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Coraline von Neil Gaiman

Rezension von Jörg Pacher

 

Beim Namen Neil Gaiman denkt man im ersten Augenblick sicher nicht an Kinderbücher. Dass er als einer der ganz großen Comicautoren inzwischen auch gerne Bücher (so echt mit kleingedruckten Worten) schreibt, wird wohl schon manchem aufgefallen sein. Aber wie sich die Düsternis, die Gaiman auszeichnet in ein Kinderbuch umgesetzt werden kann, ist eine ganz andere Frage.

 

„Coraline. Gefangen hinter dem Spiegel.“ beantwortet dies. Um ehrlich zu sein, wer bereits einen Blick in Gaimans Kurzgeschichtensammlung „Smoke and Mirrors“ – auf Deutsch erschienen als „Die Messerkönigin“ – geworfen hat kann es sich ohnehin vorstellen.

 

Das Mädchen Coraline – ihr exaktes Alter wird uns nie verraten – zieht mit ihren Eltern in eine neue Wohnung. Bald schon muss sie feststellen, dass in diesem alten Haus mit seinen exzentrischen Bewohnern einiges unheimlich ist. Da gibt es in der neuen Wohnung eine Tür, die zuerst vermauert scheint, und nachts dann in eine Spiegelrealität führt. Schön, dass die „falschen Eltern“ in der „anderen Wohnung“ hinter dem Spiegel sich um Coraline kümmern wollen. Wenn sie nur nicht schwarze Köpfe statt Augen angenäht hätten...

 

Als Coraline dann zurückkehrt und ihre echten Eltern verschwunden sind, muss sie sich entscheiden, ob sie sich den "falschen Eltern" nochmals stellen will. Und unterstützt wird das kleine Mädchen dabei eigentlich nur von einer Katze.

 

Wie diverse Beispiele bereits andeutet, verzichtet Gaiman auch wenn er für Kinder schreibt nicht auf diverse bizarre Details. Im Gegenteil: die kleinen Ekeleffekte würzen die Geschichte und machen sie erst gruselig. Auf Gewalt wird größtenteils verzichtet, dafür appelliert Gaiman an die Urinstikte, egal ob Grabbeltier, Nebel, Finsternis oder bodenlose Abgründe, man wird all das in "Coraline" finden. Was dieses Buch außergewöhnlich macht, ist wie diese altbekannten Elemente elegant in wenige und einfache Worte gepackt werden. Man kann „Coraline“ ohne weiteres als das schriftstellerische Äquivalent zu einem Tim-Burton-Film ansehen. Und deshalb ist "Coraline" nicht nur für Kinder geeignet. Auch Erwachsene sollten die hundertfünfundsiebzig Seiten spannend finden. Schade nur, dass die gelungenen Illustrationen der englischsprachigen Ausgabe ersatzlos gestrichen wurden.

 

Eure Meinung:


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Buch:

Coraline

Autor: Neil Gaiman

Broschiert - 175 Seiten - Arena

Erscheinungsdatum: März 2005

ISBN: 3401023489

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 31.10.2005, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 10:52