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Dark Delicacies: Leckerbissen des Bösen von Del Howison u. Jeff Gelb (Hrsg.)

Rezension von Cronn

 

In Deutschland haben es Geschichtensammlungen schwer.

Sie gelten im Verlagsbereich als schwer verkäuflich und werden daher nur sehr selten außerhalb der Kleinverlagsszene erstellt. Im Bereich der dunklen Phantastik, sprich „Horror“ ist die Kurzgeschichte als Form eigentlich ideal. Aber auch hier bietet sich dasselbe Bild –Anthologien werden vom großen Publikum nur sehr schwer angenommen.

Innerhalb der phantastischen Kleinvelagsszene ist das zumeist anders. Hier gibt es eine recht umfangreiche Menge an Material, aus dem der Leser schöpfen kann. Nicht nur Anthologien existieren hier, auch Kurzgeschichtensammlungen (=Geschichten eines Autors).

Im phantastischen Oeuvre hat sich der Festa Verlag seit den 90er Jahren (damals noch als Edition Metzengerstein) hervorgetan. Nach einem Intermezzo beim BLITZ-Verlag hat sich Frank Festa selbstständig gemacht, seinen eigenen Verlag gegründet und wirkt nun vom Osten der Republik aus mit großer Innovationskraft.

Sein Verlag gilt zurecht als einer der umtriebigsten innerhalb der Kleinverlagslandschaft. Und immer wieder ist sich Frank Festa nicht zu schade, auch scheinbar schwer verkäufliche Kost dem Leser anzubieten. Literaten wie Jeffrey Thomas oder Thomas Ligotti haben hier ein Zuhause gefunden und wurden dem deutschen Publikum präsentiert. Dies ist sehr lobenswert und man darf als Freund der phantastischen Kurzgeschichte auch weiterhin auf derart anspruchsvolle Kost hoffen.

Nun liegt mit „Dark Delicacies: Leckerbissen des Bösen“ ein Werk vor, das es in sich hat. Neue Kurzgeschichten von renommierten Autoren wie Clive Barker stehen neben bei uns unbekannten Schriftstellern wie Lisa Morton. Ob die Sammlung ein Hit ist?

 

Inhalt:

„Dark Delicacies: Leckerbissen des Bösen“ ist eine Sammlung, die von Del Howison und Jeff Gelb im Original herausgeben wurde. Sie entstand zu Ehren eines Phantastik-Buchladens gleichen Namens „Dark Delicacies“, der die Herausgeber zu dem Werk inspirierte.

Viele bekannte Namen sind dem Ruf der Herausgeber gefolgt und gaben Kurzgeschichten für die Anthologie. Unter anderem sind dabei: Clive Barker, Steve Niles, Ramsey Campbell, David J. Schow, Lisa Morton, Richard Laymon, Ray Bradbury, Brian Lumley, Whitley Strieber und andere mehr. Die Liste liest sich teilweise wie das “Who is who” in Horror-Literatur der anglo-amerikanischen Gegenwart. Es fehlt nur noch Stephen King und Dean Koontz, um das Bild komplett zu machen.

Die Kurzgeschichten lassen sich keinem Thema unterordnen. So ist Wildwuchs nicht nur erwartet, sondern sogar erwünscht. Dabei fällt auf, dass einige der großen Namen hinter den Erwartungen zurückfallen. Gerade Ramsey Campbells Story „Die Verkündigung“ ist recht schwach und wenig intensiv, aber auch Brian Lumley hinterlässt wenig Eindruck mit seiner Geschichte „Mein seltsamer Freitag“. Ray Bradbury liefert dennoch mit „Der Wiedergeborene“ eine gelungene Version eines alten Themas.

Auf der anderen Seite existiert eine Handvoll Geschichten, die es wirklich in sich haben. Lisa Morton überzeugt mit der spannendsten und am besten geschriebenen Geschichte der Sammlung unter dem Titel „Die Black Mill Bucht“, wobei die Story die Nähe zum Thriller nicht verhehlen kann und daher nicht im eigentlichen Sinne „Phantastik“ ist. Doch dies ist kein Malus und soll nicht als negativ angesehen werden, denn die Story ist zu gut, als dass derlei Kleinlichkeiten ins Gewicht fallen sollten.

Auch David J. Schow unterhält sehr gut mit seiner Story „Der Scheiterhaufen und andere Geschichten“, eine Kurzgeschichte, die in den Rahmen „Bücherhorror“ fällt. Toll geschrieben, mit einer interessanten Prämisse.

 

Fazit:

„Dark Delicacies: Leckerbissen des Bösen“ kann nicht vollauf überzeugen, dazu ist die Sammlung zu inhomogen, was aber bei Anthologien zumeist vorkommt.

Dennoch ist „Dark Delicacies: Leckerbissen des Bösen“ empfehlenswert.

Warum?

Weil „Dark Delicacies: Leckerbissen des Bösen“ einen weiteren Beitrag zur Etablierung der Kurzgeschichte in Deutschland darstellt und in der Sammlung ein halbes Dutzend tatsächlich handwerklich sauberer Horror-Storys dabei sind, welche ein angenehmes Gruseln verursachen.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Dark Delicacies: Leckerbissen des Bösen

Anthologie

Herausgeber: Del Howison und Jeff Gelb

Festa, 20. Juni 2009

Taschenbuch, 400 Seiten

 

ISBN-10: 3865520871

ISBN-13: 978-3865520876

 

Erhältlich bei: Amazon

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Weitere Infos:


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Erstellt: 09.03.2010, zuletzt aktualisiert: 10.08.2020 18:25