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Dämonenbeschwörung

Autor: Dirk Taeger

 

Es war der glücklichste Tag in seinem Leben, dachte Agëon. Alle Verwandten, Freunde und Nachbarn hatten sich eingefunden, um das Land zu segnen. Er hatte diesen Teil des Landes von der Dorfgemeinschaft zugewiesen bekommen. Es war ein gutes Stück Land und es würde genug Roggen tragen, um davon Leben zu können. Lachend küßte er seine Frau und umarmte seinen Sohn.

 

Plötzlich schrie Agëon auf und krümmte sich in konvulsen Bewegungen. Stöhnend ging er in die Knie und presste die Fäuste gegen die Schläfen. Erschrocken wichen alle von ihm. Selbst seine Frau rückte ab. Niemand konnte ihm mehr helfen. Sein Sohn sah ihn um Verständnis bittend an. Dies war, was er zuletzt wahrnahm. Sein letzter Gedanke war. "Warum ich, warum ausgerechnet ich?"

 

Würgend kam Agëon wieder zu sich. Er lag nackt auf kalten Fliesen. Sein Schädel dröhnte und ihm war kotzschlecht. In der Ferne vernahm er Gemurmel, wegen des dämmrigen Kerzenlichts konnte er die Person nicht sehen. Langsam und ruckhafte Bewegungen vermeidend stand er auf. Entsetzt blickte er an sich herab. Seine Fingernägel hatten sich in lange Krallen verwandelt. Sein ganzer Körper glitzerte grün im Schein der Kerzen. Schuppen überzogen ihn. Seine ganze Physis hatte sich verändert. Lange Reißzähne verunzierten sein Gesicht. Die glühenden Augen waren tief im Schädel plaziert.

 

Wut wallte in ihm auf. Voller Haß stürzte er sich auf die Person in der weiten mit Glyphen geschmückten Robe, die noch immer beschwörerische Gesten vollführte. Erschrocken wich diese zurück, als sie das Aufbrüllen Agëons hörte. Dieser hatte schon fast seine Krallen an der Kehle des Mannes, als er brutal zurückprallte. Qualvoll schrie er auf. Peinigender Schmerz wallte durch seinen Körper. Keuchend blieb er auf dem Boden liegen.

 

Angstvoll schaute Agëon wieder auf. Das Pentagramm schützte seinen Peiniger davor, von ihm angegriffen zu werden. Er war diesem Wesen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Was immer es wollte. Agëon mußte es tun.

 

Knurrend kam er wieder auf die Beine und der höhnische Blick des Wesens brannten sich in seine Seele. Geifer tropfte aus den Mundwinkel des alten Mannes. Erst jetzt erkannte Agëon mit wem er es zu tun hatte. Es war ein Greis, nur vereinzelt hatte er noch weiße Haare und sein bleichweißer Vollbart, der ihm bis zur Brust hing hatte die Essensreste der letzten Woche gut konserviert. Pergamentartige Haut spannte sich um die Handgelenke des Alten, die aus der schwarzen Robe hervorlugten.

 

Dieses schwächliche Wesen hatte ihn beschworen? Von seiner Familie fortgerissen. Was bildeten sich diese Wesen ein, über andere zu herrschen? Aber er hatte im Moment keine Wahl. Er mußte dieser schwachen Person gehorchen.

 

"Ich befehle dir, was du zu tun hast!" wies ihn der hagere Zauberer an. Wieder wehrte sich Agëon gegen die Anweisung, das Pentagramm zwang ihn in die Knie. Er mußte die Befehle des alten Mannes ausführen. "Hör' mir gut zu", sagte dieser ihm. "Ich will, daß du dich in das Königreich Pribiloff begibst, den dort herrschenden Hofzauberer aufsuchst und ihn zerfetzt." Der Greis redete sich in Rage. "Hast du gehörst! Zerfetzt, zerfleischt. Ihm die Haut von den Knochen ziehst." Der Zauberer lachte irre, in Erwartung seines Sieges über den offensichtlichen Konkurrenten. Diesen hätte er sicher auch ausgeschaltet, wenn er nicht unachtsam gewesen wäre. Im geisteskranken Taumel zog sein rechter Fuß über die Kreide des Pentagramms. Unglücklicherweise verwischte dabei die Zeichnung. Agëon bemerkte es sofort. Die bannenden Kräfte ließen urplötzlich nach. Er wußte, wenn er nicht schnell handeln würde, wäre seine Aussicht auf Rache vorbei. Ohne Umschweife stürzte er sich auf den alten Mann. Mit einem ungläubigen Staunen quittierte dieser die Attacke. Noch bevor er den Grund des Angriffs begreifen konnte, lag er mit zerfetzter Kehle auf den Boden. Dann zog es Agëon aus dieser Dimension.

 

Agëon fand sich wieder auf dem Feld. Noch immer standen seine Familie und die Nachbarn dort und starrten ihn an. Langsam, noch immer unter dem Eindruck des Erlebten, stand Agëon auf. Mit krächzender Stimmer verkündete er: "So kann es nicht weiter gehen. Wir müssen etwas tun." Zustimmendes Gemurmel erhob sich.

 

© 1995 by Dirk Taeger

 

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Erstellt: 28.07.2005, zuletzt aktualisiert: 27.09.2016 09:58