Artikel: Elstercon 2010
 
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Woher? Wohin? Elstercon 2010

Redakteur: Ralf Steinberg

 

Das Programm klang spannend, die Bahn sperrte den Leipziger Hauptbahnhof, drum nahm ich meine französische Zitronenrakete und düste in Begleitung von yiyippeeyippeeyay vom Scifi-Net in die sächsische Metropole.

 

Das Haus des Buches ist ein kleiner aber feiner Veranstaltungsort mit kostenfreien Raumhäfen fast vor der Tür. Kaum angekommen, erblickte ich auch schon die ersten Stars: Frank Böhmert suchte die Organisatoren, denn seine Lesung eröffnete den zweiten Con-Tag.


Während sich yiyippeeyippeeyay begeistert den ESA-Vortrag von Detlef Köhler anhöhrte, lauschte ich einer alten Story von Frank Böhmert (vom Moderator als Vertreter der jüngsten Generation vorgestellt, während Frank sich selbst eher als ewiger Geheimtipp sieht).

 

Anschließend last Achim Schnurrer alias Luc Bahl aus seinem Buch Neo-Delphi.com: Der Geruch der Angst und musste mitten in der blutigsten Szene aufhören.

 

SF-Urgestein Alexander Kröger stellte uns dann seine Romane zum Thema HARP vor und betonte, dass er seiner Art zu schreiben treu bliebe, die wie er auf dem Con lernen durfte, Hard-Fiction sei.




Mit Spannung erwartete ich die Lesung mit Thor Kunkel und dem mir unbekannten Lukas Kollmer, yiyippeeyippeeyay ließ sich derweil vom Vortrags-Profi Karlheinz Steinmüller fundiert in die Frühzeit der SF entführen. Ich bedauerte es sehr, nicht auch an dieser Veranstaltung teilnehmen zu können, aber ich musste Prioritäten setzen.


Die Lesung von Kunkel und Kollmer war in so fern hoch interessant, als beide eher zufällig in der Schublade SF aufwachten. Man spürte ihr Erstaunen über das explizite Interesse der SF-Leser. Besonders Kollmer, der sich eher in einer künstlerischen Linie mit Futuristen sieht, und dessen Textbeispiele aus der Novelle Anomia auch stark expressionistisch klangen. Das Buch steht nun auf meiner Einkaufsliste.


Schaumschwester von Kunkel bildet bereits meine aktuelle Lektüre, da ich mir nach diversen Diskussionen, die eher wenig mit dem Text zu tun hatten, selbst eine Meinung bilden wollte. Kunkel ging auf die Feuilletons kurz ein, letztlich beschreibt er eine gesellschaftliche Entwicklung, deren Wurzeln eher als bildlicher Kontext Eingang fanden. Er las auch explizit eine der bemängelten Passagen vor und es wurde jedenfalls mir noch einmal klar, wie weniger Worte es bedarf, um sinnlose Empörung hervorzurufen. Das Buch jedenfalls ist toll und der Autor kein Monster.


Er brachte uns sogar jene Anzeige zur Anschauung mit, die ihn bereits mit 14 auf das Thema stieß.




Der Lese-Marathon nahm kein Ende. Die folgende Veranstaltung wurde als Treffen der Preisträger bezeichnet, es gab einen KLP- und zwei DSF-Preisträger zu bestaunen.

Den Anfang machte Ernst-Eberhard Manski, dessen literarische Laufbahn ich quasi vom Urschleim an miterleben durfte und so albern es auch klingen mag, ich war von Anfang an ein Fan von Edgar Güttge - so sein Künstlername. Er stellte dann auch all jene Anthologien vor, in denen seine witzigen SF-Geschichten erschienen sind.


Karsten Kruschel ist so etwas wie ein Shooting-Star. Die Wende vermasselte ihm eine Schriftstellerlaufbahn just in dem Moment, als er mit SF-Geschichten begann. Erik Simon und dem Wurdak-Verlag ist es zu verdanken, dass nun viele seiner Stories vom Regenplaneten als Episodenroman in zwei Teilen erschien. Vilm schlug ein wie eine Bombe und die demokratisch befragten Hörer wollten aus dem Roman nix mehr hören, so las Karsten in Weltpremiere eine böse Geschichte zum Thema Kommunikation vor.


In die Weiten des Weltalls und der inneren Einsamkeit lud uns dann Matthias Falke ein, dessen Story BOA ESPERANÇA aus der gleichnamigen Sammlung des Story-Centers jedem Leser und auch uns Hörer, den Atem nahm.

Drei würdige Preisträger in aufgeräumter Stimmung – was will man mehr?

 

In der Pause traf ich nicht nur auf Ulrike Jonack und Bernd Hutschenreuther, beides Kollegen aus der Leselupe, mir liefen auch Angela und Karlheiz Steinmüller über den Weg – prompt fiel mir ihr neuestes Buch auf dem Verkaufstisch auf, Band 6 der Werksausgabe des Shayol-Verlages: Computer-Dämmerung - genau heute erschienen. Die beiden Autoren hatten sich noch nicht einmal einen Signierspruch überlegt, was sie zutiefst bedauerten.


Der amerikanische Gaststar Greg Bear erwies sich in der folgenden Gesprächsrunde als sympathischer und sehr selbstbewusster Mitbürger, voller druckreifer Statements. Er gab uns eine Einführung in bearscher Evolutionstheorie und hatte auch eine Menge zum Thema Autoren im Internet zu sagen. Der Übersetzer war etwas zu leise und mein Englisch zu schlecht um alles verstehen zu können, aber die meisten Gags kamen an.

 

Ebenfalls aus den USA kam der nächste Gast. Von Kristine Kathryn Rusch habe ich bisher noch nichts gelesen, nicht einmal ihre Star Wars Bücher, sie kam aber sehr sympathisch rüber. Lustig war ihre Bemerkung zum Verfassen der ersten Voyager-Bücher, die sie nur anhand der Konzepte verfasste, ohne eine Folge oder auch nur die Darsteller vorher gesehen zu haben. Marketing treibt schon seltsame Blüten. Dieses zweite Gespräch in Englisch mit einer diesmal teilweise konfusen Übersetzerin forderte ihren Tribut – eine halbe Stunde fehlt mir.

 

Aber zum Gespräch über die Zukunft der SF war ich wieder wach. Lustigerweise saßen mit Thor Kunkel und Lukas Kollmar zwei Autoren im Podium, die sich gar nicht als SF-Autoren bezeichneten. Torsten Dewi kommt zudem eher aus der Film-Ecke und Greg Bear hat als amerikanischer SF-Autoren mit der Zukunft deutlich weniger Probleme als wir deutschen Leser.

So wackelte das Gespräch auch bald in den üblichen Geleisen. E und U, wo bleibt der Lese-Nachwuchs und dergleichen. Das ganze war zwar amüsant, jedoch richtungslos. Wenn man sich fragt, warum die Leute auf den Cons immer älter werden, immer dieselben Leute kommen und die Jugend fernbleibt, sollte man das Texten für Computerspiele nicht verdammen und auch die Eintrittspreise für den Elstercon überdenken.

 

Während ich die Preisverleihung zum Deutschen Science Fiction Preis ausließ, ging ich zu der vom Kurd Laßwitz Preis. Udo Klotz präsentierte ihn unter Zuhilfenahme vieler Zahlen und Diagramme, um das Procedere transparent zu gestalten. Peinlich wurde es, als er wieder einmal versuchte zu erklären, warum es keinen Preis in der Kategorie Bestes Hörspiel gab. Die Jury bleibt weiterhin bei der Auffassung nur Radio-Produktionen zu berücksichtigen, da die Verlagsproduktionen einfach noch zu schlecht seien. Es gab den Vergleich mit den Effekten von Avatar, die das »Mehr« seien, die in früheren Jahren die Radioproduktionen adelten. Nun ja, in Avatar zählte die Story auch wenig. Seltsam nur, dass in den anderen Kategorien des KLP weitaus weniger Augenmerk auf Experimentierfreudigkeit und Extravaganz lag.

Vielleicht sollte man beim KLP ehrlich sein und die Kategorie abschaffen. Dann können sich die Juroren in ihrer Freizeit ins Gestern zurückziehen.


Guido Latz erhielt den Sonderpreis für Verdienste um die SF, weil er sowohl als Verleger als auch als News-Verteiler unentwegt fleißig produziert. Leider muss er im Brotjob Brötchen backen und konnte deshalb nicht zur Verleihung kommen.


Als einziger Preisträger des KLP leibhaftig anwesend war, wie schon erwähnt, Ernst-Eberhard Manski, der spürbar aufgeregt den Preis für die beste Erzählung entgegennahm.


Somit fand der gut organisierte und abwechslungsreiche Elstercon ein feierwürdiges Ende für mich.

 

Durch mehrere Überziehungen reichte die Zeit dann nicht mehr fürs Buffet und die Rakete flog uns zurück an die Spree.














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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240223101859ba015e5c
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Erstellt: 19.09.2010, zuletzt aktualisiert: 16.10.2023 21:13, 10998