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Auferstehung von Paul S. Kemp

Der Krieg der Spinnenkönigin Band 6

 

Rezension von Ralf Steinberg

 

Inhalt:

Nachdem Lolth ihre göttliche Sphäre, der Abgrund der Dämonennetze, aus dem Abyss abtrennt und zu einer eigen Ebene erhoben hat, steht die nächste Stufe ihrer Wiedergeburt an. Dafür ruft sie ihre Auserwählte zu sich, die Yor’thae. Dieser Ruf durchdringt die infernalischen Ebenen, erschreckt die Feinde Lolths und versetzt ihre Anhängerinnen in Entzücken. Während der Gott Vhaeraun, ein Sohn Lolths, einen mächtigen Nekromanten beauftragt, die drei möglichen Kandidatinnen für die Yor’thae auszuschalten, versuchen diese, ihre sehr unterschiedlichen Interessen durchzusetzen. Der Kampf zwischen Quenthel und Danifae spitzt sich immer weiter zu, jede beansprucht die Yor’thae-Rolle für sich und sieht in der anderen Priesterin eine gefährliche Kontrahentin. Jeggred, der sich auf Danifaes Seite geschlagen hatte und Pharaun, der darauf baut, das Quenthels Seite, die Siegerseite darstellt, stellen in diesem Kampf der Priesterinnen, eine Nebenkonfrontation dar, die sich aber auch immer mehr zuspitzt.

Die dritte Kandidatin scheint Halisstra zu sein, die im Auftrag der Göttin Eilistraee, unterwegs ist, Lolth zu töten, schon bald heftet sie sich mit ihren Begleiterinnen an die Fersen von Quenthels zänkischer Schar.

In Menzoberranzan hingegen bewirkt das Wiedererstarken der klerikalen Macht, dass der Krieg gegen die Grauzwerge und Kaanyr Vhok Armee, beendet ist, zu stark sind die Mächte, über die Loths Priesterinnen nun wieder verfügen können. Einzig Gromph, der Erzmagier von Menzoberranzan, hat noch eine Rechnung offen. Zwar konnte er den Verräter Dyrr besiegen, aber der untote Drow ist erst dann endgültig geschlagen, wenn auch sein Seelengefäß zerstört wird und er sich nicht reinkarnieren kann. Also macht sich Gromph auf, dieses Gefäß zu suchen. Ein erneuter arkaner Schlachtzug beginnt.

 

Rezension:

Endlich geht es ins große Finale des Krieges der Spinnenkönigin. Zwar sind in Band 5 bereits einige Handlungsfäden geschlossen worden, aber die wichtigsten Fragen drängen noch auf eine Klärung, vor allem natürlich, wer die Reise zu Lolth überleben wird, und ob Halisstra es schafft, Lolth zu töten. Sicher ist gerade die letzte Frage eher theoretisch, wenn man bedenkt, dass das AD&D-Universum ohne die Spinnengöttin um einiges ärmer wäre und eine so gravierende Änderung, wenig wahrscheinlich ist, aber dennoch, ist man gespannt, wie der Autor, dieses Problem löst.

Er erledigt sich dieser Aufgabe sehr elegant und vor allem passend. Paul Kemp gelingt ein wunderbar müheloser Abschluss der Serie.

 

Es gibt drei Haupthandlungsebenen.

Zum einen die Gruppe um Quenthel. Die beiden Priesterinnen stehen sich unerbittlich gegenüber, Quenthel wird als etwas zögerliche, aber wieder gefestigtere Drow dargestellt, deren Motiven weitestgehend im Dunklen bleiben. Danifae, die sich nicht nur von ihrer ehemaligen Herrin Halisstra emanzipiert hat, sondern auch zunehmend gegenüber Quenthel Macht demonstriert, hat durch geschickte Manipulation den Baenre Sohn Jeggred auf ihre Seite gezogen. Damit verfügt sie über genügend Unterstützung innerhalb der Gruppe, um sich gegen Quenthel behaupten zu können und sie sogar offen herauszufordern. Da beide sich als Yor’thae sehen, wird die Auseinandersetzung immer härter. Pharaun, der sich gerne alle Möglichkeiten offen lässt, muss sich entscheiden. Dass er sich zu Quenthel stellt, bringt ein labiles Gleichgewicht in die Gruppe. Allerdings ist seine fast traditionelle Feindschaft mit Jeggred das genaue Gegenstück zum kalten Krieg der Frauen. Die Szenen, in den Pharaun Jeggred aufzieht und reizt, stecken voller witziger Dialoge, wirken zum Teil überzogen und etwas zu massiv, jedoch betonen sie die Risikofreudigkeit des Magiers.

Ohne Zweifel ist Pharaun die eigentliche Hauptfigur der Serie und auch Kemp widmet sich ihr mit Hingabe. Dieser Drow-Magier ist derartig gut und detailliert herausgearbeitet worden, dass er ohne Zweifel zu den bedeutendsten Schöpfungen im AD&D Universum zu zählen ist.

 

Der zweite Handlungsschwerpunkt ist Menzoberranzan. Erzmagier Gromph zieht alle Register, um den untoten Drowmagier der Dyrr endgültig zu besiegen. Paul Kemp beschreibt eine Zauberschlacht auf hohem Niveau, ohne aber der Figur oder der Stadt etwas neues hinzuzufügen. Es macht zwar ohne Zweifel Spaß, Gromph bei seinen Zaubereien zu begleiten, und Kemp hat eine menge Ideen, was mit Zauberei alles möglich ist, aber letztendlich sind es reine Action-Kapitel ohne weiteren Anspruch.

 

Am interessantesten aber sollte eigentlich die Handlung um Halisstra sein. Während man noch im Band Fünf der Serie eine gewisse Chance erkennen konnte, dass Halisstra mit der Mondsichelklinge die Spinnengöttin umzubringen vermag, setzt Kemp von Anfang an mit massiven Zweifeln entgegen. Allein schon, dass Halisstra ebenfalls zu den möglichen Kandidatinnen für Lolths Yor’thae zählt, untergräbt den neuen Glauben der Priesterin.

Durch Halisstra kann sich Kemp näher mit dem Wesen der Bösartigkeit der Drow auseinandersetzen. Warum sind sie dem Bösen so verfallen und was ist das überhaupt, jene angeborene Bösartigkeit. Halisstra unterliegt nicht nur ihrem Schicksal, an das Drow nicht glauben, das es dem Chaos widerspricht, das sie aber dennoch berührt als Summe ihrer eigenen Kultur, ihrer Sozialisation und nicht zuletzt dem Willen ihrer Götter, vor allem Lolths, Hallistra scheitert zuletzt auch an den eigenen Zielen. Ihr Feldzug gegen Lolth ist nur vorgeschoben, in Wahrheit begehrt sie gegen etwas ganz anderes auf. Dieser innere Kampf, den schon Drizzt Do’Urden führte, und anders löste, ist jenes Quentchen Unordnung, dem Wesen nach eine Anomalie, die immer wieder auftritt und vielleicht nicht mehr darstellt, als Lolths geheimnisvolle Spielchen. Kemp lässt es die Göttin selbst sagen:

 

»Du willst Begründungen, einen Sinn und einen Zweck. Das ist deine Schwäche. Verstehst du denn noch immer nicht? Das Chaos bietet keine Begründungen, keinen Sinn und keinen Zweck. Chaus ist, was es ist, und das ist genug.«

 

Womit Kemp sich endlich auch der Frage stellt, warum die Drow, als Anhänger des Chaos, in einer streng geordneten Welt leben, voller Regeln und Strukturen. Die Drow sind noch lange nicht da angekommen, wo Lolth sie hinhaben will. Ohne dass sie es selbst recht erkennen, sind sie in ihre Ordnung vernarrt.

 

Feder und Schwert liefert auch mit dem letzten Band des Krieges der Spinnenkönigin eine verlegerisch überzeugende Arbeit ab. Alle sechs Bände glänzen durch düstere, aber phantastische Cover, und einer gelungenen Aufmachung. Weder die Übersetzung von Daniel Schuhmacher und Ralph Sander, noch Lektorat und Korrektorat lassen Raum für Kritik.

 

Fazit:

Der Krieg der Spinnenkönigin ist eine spannende und dunkle Serie innerhalb der Forgotten Realms, mit zum Teil herausragenden Figuren, eine Menge an farbigen Details aus der Unterwelt und jeder Menge Blut, Kampf und Spinnenweben.

Die sprachliche Qualität der einzelnen Autoren ist mit Sicherheit überdurchschnittlich, Meisterwerke der Fantasy sind aber in der Reihe nicht zu finden, dafür sind Handlung und Stil zu sehr dem Mainstream unterworfen. Leichte Kost für Fantasy-Fans mit Freude an verwerflichen Figuren und Schauplätzen.

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Eure Meinung:

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Buch:

Auferstehung

Reihe: Der Krieg der Spinnenkönigin Band 6

Orginal: Resurrection, 2005

Autor: Paul S. Kemp

Übersetzer: Daniel Schumacher und Ralph Sander

Feder & Schwert, 2005

Taschenbuch, 462 Seiten

 

ISBN 3937255559

 

Erhältlich bei: amazon

Zur Serie:

Der Krieg der Spinnenkönigin

Weitere Infos:


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Erstellt: 18.12.2005, zuletzt aktualisiert: 08.11.2019 08:38