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Böse von Bentley Little

Rezension von Eileen Weinreich

 

Inhalt

Die idyllische Kleinstadt Willis im amerikanischen Phoenix ist der Inbegriff friedlicher Beschaulichkeit. Man kennt sich, man mag sich und natürlich hilft man sich, wo man kann. Dies schließt den mittlerweile seit zwanzig Jahren amtierenden Postboten natürlich nicht aus. Stets ist man bereit, ein Schwätzchen mit ihm halten, wenn er seinem Job nachgeht. Umso weniger können die Einwohner von Willis verstehen, wie der Mann sich plötzlich selbst erschießen konnte. Der Verlust hinterlässt ein großes Loch, das allerdings nicht lange klafft. Ein Nachfolger ist schnell in John Smith gefunden. Doch plötzlich geschehen merkwürdige Dinge mit der Post.

 

Es werden keine Rechnungen und keine nervige Werbung mehr zugestellt, sondern nur noch erfreuliche Briefe. Dabei bleibt es aber nicht. Zunehmend mehr Briefe werden verteilt, die offensichtlich falsch zugestellt wurden und in ihrem Inhalt jemanden diskreditieren, der natürlich rein zufällig derjenige ist, der den betreffenden Brief erhält. Feindseligkeit macht sich breit. Hinzu kommen Briefe von Menschen, die lange tot sind und Unerfreuliches enthalten. Der Lehrer Doug ist sich sicher, dass der neue Postbote etwas damit zutun haben muss. Immer beängstigender wird die Situation, als der Herausgeber der örtlichen Zeitung Amok läuft und sämtliche nicht zugestellte Briefe wie Rechnungen im Fluss gefunden werden…

 

Kritik

Was zunächst stark an „Needful things“ von Stephen King erinnert, entpuppt sich recht bald, wie das Original, als ein schauriger Horrorroman, in dem nichts so ist, wie es scheint. Bentley Little zeichnet zunächst auf sehr ausführliche Weise das Bild einer typischen amerikanischen Kleinstadt. Dabei wird der bekannte und in derartiger Literatur gerne verwendete Schrecken genutzt, der sich einstellt, wenn ein solches Idyll zerstört wird. Ähnlich wie man es von Stephen King kennt, stellt sich das Grauen auch hier schleichend ein und über einen Weg, der eigentlich normaler und weniger Schrecken erweckend kaum sein könnte. Littles Konzept scheint zunächst auch aufzugehen. Man saugt das trügerische Idyll schier in sich auf, um dann in ein grauenvolles Szenario geworfen zu werden – so glaubt man. Leider erliegt der Autor jedoch der Versuchung, sich in zu viele Details zu verlieren. So ziehen sich die ersten 100 Seiten ewig lange hin und man hat den Eindruck, als würde nichts geschehen. Als die Vorfälle sich dann häufen, drängt sich die Hoffnung auf, dass die Spannung nun zunehmen würde – leider ein Trugschluss. Der Autor verharrt in seinem Muster. Grade ab der Mitte des Romans hat man als Leser den zunehmend stärker werdenden Eindruck, als würde der gesamte Plot stagnieren und der Autor für kurze Zeit keine Ideen mehr. Zwar werden die mysteriösen Vorfälle in Zusammenhang mit der Post immer furchterregender, aber die eigentliche Story wird dadurch keineswegs vorangetrieben. Ziemlich offensichtlich erscheint es also so, als habe Little versucht, den erfolgreichen Stil Stephen Kings zu kopieren, der zwar ähnlich langatmig ist, den Leser dennoch aber durch scheinbare Trivialitäten zu fesseln weiß. Dieses Konzept geht in „Böse“ eindeutig nicht auf.

 

Auf der Strecke bleiben dabei leider auch die Figuren. Diese verharren in typischen Kleinstadt – Stereotypen, wie man sie kennen mag. Dabei können sie keineswegs überzeugen. Allesamt bleiben sie kaum mehr als Namen auf dem Papier. Sogar mit den Hauptfiguren ist dies der Fall, von Nebenfiguren ist gar nicht zu sprechen, da diese fast vollständig unter den Tisch fallen. Es fehlt einfach das gewisse Etwas, das die Figuren und ihr Leben plastisch erscheinen lässt. So kann man den Schrecken, der sie nach und nach überfällt zwar durchaus nachempfinden, aber man fühlt nicht wirklich mit. Des Weiteren ist das Agieren der Figuren nur schwer nachzuvollziehen und damit vollkommen unrealistisch. Besonders deutlich stellt sich dies heraus bei Bösewicht John Smith. Viel zu wenig ist er präsent, viel zu verschwommen ist das Bild, das man sich von ihm macht. Hinzu kommt, dass es doch mehr als unwahrscheinlich ist, auch für einen fiktionalen Horrorroman, dass eine einzelne Person fähig ist, auch über die Dorfgrenzen hinaus ganze Institutionen in die Irre zu führen. Hier hätte Bentley Little sich, wenn er schon so schamlos die grandiose Idee Kings klaut, doch etwas mehr an dessen Bösewicht Leeland Gaunt halten können.

 

Mit „Böse“ liegt also ein schnöder Horrorroman vor, der sich mit dem Tempo einer kriechbehinderten Schnecke dem apokalyptischen Höhepunkt nähert. Obwohl der Schreibstil recht simpel und flüssig zu lesen ist, hat man dennoch immer wieder den Eindruck, man würde auf der Stelle treten. Dies macht Littles Roman zu einem wirklich sehr schlechten Abklatsch vom Vorbild und daher zu einem Roman, der alles andere als empfehlenswert ist. Das gewisse Etwas, der subtile Horror, das schleichende Gruseln fehlen, weswegen jeder Horrorfan dieses Buch getrost im Regal stehen lassen kann.

 

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Böse

Autor: Bentley Little

Broschiert: 416 Seiten

Verlag: Luebbe Verlagsgruppe; Auflage: 1 (17. März 2009)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3404159861

ISBN-13: 978-3404159864

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 28.04.2009, zuletzt aktualisiert: 05.10.2018 18:46