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Chrysaor von James A. Sullivan

Rezension von Ralf Steinberg

 

Rezension:

Chris Mesaidon ist selbständiger Frachterpilot und lebt auf der Raumstation Ianthe 3. Nach dem Tod seiner Ziehmutter konnte er mit zehn Jahren die Mündigkeitsprüfung überraschender Weise bestehen und lebt seither allein. Sein Traum ist es, mit dem Geld aus den Frachtaufträgen irgendwann ein eigenes Wirtschaftsmodul auf der Station kaufen zu können. Als man ihm einen speziellen Auftrag anbietet, wird die Station von einer uranosischen Flotte angegriffen und sein Frachter in der Landebucht zerstört. In den Wirren der Evakuierung trifft er auf einen älteren Piloten, der ihn kurzerhand mit aufs Schiff nimmt. Knapp können sie den feindlichen Schiffen entkommen, die inzwischen aus Inkompetenz die Raumstation vernichten. Gerade noch so entwischt Chris mit Valmas durch ein Portal in den Hyperraum. Das Ziel ihrer Flucht ist ein altes Piratennest auf Titan …

 

James A. Sullivan dürfte vielen Phantastikfans in erster Linie als Fantasy-Autor bekannt sein, doch inzwischen hat er sich auch innerhalb der Science-Fiction einen Namen gemacht. Mit Chrysaor begann sein SF-Abenteuer.

 

Die Space Opera lebt von einem hohen Action-Anteil, der sich auf ganz unterschiedliche Handlungsorte verteilt. Steht zunächst die Flucht und das Kennenlernen der beiden Männer im Vordergrund, wird bald klar, dass sich der Konflikt, der mit der Zerstörung der Raumstation Ianthe 3 einen vorläufigen Höhepunkt erreichte, in Wirklichkeit um Chris Mesaidon selbst dreht. Bald erfährt er die Wahrheit über sich und seine Rolle wird eine andere. Keinen geringen Anteil daran hat die junge Ehefrau seines gefährlichsten Widersachers.

 

Der Plot nutzt eine Reihe klassischer Elemente. So gibt es den jugendlichen Helden, dessen Herkunft ihn in galaxisweite Konflikte verwickelt. Die Reste einer untergegangen Zivilisation erweisen sich als wichtige Waffe im Kampf gegen die bösen Feinde und ein brummiger, väterlicher Begleiter lockert mit seinen Sprüchen die Handlung auf.

 

Dennoch würft James A. Sullivan noch ein paar Dinge mehr in seinen deftigen Space-Opera-Eintopf. So präsentiert er eine Zivilisation nach der Singularität. Die Künstlichen Intelligenzen haben die Menschheit und ihre Einflusszone verlassen. Sich selbst weiter entwickelnde Maschinen sind Vergangenheit, man lebt von dem, was noch da ist und funktioniert. Reparatureinheiten sind ein Vermögen wert, eine, die wiederum Reparatureinheiten reparieren kann, ist der heilige Gral. Wer das Paradies der KI-gesteuerten Zivilisation noch kennengelernt hat, trauert der guten alten Zeit hinterher, ihre Kinder nennen das Dekadenz und versuchen das beste aus dem Niedergang zu machen. Kaum jemand aber weiß wirklich noch, wie Maschinen funktionieren, geschweige den Computer – wer über solche Kenntnisse verfügt, ist bei den Wirtschaftskartellen sehr begehrt. Immer wieder streut der Autor kleine Reminiszenzen an Informatikgrößen ein und lässt zwischendurch eine ganze Menge Wissen über künstliche Intelligenz einfließen.

 

Die zweite besondere Zutat ist eine außergewöhnliche Frauenfigur. Darae ist nicht einfach nur die schöne Ehefrau eines uranosischen Colonels. Sie betreibt ein Schattenimperium, ist eine exzellente Hackerin und bestimmt ihr Handeln selbst. Durch sie gelingt es James A. Sullivan, auch den romantischen Part des Romans lebendiger und vor allem moderner zu gestalten. Die Figuren begegnen sich auf Augenhöhe, ja eigentlich ist Darae sogar die stärkere. In Kombination mit einer sauber konstruierten Hintergrundgeschichte wird »Chrysaor« so zu einem abwechslungsreichen und sehr lesenswerten SF-Abenteuer mit genau dem richtigen Tiefgang.

 

Fazit:

Mit »Chrysaor« gelang James A. Sullivan ein fesselnder Einstieg in die Science-Fiction. In die klassische Space Opera schleuste er ganz nebenbei ein wenig Hard-SF ein und das macht »Chrysaor« zu einer mehr als unterhaltsamen Lektüre.

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Eure Meinung:

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Buch:

Chrysaor

Autor: James A. Sullivan

Taschenbuch, 510 Seiten

Piper, 17. März 2016

Cover: Adam Burh

 

ISBN-10: 3492704034

ISBN-13: 978-3492704038

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B07ZJ5TWMF

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Weitere Infos:


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Erstellt: 26.06.2020, zuletzt aktualisiert: 27.06.2020 11:10