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Black Box von Joe Hill

Rezension von Christel Scheja

 

Erst wenn sich Autoren in Deutschland durch Romanveröffentlichungen etabliert und eine gewisse Leserschaft gewonnen haben, können sich die Verlage auch dazu überwinden, Kurzgeschichtensammlungen herauszugeben. Denn dann können sie sich eines gewissen Absatzes sicher sein.

So liegt von dem 1972 in Neuengland geborenen Autor schon sein Erstlingswerk „Blind“ vor, in dem er sich als meister düsterer Phantastik erwies.

In „Black Box“ setzt sich dieser Trend fort.

 

Nach einem Vorwort von Christopher Golden wird der Leser in den sechzehn Geschichten der Collection in die dunkle und morbide Welt des Joe Hill eingeführt. Hin und wieder hat man auch das Gefühl, autobiographische oder satirische Züge in den Geschichten zu finden. Denn warum sonst sollte Joe Hill wie in „Best new Horror“ sonst über die Art von Menschen schreiben, die er am besten kennt ? Der Herausgeber eines Horror-Magazines veröffentlicht eine bemerkenswert intensive Geschichte. Und er hat das Gefühl, das „Buttonboop“ mehr als nur Fiktion ist oder gar werden könnte...

Eines Tages erwacht der Junge Francis aus dem Schlaf und stellt fest, dass nichts mehr so ist wie früher, denn er hat sich verwandelt. Zunächst ist ihm alles fremd und macht schreckliche Angst, doch dann beginnt er die Macht und Kraft, über die er jetzt gebietet zu genießen und „Der Gesang der Heuschrecken“ ist für ihn der Abgesang auf den Menschen in sich.

Es gehört für Jungs dazu in einem bestimmten Alter Superhelden zu spielen, doch was ist, wenn der ältere Bruder nichts mehr mit dem Kinderkram zu tun haben will, der jüngere sich aber um so mehr daran klammert, vor allem als er glaubt, das ihm „Das Cape“ besondere Kräfte verleiht. Nach einem schweren Unfall wird es ihm genommen - erst als Erwachsener kommt er wieder in dessen Besitz und beschließt etwas ganz anderes aus der Macht zu schöpfen als Heldentum.

Auch in der Kürze beweist Joe Hill sein Geschick. „Totholz“ ist nicht einmal zwei Seiten lang und weiß doch durch seine klaren und kräftigen Bilder überzeugen, die man unbesehen glaubt.

Das sind nur einige der zum Teil preisgekrönten Novellen und Geschichten von Joe Hill, in denen es auch noch um eine Frau geht, die sich nicht von ihrem heißgeliebten Kino trennen will, koste es was es wollen, von dem aufblasbaren Jungen, der trotzdem von allen herum geschubst wird oder von Nolan Lerner, dessen schizophrener Bruder ganz besondere Pappburgen baute, deren Geheimnis sich dem jungen Mann erst viel zu spät erschließen.

 

Die meisten Erzählungen lassen den Horror subtil einflie0en, auch wenn Joe Hill auf der anderen Seite nicht beschreibt was Sache ist und schon einmal deutlicher in seinen Schilderungen von durchbohrten Körpern wird. Der Splatter verkommt hier allerdings nicht zum Selbstzweck sondern ist ein wichtiger Teil der Handlung.

Den meisten Geschichten ist gemein, dass ihre Protagonisten ganz normale Menschen sind oder zu sein scheinen. Sie haben Allerweltsgesichter, die ihr Dasein in einer eher tristen und nüchternen Umgebung verbringen.

Nach und nach verändert sich dieser Blickwinkel und ehe man sich versieht ist man wie sie in einer neuen Welt gefangen, die es in sich hat. Dabei konzentriert sich der Autor vor allem auf die Menschen, übernatürliche Wesen spielen eher eine untergeordnete Rolle.

 

Was heraus kommt sind spannende und böse Geschichten, die einem mehr als einmal einen kalten Schauer über den Rücken rinnen lassen. Ohne all zu viele phantastische Elemente auffahren zu müssen, verströmen sie eine unheimliche Aura, die vor allem von dem lebt, was nicht ausgesprochen wird. Das macht Joe Hill zu einem der interessanten Autoren unserer heutigen Zeit.

 

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Black Box

Autor: Joe Hill

Klappbroschur, 510 Seiten

Heyne, erschienen November 2007

ISBN: 978-3-453-81164-5

Übersetzung aus dem Amerikanischen von Hannes Riffel und Wolfgang Müller

Titelbildgestaltung von Nele Schütz Design

Erhältlich bei: Amazon

 

weitere Infos:


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Erstellt: 11.01.2008, zuletzt aktualisiert: 05.10.2018 18:46