1-3

Box mit den Romanen: Artemis Fowl/Die Verschwörung/Der Geheimcode

Reihe: Artemis Fowl

Autor: Eoin Colfer

Broschiert - 866 Seiten

Carlsen, erschienen November 2005

Übersetzung aus dem Englischen von Claudia Feldmann

ISBN-10: 3551355711

ISBN-13: 978-3551355713

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 15.09.2008, zuletzt aktualisiert: 27.09.2023 14:46, 7327