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Auf der Spur des Engels von Herbert W. Franke

Rezension von Ramona Schroller

 

Klappentext:

Im 23. Jahrhundert hat die jahrhundertlange radikale Privatisierung und Globalisierung von Wirtschaft und Politik ihren Tribut gefordert: Die Machthaber sitzen längst nicht mehr in den Parlamenten, sondern in den Aufsichtsräten der börsennotierten Unternehmen. Militär, Justiz, Schulen und Gefängnisse sind privatisiert, Firmen mit der Versorgung der Kranken und den Erziehungsaufgaben betraut. Vierzehn Tage bevor die Staatsoberhäupter der wichtigsten Nationen zusammenkommen, um über einen Antrag abzustimmen, mit dem sämtliche Wirtschaftsunternehmen unter eine gemeinsame Führung gestellt werden sollen, entstehen am Internationalen Gerichtshof Gerüchte: Kriminelle Vereinigungen planten einen Anschlag, der das Abstimmungsergebnis beeinflussen soll. Doch die kriminellen Machthaber lassen sich nicht mehr so ohne weiteres von den Mächtigen dieser Welt unterscheiden. Robin Landt, ein junger Jurist vom Internationalen Gerichtshof, der den Glauben an die im Jahr 2228 festgeschriebenen Menschenrechte noch nicht verloren hat, begibt sich auf die Suche nach seinem spurlos verschwundenen Freund Angelo.

Er ahnt nicht, dass seine Reise ihn direkt in das Zentrum der Macht führen wird: Eine Bohrinsel in einem früheren Eissee ist der geheime Ort, an dem die Mächtigen dieser Welt zusammenkommen sollen, um über die Zukunft der Menschen zu entscheiden.

 

Inhalt:

Robin Landt wollte eigentlich mit seinem alten Bekannten Angelo auf ihr Jubiläum anstoßen. Statt dessen findet er sich plötzlich in einem Verhörraum wieder. Bald findet er heraus, dass Angelo schon seit einem Jahr verschwunden ist. Und er findet heraus, dass selbst der Internationale Gerichtshof, an dem er arbeitet, von einer Bedrohung infiltriert ist.

 

Wo ist Angelo? Was hat er vor? In was für einem Auftrag ist er unterwegs?

 

Robin nimmt die Herausforderung an, als sein Vorgesetzter plötzlich entführt wird. Er ermittelt weiter und sucht seinen alten Klassenkameraden. Und kommt dabei einer ungeheuren Verschwörung auf die Spur. Einer Verschwörung, die die Menschheit ihre Zukunft kosten könnte ...

 

Rezension:

Herbert W. Franke ist beileibe kein Unbekannter. Umso überraschender dann die Aussage, die er mit diesem Buch trifft. Denn ist der Weg, den die Menschheit eingeschlagen hat, wirklich der beste? Ist die Globalisierung wirklich das Non-Plus-Ultra?

 

Franke gibt eine Antwort: Wenn es allein um die Menschen ginge, dann ja. Aber was noch dahintersteckt, das Geld, die Macht, all das weckt die Gier in uns, und somit breitet sich das, was als positive Entwicklung geplant war, als Krebsgeschwür aus und lässt den kleinen Menschen in einen Mahlstrom fallen, aus dem es keinen Ausweg gibt. Denn die Mächtigen kümmern sich nicht um die Laus in ihrem Pelz, ihnen geht es allein um ihre Macht.

 

Umso erfreulicher dann, dass es tatsächlich auch noch Menschen gibt, die an die ideellen Werte glauben, die denken und die handeln. Jeder Mensch hat seinen Preis, heißt es, nur ist dieser Preis bei manchen anders als bei anderen.

 

Franke versucht sich an einem Weg, der zwar im ersten Moment etwas altertümlich anmutet, sich aber als wahrer Glücksgriff erweist: die Mafia. Erst einmal irritierend in einer zukünftigen Welt, in der die Unternehmen das Sagen haben, dann aber durchaus clever gewählt. Auf diese Weise erspart Franke sich langatmige Erklärungen, denn die Mafia kennt jeder (oder glaubt zumindest, sie zu kennen), und jeder hat ein bestimmtes Bild, was er mit diesem Namen verbindet. Keine 100 Seiten Erklärung nötig, statt dessen konzentriert der Autor sich auf seinen Text und lässt ihn auf den Leser wirken.

 

Die Charakterisierung dagegen wirkt auf den ersten Blick nicht ganz so gut durchdacht: Junger, etwas naiver Held gegen den fiesen machtgierigen Finsterling. Der einzige, der zumindest ansatzweise aus dieser Anschauung herausfällt, ist der Ich-Erzähler Angelo, der sich seine dunklen Geheimnisse bewahrt. Zwar wirkt Angelo dennoch wie ein James-Bond-Verschnitt, doch gleichzeitig auch erfrischend anders. Was er tut, tut er, weil es ihm antrainiert wurde, weil es sein Job ist. Er muss nicht in der Gegend herumballern, im Gegenteil, er ist den Geiselnehmern ebenso hilflos ausgeliefert wie der Rest des Hotels.

 

Robin als Held wächst langsam an seiner Aufgabe. Solange es das ist, was er ohnehin jeden Tag tut, solange hat er keine Probleme. Doch muss er seine heiligen Hallen verlassen, wirkt er demotiviert und manchmal ein wenig quengelig. Dazu kommt dann, selbst gegen Ende noch, eine gewisse Spur Naivität, was ihn zwar sympathisch macht, den Leser an der einen oder anderen Stelle doch ein wenig ungläubig die Augenbrauen heben lässt.

 

Alles in allem ein interessantes und empfehlenswertes Buch. Spannend und zum Nachdenken anregend. Genau die richtige Mischung für einen verregneten Sommertag.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Auf der Spur des Engels

Autor: Herbert W. Franke

Taschenbuch, 320 Seiten

Dtv, Juni 2006

 

ISBN: 3423245409

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 28.05.2006, zuletzt aktualisiert: 10.01.2019 15:22