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Das Bernsteinteleskop von Philip Pullman

Reihe: His Dark Materials, Band 3

Rezension von Christel Scheja

 

Mit „Das Bernsteinteleskop“ bringt Philip Pullman seine Trilogie „His Dark Materials“ zum Abschluss, die mit „Der goldene Kompass“ und „Das magische Messer“ begann.

 

Noch immer verfolgt Lord Asriel den Plan, die Himmelsmächte selbst herauszufordern und mit der dunklen Materie, die Gott selbst zurückgelassen hat, eine Welt zu schaffen, die ohne die Diktatur und Willkür von Kirche, Engeln und höheren Mächten auskommt. Um so mehr bemühen sich seine Feinde, ihn davon abzuhalten. Ihre Agentin Mrs. Coulter wartet nur auf den geeigneten Moment zu einem Gegenschlag auszuholen.

Immerhin ist es ihr gelungen, Lyra endlich gefangen zu nehmen und von Will zu trennen. Den beiden Kindern kommt es zu, eine entscheidende Rolle in dem Kampf der Mächte einzunehmen. Denn in ihren Händen liegt die Macht, ob die Welten bei diesem Duell der Gegensätze zerstört werden oder noch einmal davon gekommen.

Mit Hilfe des Alethiomethers, des goldenen Kompasses und des magisches Messers, durch das Will im Stande ist, Öffnungen in andere Ebenen zu schaffen, haben sie mehr über die Intrigen erfahren, in die sie verwickelt wurden und wissen, dass sie handeln müssen, ehe es zu spät für alle ist.

Ihre Verbündeten unter den Hexen und Gestern, den Eisbären, Engeln und Dœmonen tun alles um ihnen den Rücken frei zu halten. Zunächst helfen sie Will, Lyra aus den Händen von Mrs. Coulter und dem über sie geworfenen Bann zu befreien. Dann begeben sie sich tapfer in das Reich der Toten, wo sie sich Antworten auf einige ihrer Fragen erhoffen - und Lyra auch noch einmal mit Roger sprechen möchte, an dessen Tod sie sich noch immer schuldig fühlt. Auf ihrer Reise treffen sie immer wieder auf Freunde, die ebenfalls Anteil an dem Kampf nehmen wie dem Eisbärenkönig Iorek Byrnison und der Wissenschaftlerin Mary Malone, aber sie gewinnen auch neue Verbündete wie die beiden Gallivespier Lady Salmakia und Chevalier Tialys, die nun auch ihren Teil zum Kampf beitragen.

Indessen wird Mrs. Coulter von Lord Asriel gefangen genommen, der seine ehemalige Geliebte in seine Pläne einweiht und versucht ihr die Augen zu öffnen. Er versucht ihr klar zu machen, dass nicht er, sondern die Herren, denen sie dient, eigentlich die Bösen sind. Doch kann er sie wirklich auf seine Seite ziehen?

Allen beteiligten ist klar, das die letzte Auseinandersetzung unausweichlich ist. Das einzige, was sie noch beeinflussen können ist der Ausgang, und so liegt es an den Kindern mit all ihrer Kraft und ihrem Verstand dafür zu sorgen, das die Welten am Leben bleiben.

 

Auch in „Das Bernsteinteleskop“, bleibt sich Philip Pullmann treu. Er führt nun die einzelnen Handlungsstränge zusammen, die er in den ersten beiden Bänden sorgfältig aufgebaut hat und beantwortet die offenen Fragen. Nun endlich enthüllt er das volle Ausmaß der Intrigen im Hintergrund, die nicht einmal mehr von Menschen, sondern von den Himmelsmächten selbst gesteuert werden. Und langsam wird der wahre Hintergrund deutlich. Es bahnt sich die Wiederholung eines biblischen Kampfes an. Wie einst Luzifer fordert auch Lord Asriel die durch die Engelsheere bewachte feststehende Ordnung der Universen an. Doch diesmal ist es Metatron, der oberste aller Engel selbst, der ihm entgegen tritt.

Will und Lyra, die für all das stehen, was das Gute im Menschen ausmacht, sind dabei das Zünglein an der Waage. Vielleicht nicht einmal durch ihre Taten sondern einfach durch ihre Anwesenheit. Und um noch immer zu rechtfertigen, das dies hier ein Kinderbuch ist, und nicht ein Fantasyroman für Erwachsene. Denn was Philip Pullmann hier anspricht ist alles andere als märchenhaft, sondern starker Tobak für alle, die sich zumindest ein bisschen in christlich-jüdischer Mythologie auskennen. Wieder einmal spielt er mit pholosophischen Überlegungen des Christentums und stellt sie ganz gehörig in Frage, in dem er Lord Asriel die Rolle Luzifers einnehmen lässt. Zwar bleibt er dabei noch immer in einem akzeptablen und höflichen Rahmen, geht aber schon ein bisschen weiter als im vorigen Buch.

Der Roman funktioniert aber auch wieder auf zwei Ebenen. Denn jüngere Leser können sich wieder an den klaren und geradlinigen Abenteuern von Will und Lyra erfreuen, die sie durch ihre Exotik in Atem halten werden.

 

Und so ist „Das Bernsteinteleskop“ wie auch schon die anderen Teile weit mehr als eine märchenhaft verspielte Abenteuergeschichte. Durch den ausgefeilten und komplexen mythischen Hintergrund bietet er auch spannende Unterhaltung für Erwachsene, die es in sich hat.

 

Eure Meinung:


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Buch:

Das Bernsteinteleskop

His Dark Materials Band 3

Autor: Philip Pullman

broschiert, 590 Seiten

Heyne, erschienen September 2007

ISBN 978-3-453-50373-1

Übersetzung aus dem Englischen von Wolfram Ströle und Reinhard Tiffert

Titelbild von Cliff Nielsen

ab 12 Jahre

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 03.11.2007, zuletzt aktualisiert: 10.09.2019 19:06