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Blutrausch von Charlie Huston

Reihe: Joe Pitt, Bd. 2

Rezension von Christel Scheja

 

Vampire haben Hochkonjunktur. Doch nicht nur die Liebesromanautorinnen haben die edlen Blutsauger als exotische Liebhaber für sich wieder entdeckt, nachdem tapfere Recken aus der Vergangenheit passé sind, auch der ein oder andere Autor von Thrillern und Krimis garniert seine Geschichte mit dieser exotischen Zutat.

 

Das ist auch bei Charlie Huston und seinen Romanen um den Privatschnüffler Joe Pitt der Fall. Der ist es gewohnt, sich in den Schatten zu bewegen und teilweise auch nicht ganz legale Aufträge zu erfüllen. Doch nun kann er gar nicht mehr anders. Seit er vor mehr als einem Jahr in der „Stadt aus Blut“ von einem Verrückten gebissen wurde und das „Vyrus“ auf ihn übergegangen ist, hat sich in seinem Leben einiges verändert. Zwar ist er jetzt gegen viele Krankheiten wie auch AIDS resistent geworden, aber er musste seine Essgewohnheiten umstellen, das Sonnenlicht führt zu Verbrennungen und rasend schneller Bildung von Tumoren. Und wenn er nicht aufpasst und dem Feind in seinem Inneren nicht genug mährstoffreiche Nahrung zuführt, mutiert er schneller als er will zu einer blutgierigen Bestie.

Glücklicherweise haben ihm Freunde geholfen und in die Welt der Vampire eingeführt. Diese leben in Clans und Gang zusammen, beanspruchen bestimmte Territorien für sich und achten eifersüchtig darauf, dass es keine Übergriffe gibt. Allerdings sehen sie es auch nicht gerne, wenn jemand unabhängig bleibt. So wird Joe in „Blutrausch“ klar gemacht, dass er sich bald für jemanden entscheiden muss, wenn er nicht von allen gejagt werden will.

Gleichzeitig bittet man ihn darum, heraus zu finden, was es mit der neuen Droge auf sich hat, die auf den Markt gekommen ist und speziell für Vampire geschaffen wurde. Das Vyrus lässt es normalerweise eigentlich gar nicht zu, dass man lange auf einem Trip bleibt. Die neue Droge Anathema aber sorgt für das genaue Gegenteil.

Verteilt wird sie von einem jungen verwöhnten Typen, der sich „Graf“ nennt und immer in Gesellschaft von drei jungen und hübschen Frauen zu finden ist. Als Joe diesen genauer unter die Lupe nimmt, entdeckt er noch eine weitere Spur, die ihn jedoch nachdenklich werden lässt.

Wenn diese sich bewahrheitet, könnte er mit dieser Information einen brutalen Krieg auslösen, denn mit DJ Grave Digga und seinen Leuten ist nicht zu scherzen.

 

Auch wenn „Blutrausch“ schon der zweite Band der insgesamt fünfbändigen „Joe Pitt“- Saga ist, hat man auch als Neueinsteiger keine Probleme die Handlung zu verstehen, denn Charlie Huston erklärt die wichtigsten Elemente seiner Story in der Handlung. Dabei vergisst er aber auch nicht die Spannung aufrecht zu erhalten und das Abenteuer seines Helden in gekonnter Thriller-Manier zu erzählen. Man taucht ein in die Halbwelt der Gauner und Gangster, der Rapper und Illegalen - kurzum dem Setting, das Filme wie „Pulp Fiction“ zeichnen. Sie ist dreckig, zynisch und vulgär, befindet sich in den Schatten von New York und fernab von Recht und Gesetz. Wie seine Feinde und Klienten sieht auch Joe Pitt das Leben nüchtern und realistisch, verzichtet darauf, irgend etwas zu beschönigen. Und so liest sich das Buch dann auch. Der Autor erzählt seine Geschichte schnörkellos, ohne etwas zu beschönigen und zarte und sanfte Gefühle aufkommen zu lassen. Stilistisch wählt er dabei kurze abgehackte Sätze, die sich wie im Stakkato lesen, vor allem die nur durch einen Bindestrich hervorgehobenen Dialoge. Heraus kommt eine spannende Geschichte, die sich zwar sehr stark an den gängigen Mustern des Gangsterfilms orientiert, aber dennoch gut zu unterhalten weiß.

 

„Blutrausch“ hebt sich angenehm von den gefühlsdusligen Vampirromanzen ab, die sonst den Markt bevölkern und zeichnet ein interessantes wie modernes Bild der Blutsauger, das ebenfalls viele der alten Klischees hinter sich lässt. Gerade Horror-Fans, die es etwas härter und kompromissloser mögen, sollten sich das nicht entgehen lassen.

 

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Blutrausch

Reihe: Joe Pitt, Bd. 2

Autor: Charlie Huston

broschiert, 318 Seiten

Heyne, erschienen Mai 2008

ISBN 978-3-453-43330-4

Übersetzung von Kristof Kurz

Titelbild von rattle snake

Erhältlich bei: Amazon

 

weitere Infos:


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Erstellt: 10.05.2008, zuletzt aktualisiert: 05.10.2018 18:46