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Ich folgte einem Zombie (1943)

Kurzkritik von Oliver Kotowski

 

Die kanadische Krankenschwester Betsy Connell (Frances Dee) nimmt eine gut bezahlte Stelle an – sie soll auf der westindischen Insel St. Sebastian eine Kranke betreuen. Doch schon auf der Fahrt mit dem Segler kommt es zu Seltsamkeiten – als Betsy das glitzernde Meer der Nacht bewundert, weißt ihr neuer Arbeitgeber Paul Holland (Tom Conway) sie daraufhin, das in der Karibik alles Schöne eines grausamen Todes stürbe. Diese ambivalente Stimmung hält sich auf der Insel. Die Natur ist schön, die Bevölkerung besteht mehrheitlich aus hart arbeitenden Schwarzen, die freundlich und höflich, beinahe demütig sind, und wenigen Weißen. Hollands Bruder Wesley Rand (James Ellison) wirkt zunächst auf eine neckende Art freundlich, doch gleitet er leicht ins Bittere ab. Holland selbst ist ein kalter Gentleman, der Betsy ebenfalls zweideutige Signale gibt. Die Kranke ist Hollands Frau Jessica, einst eine Schönheit, doch nach einem schweren Fieber gleicht sie einer lebenden Toten. Bald werden Gerüchte laut, dass sie Wesley liebte, mit ihm durchbrennen wollte und Holland sie deshalb in den Wahnsinn trieb. Betsy verliebt sich in Holland und beschließt, alles daran zu setzen, Jessica zu heilen. Sie hört von der schwarzen Dienerin Alma (Theresa Harris), dass ein Voodoo-Priester Wahnsinn heilen könnte. Soll Betsy es wagen?

Jacques Tourneurs Film passt kaum in die Reihe hinein, denn die meisten erwarten bei einem Zombie-Film verwesende Kadaver, die nach dem Fleisch der Lebenden hungern. Die gibt es hier nicht. Ein Zombie ist hier einfach ein Mensch, dessen Seele und Geist schon tot sind. Bei Halprin ging vom Zombiemeister noch eine diabolische Bedrohung aus und auch die Zombies waren aufgrund ihrer Menge und Unverwüstlichkeit sehr gefährlich. Bei Tourneur gibt es den Zombie Carre-Four, dem Wächter der Kreuzung. Auf den ersten Blick wirkt er überhaupt nicht bedrohlich – ein überaus hagerer, lethargischer Schwarzer. Doch Tourneur lässt dem Zuschauer Zeit und je länger man in das leere Gesicht und die toten Augen schaut, desto unheimlicher wird er. Der Zuschauer begreift: Dieser Zombie gehört nicht in unsere Welt. Er ist für die (weiße) Rationalität nicht fassbar. Dies ist eine der Stärken des Films: Tourneur glaubte, dass es eine zweite Welt des Übernatürlichen gebe und dass der Voodoo-Kult ein ernst zu nehmender Erklärungsansatz sei. Darüber hinaus nutzt er für seinen Grusel-Krimi eine gespenstische Szenerie, bei der vieles offen bleibt.

 

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Eure Meinung:

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Film:

Ich folgte einem Zombie

Original: I Walked with a Zombie

Produktion: USA 1943

Regisseur: Jacques Tourneur

Spieldauer: 65 Minuten

 

DarstellerInnen:

  • James Ellison
  • Frances Dee
  • Tom Conway
  • Edith Barrett
  • James Bell
  • Christine Gordon

Weitere Infos:

Eintrag in der PhilmDB:

Ich folgte einem Zombie


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Erstellt: 23.10.2010, zuletzt aktualisiert: 14.02.2020 13:18