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Beutegier von Jack Ketchum

Rezension von Christian Endres

 

„Draußen auf der Wiese hörte er das erste Krächzen einer Krähe.“ Da hat das Unheil aber schon längst seinen Lauf genommen, ist der Tisch schon längst gedeckt und liegen die ersten Arme zum Ausbluten bereits im Waschbecken in der Küche.

 

Urghs. Vorsicht, lieber Leser: Die Kannibalen sind zurück und machen erneut die kleinstädterische Küstengegend von Maine unsicher. Elf Jahre sind seit den Ereignissen in Ketchums erstem Kannibalen-Roman Beutejagd vergangen. Eine neue Generation inzestuöser Wilder steht bereit, um das grausige Festmahl in der landschaftlich reizvollen Idylle fortzusetzen. Möglichst brutal, möglichst blutig, möglichst schockierend, möglichst intensiv – so wie das bei Jack Ketchum eben Tradition hat. Der Mann ist ein verdammt abgebrühter Hund und treibt seine Leser gern über die Grenze von Gut und Böse hinaus. Wie viel kann ein Leser ertragen? Sehr viel, wenn Ketchum der Autor ist und die Knoten macht, die seinen Leser an den Stuhl binden.

 

Dallas Mayr alias Jack Ketchum fackelt in seiner Fortsetzung zu Beutezeit auch nicht lange. Zögern ist ja auch was für Biss-Leser. Der viel gelobte Ketchum braucht genau sieben Taschenbuch-Seiten, um uns alles über den Aufhänger seiner Sequel-Geschichte zu verraten, um uns das erste Mal die literarische Faust in die Magengrube zu hämmern. Elender Teufelskerl.

 

Das Gute an Ketchum ist: Er ist trotz des Genres, das er sich ausgesucht hat, und der blutigen, schonungslos aufbereiteten Themen, die er in seinen Romanen ohne Rücksicht auf die Mägen Jünger behandelt, ein richtig guter Autor. Seine Charaktere funktionieren. Sie Leben, reden wie echte Menschen. Ihr Schicksal interessiert uns. Wenn sie sterben, tut es uns leid. Wenn sie leiden, leiden wir mit. Die Seiten zwischen den Schockeffekten, zwischen dem kannibalischen Gemetzel, sind nicht nur Leerlauf, gefüllt mit hohlen Worthülsen, um das Buch zu füllen – sie machen fast mehr Spaß und Freude für den Leser, als die hemmungslosen Abschnitte der Kannibalenfamilie auf der Jagd. Appetitlicher sind sie ohne Zweifel.

 

Die beiden Kannibalen-Romane sind nach wie vor nicht Ketchums Meisterstücke – die Fortsetzung liest sich jedoch wesentlich besser als der erste Teil (der seinerzeit ja ein großer Erfolg war und Ketchums schriftstellerische Laufbahn ermöglichte).

 

Ein solider Ketchum-Albtraum mit Menschenfleisch und Blut.

 

Eure Meinung:


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Titel: Beutegier

Autor: Jack Ketchum

Taschenbuch, 286 Seiten

Heyne, Mai 2009

ISBN: 3453675622

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 18.06.2009, zuletzt aktualisiert: 05.10.2018 18:46