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Das blutige Land von Richard Schwartz

Reihe: Die Götterkriege Band 3

 

Rezension von Markus Mäurer

 

Rezension:

Was der Verlag hier als den dritten Teil der Reihe Die Götterkriege verkauft, ist eigentlich der zehnte Teil der Reihe Das Geheimnis von Askir, Die Eulen von Askir mitgezählt. Denn, anders als die Klappentexte und Verlagsinfos zu den ersten beiden Teilen andeuten, spielen die Götterkriege nicht nur in derselben Welt, sondern knüpfen nahtlos an die Askir-Reihe an. Sie beginnen genauer gesagt drei Tage nach den letzten Ereignissen von Der Kronrat. Um den Götterkriegen folgen zu können, ist es eigentlich zwingend notwendig, vorher die Askir-Reihe gelesen zu haben.

Ich frage mich auch, ob sich der Verlag mit diesem Etikettenschwindel kein Eigentor schießt. Klar, jede Reihe verliert mit jedem weiteren Band mehr Leser, als sie dazu gewinnt. Also hat man sich aus vermutlich marketingtechnischen Gründen dazu entschieden, eine »neue« Reihe zu starten. Nur, wer in die Götterkriege einsteigt, wird ziemlich schnell, ziemlich verwirrt sein, weil er überhaupt nicht weiß, worum es hier überhaupt geht. Mich würde das sehr verärgern und von weiteren Käufen abhalten. Aber vielleicht irre ich mich ja auch.

Nun aber endlich zum Buch Das blutige Land. Nein, stopp. Erst noch ein paar Anmerkungen. Die ersten beiden Bände der Götterkriege unterscheiden sich in einem Punkt doch von den Askir-Büchern. Dort ist nämlich nicht mehr Havald der Ich-Erzähler, sondern es gibt mehrere Protagonisten, deren Erlebnisse in der dritten Person erzählt werden. Das sollte wohl für Abwechslung sorgen, kam bei den meisten Lesern aber scheinbar nicht so gut an, sodass Richard Schwartz das »Das blutige Land« wieder aus Havalds Perspektive erzählt. Das führt übrigens auch zu einigen Problemen, auf die ich später noch eingehen werde.

Bevor es jetzt endlich mit der Rezension losgeht noch ein paar persönliche Anmerkungen. Ich bin der Askir-Reihe seit Erscheinen des ersten Teils Das erste Horn treu. Das war der erste deutschsprachige Fantasyroman, der mich so richtig begeistern konnte. Die frostige, dichte und unheimliche Atmosphäre in dem eingeschneiten Gasthaus, die Geschichte, die wie ein Krimi aufgebaut war und die interessante Figuren haben mich schwer begeistert. Mit den nächsten Bänden ging es dann mehr Richtung Questen/Rollenspiel-Fantasy, konnte aber immer noch begeistern, weil Schwartz ein kurzweiliger, witziger und ausgezeichneter Autor ist. Da war es auch zu verschmerzen, dass es etwas lange gedauert hat, bis unsere Helden endlich Askir erreicht haben.

Mit Die Rose von Illian gab es dann den ersten Bruch. Havald war nicht mehr der Ich-Erzähler und einige der Protagonisten waren doch etwas blass. Die Handlung drehte sich immer mehr um organisatorische und taktische Militärangelegenheiten und die enorm hohe Fehlerquote (Rechtschreibung, Grammatik und inhaltliche Fehler) waren so hoch, dass mein Lesefluss massiv gestört wurde und ich das Buch fast als fehlerhaftes Exemplar zurück an den Verlag geschickt hätte. Für Letzteres ist vor allem natürlich das Lektorat und Korrektorat verantwortlich und nicht der Autor.

Trotzdem schaffte es Richard Schwartz, mich noch irgendwie bei der Stange zu halten. Was nicht einfach ist, da ich solche Endlosreihen, bzw. Reihen, deren Ende nicht absehbar ist, in der Regel nach vier bis fünf Bänden abbreche. Mit »Das blutige Land« ist es jetzt auch bei dieser Reihe so weit. Zumindest werde ich mit dem Lesen (und Kaufen) der weiteren Bände warten, bis ein Ende absehbar ist. Warum? Das werde ich im Folgenden erläutern.

»Das blutige Land« knüpft direkt an die Handlung von Die weiße Flamme an, nur wird jetzt wieder aus Havalds Perspektive erzählt. Der hat sein Gedächtnis wiedererlangt und begibt sich mit Serafine, einigen Soldaten und ein paar alten Bekannten in die Ostmark, um Frieden mit den Barbarenstämmen zu schließen. Das läuft natürlich nicht ganz einfach ab und schon bald stecken sie inmitten von Abenteuern und Kämpfen.

Hier taucht auch schon das erste Problem mit der Ich-Perspektive auf. Während Havald in der Ostmark in gewohnter Manier Abenteuer erlebt, hat sich ein Teil der Haupthandlung ja in den letzten beiden Bänden nach Illian und dessen Umgebung verlagert. Also muss Havald auf magische Weise zwischen den Handlungsorten hin und her hüpfen, ohne dass dies wirklich Sinn ergibt, oder er überhaupt etwas zu der dortigen Handlung beiträgt.

Trotzdem sind die einzelnen Handlungsabschnitte sehr spannend und unterhaltsam geschrieben. Nur passen sie nicht stimmig zusammen und werden leider durch weniger interessante Passagen unterbrochen. Auch gibt es eine merkwürdige Gewichtung der einzelnen Ereignisse. Eine Riesenschlacht, auf die man schon seit »Das erste Horn« mit Spannung wartet, wird auf wenige Seiten ruck zuck abgehandelt, obwohl sie Potenzial für eine epische und spektakuläre Schlachtenbeschreibung bietet. Stattdessen werden über unzählige Seiten die auch noch so kleinen und unwichtigen Details von Militärlogistik, einzelnen Geräten, Ausrüstungsgegenständen und anderen Sachen ausgewalzt. Ganz zu Schweigen von den unzähligen und seitenlangen Dialogen über Beziehungsfragen und Ähnliches. Die Rückkehr und Flucht zweier verschollener Hauptfiguren wird dafür nur in zwei Sätzen am Rande erwähnt.

Nicht, dass die oben kritisierten Punkte schlecht geschrieben sind, sie verleihen dem Roman durchaus eine gewisse Tiefe und Detailgenauigkeit. Aber die Gewichtung ist zu unausgewogen.

Richard Schwartz muss aufpassen, dass er sich nicht in der Detailverliebtheit eines George R.R. Martin verliert und er die Handlung nicht so endlos in die Länge zieht wie Robert Jordan. Als treuer Leser der Reihe, möchte ich natürlich wissen, wie der Kampf gegen den Nekromantenkaiser ausgeht und wann sich Askannon endlich zeigt, aber wenn sich der Weg bis dahin noch weiter in die Länge zieht, dann gehe ich unterwegs irgendwo verloren. So langsam fühle ich mich nämlich als Leseesel, dem ständig wieder die (zugegeben schmackhaft duftende) Karotte vor die Nase gehalten wird, damit der Verlag auch noch die letzten Goldmünzen aufsammeln kann, die ich Goldesel unterwegs verliere.

Das liest sich jetzt wie ein Totalverriss, aber ich bin auch überzeugt, dass dieses Buch den meisten Lesern, die der Reihe bisher treu geblieben sind, gefallen wird. Die einzelnen Abenteuer sind durchaus spannend geschrieben, Havald glänzt erneut mit seiner ihm eigenen Art von Humor (wenn auch nicht so stark wie früher) und man erfährt noch einiges über die Hintergründe der Götterkriege, den Nekromantenkaiser und anderen Figuren aus Askirs Vergangenheit. Wobei das Buch mit seinen fast 700 Seiten einerseits um 200 Seiten zu lang ist (da hätte man einige Redundanzen wegkürzen können) und andererseits auch wieder zu kurz, weil es mitten in der Handlung abbricht. Fieser-Cliffhanger-Alarm!

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Eure Meinung:

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Buch:

Das blutige Land

Reihe: Die Götterkriege Band 3

Autor: Richard Schwartz

Taschenbuch, 696 Seiten

Piper, Juli 2012

Titelbild von Uwe Jarling

 

ISBN-10: 3492268307

ISBN-13: 978-3492268301

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B007EUP6WG

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

 

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Erstellt: 14.09.2012, zuletzt aktualisiert: 13.09.2019 13:38