Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Blind von Joe Hill

Rezension von Heike Rau

 

Judas Coyne hat schon so einige makabere Dinge in seiner Sammlung. Als der Rockstar von seinem Assistenten Danny Wooten erfährt, dass im Internet ein Geist versteigert wird, ist er natürlich auch dafür zu haben, auch wenn er die Sache für einen Scherz hält. Schließlich will jemanden den Geist seines verstorbenen Stiefvater loswerden, der im Haus herumspukt. Jude bekommt für eintausend Dollar einen Sonntagsanzug zugeschickt, der angeblich mit dem Geist verbunden ist. Was er nun damit anfangen soll, weiß Jude nicht so recht. Der Anzug löst Abscheu bei ihm und seiner Freundin Georgia aus. Selbst die Hunde scheinen etwas gegen das Kleidungsstück zu haben, was sie deutlich in ihrem Verhalten zeigen. Georgia, die es wagt, den Anzug näher anzusehen, verletzt sich, vermutlich an einer Nadel, die allerdings nicht aufzufinden ist. Das Kleidungsstück wird erst einmal im Schlafzimmer im Wandschrank verstaut.

 

Nachts wird Jude von Geräuschen aufgeweckt. Als er sich umsieht, stößt er im Flur vor dem Schlafzimmer auf einem Stuhl sitzenden alten Mann in jenem ersteigerten Anzug. Er weiß, was das zu bedeuten hat, und versucht ihn zu ignorieren. Danny kann kaum glauben, als Jude ihm von der nächtlichen Erscheinung erzählt. Er arrangiert ein Telefongespräch zwischen Jude und Jessica Price, die den Anzug verkauft hat. Sie ist keine Unbekannte. Jude erkennt, dass die Sache von Anfang an geplant war. Er würde den Geist nicht wieder loswerden. Jessica Price prophezeit Jude, dass er sterben wird. Der Geist ist der Stiefvater von Jessica und ihrer Schwester, einer ehemaligen Freundin von Jude, die er nach der Trennung wieder nach Hause geschickt hat und die daraufhin Selbstmord begangen hat.

 

Das ist wahrer Horror. Die Geschichte macht doch tatsächlich ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Was zunächst noch erträglich ist, spitzt sich sehr schnell zu einem wahren Psychodrama zu. Nichts an der Geschichte ist normal. Die beiden Hauptfiguren Jude und Georgia werden in eine Sache hineingezogen, die jenseits von Gut und Böse ist und sich immer dramatischer wird. Die Geschichte nimmt immer wieder so ungeheuerliche Wendungen, dass einem fast das Herz stehen bleibt. Einzig die ausschweifenden Rückblicke in Judes Vergangenheit langweilen, weil sie nur teilweise wichtig für den Verlauf der Geschichte sind.

Der Geist verfügt über interessante Fähigkeiten. Er hypnotisiert seine Opfer, dringt in ihre Gehirn ein und unterwirft sie seinem Willen. Dass Jude und Georgia überhaupt so lange durchhalten, ist einzig den Hunden zu verdanken, die für Abstand zwischen ihnen und dem Geist sorgen können.

Die Situation wird dennoch immer brenzliger. Jude und Georgia ziehen sich fürchterliche, todbringende Verletzungen zu, die vom Autor zum Grauen des Lesers sehr genau und besonders gut vorstellbar beschrieben werden und die kein Arzt heilen kann, die aber ihre Flucht vor dem Geist noch schwieriger machen. Wobei eine Flucht in dem Sinne ohnehin nicht möglich ist, weil der Geist ihnen immer ein Schritt voraus ist.

Der Autor hat eine Vielzahl von äußerst makaberen und sehr bildgewaltigen Szenen in sein Buch eingebaut. Es wird eklig, blutrünstig und beklemmend, aber eben auch irre spannend. Man wird von den Geschehnissen in den Bann gezogen wie Jude und Georgia von dem Geist.

 

Zum Seitenanfang

Eure Meinung:


Keine Einträge
Keine alten Kommentare vorhanden.

Zum Seitenanfang

Platzhalter

Blind

Autor: Joe Hill

Gebundene Ausgabe: 432 Seiten

Verlag: Heyne (Februar 2007)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3453265467

ISBN-13: 978-3453265462

Erhältlich bei: Amazon

 

weitere Infos:


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 12.03.2007, zuletzt aktualisiert: 05.10.2018 18:46