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Crota von Owl Goingback

Rezension von Carina Schöning

 

In seinem Debütroman „Crota“ verwebt Owl Goingback, selbst Choctaw-Cherokee Indianer geschickt indianische Mythologien und Legenden zu einem modernen und spannenden Horror Roman, der sogar den begehrten Bram Stoker Award erhielt und für den Nebula Award nominiert wurde.

 

In dem kleinen und beschaulichen Städtchen Hobbs Country geschieht auf einmal ein rätselhafter Doppelmord. Der Jugendliche Buddy Jerworski wird auf dem Weg zu einem Rendezvous von einer geheimnisvollen Bestie angefallen und versucht zu fliehen. In aller Eile rennt er jedoch vorm LKW von James Hoffman und bettelt verwirrt um Hilfe. Was zuerst auf James als kranke Drogenphantasie oder Wahnvorstellung wirkt, entpuppt sich nun als bittere Realität. Die Bestie schlachtet beide regelrecht ab und reißt sie in Stücke.

 

Für die örtlichen Behörden sieht es klar nach dem Angriff eines Bären aus. Die Leichen hatten keinerlei Verbindung zueinander und wurden beide zerfleischt auf der Straße Richtung Logan gefunden. Sheriff William „Skip“ Harding leitet die Ermittlungen und wird bei einem Zwischenfall selbst von der Bestie angefallen.

 

Zur gleichen Zeit empfängt der Cherokee Indianer und Schamane Jay Little Hawk eine Vision von seinen Vorfahren. Vor langer Zeit wurde das uralte Böse, auch Crota genannt unter großem Opfer der Shawnee und Creek in einer Höhle unterhalb des Missouri gesperrt. Die Stammesältesten und Medizinmänner töteten sich selbst, um mit ihrem Blut den Eingang zu der Höhle zu versiegeln. Durch ein Erdbeben wurde nun dieses Siegel zerstört und die Bestie verlangt nach Rache. Zusammen mit Skip und dem Medizinmann George Strong Eagle versucht Jay die Bestie endgültig zu töten…

 

„Crota“ ist ein interessanter Mix aus Horror und Mystery. Der Autor konzentriert sich hauptsächlich auf das Wesentliche und spult eine geradlinige Story ohne nennenswerte Überraschungen ab. Die Personen bleiben dabei leider alle eher blass und stereotyp und können nicht wirklich überzeugen. Jay ist selbstverständlich Wildhüter und achtet die Natur genauso wie den Menschen. Selbstverständlich distanziert er sich von dem Verhalten der „Weißen“ und deren Umgang mit seinen Stammesbrüdern. Und selbstverständlich erkennt der Sheriff am Ende sein indianisches Erbe (ein Viertel von seiner Großmutter) an und wird zu einem besseren Menschen bekehrt. Das obligatorische Blutsbrüderschaft-Schließen kurz vorm Ende wird dabei auch nicht ausgelassen.

Einige wenige indianische Dinge wie Schwitzhütte, Kinnikinnick oder Traumsymbole werden zwar kurz erläutert, ergeben aber wieder nur eine oberflächige Sichtweise ihrer Lebensart. Da der Autor selbst Indianer ist, hätte man das Thema wesentlich ausführlicher ausbauen können.

 

Dennoch weiß der Roman zu gefallen. Besonders im ersten Drittel schafft Owl Goingback eine ganz eigene bedrohliche Stimmung und Atmosphäre zu erzeugen. Stellenweise erinnert es dabei stark an die Bestie von Gévaudan, aber mit einem wesentlich höheren Brutalitätsfaktor. Danach wird es mehr mystischer und verklärter. Der Schluss ist ganz klar vorhersehbar.

 

Die Ausstattung und Verarbeitung des kurzen Romans ist wirklich hervorragend: gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag und Lesebändchen. Zusätzlich gibt es ein kurzes und eher überflüssiges Personenregister sowie eine Innenillustration von Jan Balaz. Das Cover hat einen edlen Glanzdruck und zeigt die glühenden Augen von Crota.

 

Insgesamt ist der Roman Crota eine interessante und spannende Mischung aus Horror und Mystery mit etwas zuviel aufgesetzter Sozialkritik. Durch den geringen Umfang eignet er sich besser für „Zwischendurch“ als für wirklich lange Leseabende.

 

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Crota

Autor: Owl Goingback

Original: Crota

Übersetzer: Michael Krug

Otherworld Verlag, Mai 2007

Hardcover mit Schutzumschlag, 231 Seiten

ISBN-10: 395021853X

ISBN-13: 978-3950218534

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 31.05.2007, zuletzt aktualisiert: 05.11.2015 20:21