Dellamorte Dellamore (1994)
 
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Dellamorte Dellamore (1994)

Kurzkritik von Oliver Kotowski

 

Francesco Dellamorte (Rupert Everett) telefoniert tropfnass, nur mit einem Handtuch um die Hüften geschlungen mit seinem Freund Franco (Anton Alexander). Da klopft es an die Tür. Dellamorte öffnet, wirft einen Blick auf den Ankömmling und erschießt ihn − es war ein Zombie. Ohne nur im Geringsten aus dem Tritt zu kommen, telefoniert er mit seinem Freund weiter. Dellamorte ist der Friedhofswärter eines ungewöhnlichen Friedhofs: Die Toten kehren nach einigen Tagen zurück. Um eine Rufschädigung der Stadt zu vermeiden, tötet Dellamorte die Wiederkehrer dann noch einmal und verscharrt sie wieder zusammen mit seinen Assistenten Gnaghi (François Hadji-Lazaro). Dumm nur, dass der Bürgermeister die nächtlichen Überstunden nicht bezahlen will. Überhaupt macht es Dellamorte schwer zu schaffen, dass niemand in der Stadt seine Arbeit so recht anerkennen will. Außerdem gibt es Gerüchte, er sei impotent. Als sich Dellamorte in eine schöne junge Witwe (Anna Falchi) verliebt, beginnen die Dinge aus dem Ruder zu laufen: Nach einigen taktlosen Ungeschicklichkeiten wird die Witwe vom morbiden Ambiente des Gebeinhauses überwältigt. Da sie nie Geheimnisse vor ihrem Gatten hatte, will sie es auf dessen Grab machen – in der Erregung vergisst Dellamorte, dass der Gatte noch nicht endgültig begraben wurde.

Michele Soavis Film ist nur bedingt ein Zombiefilm: Es ist in erster Linie die disillusionierende Entwicklungsgeschichte von Francesco Dellamorte. Er ist ein sensibler Loser, der seine Verletzlichkeit hinter einem taktlosen Auftreten verbirgt und aufgrund des allnächtlichen Zombietötens (und einiger Missgeschicke, die tote Nicht-Zombies zur Folge haben) verliert er zusehends Hemmungen Gewalt einzusetzen, die ihn wiederum krankmacht. Diese Entwicklungsgeschichte verblasst jedoch leicht neben der schrillen Inszenierung. Zombies, Doppelgänger, Diebstähle von Morden und dergleichen mehr führen zu einem bizarren Film. Schon Gnaghi, der in seiner Erregung auf die Tochter des Bürgermeisters kotzt, ist grotesk. Als er die wiederkehrende Geliebte enthauptet und eine fröhliche Beziehung zu ihrem zombifizierten Kopf unterhält, beginnen die Groteskheiten jedoch erst. Bizarrheiten, Ekel, Splatter – der Film ist als Farce inszeniert. Dabei können die Ekel- und Splatter-Szenen durchaus wirken. Wenn Dellamorte etwa Sex mit einem Zombie hat oder aus Versehen ein Mädchen erschießt, dann schwankt der Film zwischen Humor und Horror. Die vielen voller Absicht unaufgelösten Widersprüche lassen an David Lynchs Filme wie Lost Highway denken – das Leben, wie Dellamorte und Soavi es erleben, steckt eben voller Widersprüche. Kombiniert mit einigen wirklich ästhetischen Bildern macht es den Film zum Arthouse-Zombiefilm (ehrenhalber).

 

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Film:

Dellamorte Dellamore

Original: Dellamorte Dellamore

Produktion: I/F 1994

Regisseur: Michele Soavi

Spieldauer: 92 min

 

Darstellerauswahl:

Rupert Everett

Anna Falchi

François Hadji-Lazaro

Stefano Masciarelli

Mickey Knox

Fabiana Formica


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Erstellt: 24.10.2010, zuletzt aktualisiert: 19.02.2015 09:33, 11147